Wo einst kahle Erde und tiefe Erosionsrinnen das Land prägten, wachsen heute Bäume, Gras und neue Hoffnung. Christine und ihre Familie in Kenia zeigen, wie sie mit einfachen Methoden ihre Lebensgrundlage nachhaltig verändert haben.

Wo heute Bäume Schatten spenden und Gras für das Vieh wächst, war vor wenigen Jahren kaum noch Leben zu sehen. «Es gab keine Bäume und kein Gras», erinnert sich die 54-jährige Christine Mutua, während ihr Blick über ihre heute blühende, zwei Hektaren grosse Farm im Osten Kenias schweift. Noch vor wenigen Jahren war die Landschaft kahl. Tiefe Erosionsrinnen durchzogen das Land, und jede Trockenzeit brachte ihrer Familie neue Herausforderungen.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren acht Kindern war Christine darauf angewiesen, Weidefutter für ihr Vieh zuzukaufen.

«Wenn es regnete, wurde die Erde weggeschwemmt und es entstanden tiefe Rinnen. Während der Trockenzeit gaben wir jedes Jahr über KES 20’000 (rund CHF 125) für Weidefutter für unser Vieh aus», erzählt sie.

Früher mussten Christine und ihr Mann jährlich Weidefutter für ihre Viehherde zukaufen.

Auch Brennholz musste die Familie kaufen und gab dafür jährlich rund KES 14’400 aus. Reichte das Geld dafür nicht aus, lief Christine bis zu zehn Kilometer weit und war fast vier Stunden unterwegs, um Brennholz zu sammeln. Danach kehrte sie so erschöpft nach Hause zurück, dass ihr kaum noch Zeit und Energie für die Arbeit auf dem Hof oder im Haushalt blieb. Als die Erträge der Farm immer weiter zurückgingen, begann die Familie, Holzkohle herzustellen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern – ohne sich bewusst zu sein, welche langfristigen Schäden dies für die Umwelt verursachte.

Ein World Vision-Mitarbeiter zeigt Christine, wie man Bäume so beschneidet, dass sie langfristig mehr Ertrag liefern.

Veränderung beginnt mit einer Schulung

Alles änderte sich im Jahr 2024, als Christine im Rahmen des GREEN-Projekts (Greater Regeneration for Evergreen Environment) von World Vision Kenia an einer Schulung zur Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR) teilnahm.

«Ich war begeistert von diesem Ansatz, weil er nicht viel kostet und einfach umzusetzen ist», sagt sie. «Als ich nach Hause kam, erzählte ich meinem Mann und unseren Kindern, was ich gelernt hatte. Sie waren sofort überzeugt. Gemeinsam wählten wir zwei Hektaren Land aus, umzäunten die Fläche zum Schutz der natürlich nachwachsenden Bäume und begannen mit dem gezielten Zurückschneiden.»

 

Ganzheitliches Denken

Die Veränderungen beschränkten sich jedoch nicht auf die Farm. Die Schulungen zu Themen wie gewaltfreier Erziehung und guter Kommunikation beeinflussten auch das Zusammenleben innerhalb der Familie.

«Früher war das nicht so», erklärt Christine. «Heute setzen wir uns als Familie zusammen, auch mit unseren Kindern, wenn wir etwas planen, und tauschen unsere Ideen aus. Die Beziehung zu meinem Mann ist tiefer geworden, weil sich unsere Sichtweise verändert hat.»

Heute kann Christine genügend Futtermittel für ihre Tiere produzieren.

Auswirkungen im Alltag

Heute gedeihen auf den einst kahlen zwei Hektaren gesunde einheimische Bäume und üppiges Gras. Statt das Vieh frei weiden zu lassen, schneidet die Familie das Gras und bringt es zu den Tieren. Dadurch muss sie kein Futter mehr zukaufen. Durch das regelmässige Zurückschneiden der Bäume gewinnt sie zudem Zaunpfähle, Baumaterial und nachhaltig verfügbares Brennholz. So spart sie jedes Jahr mehrere Tausend kenianische Schilling und ermöglicht gleichzeitig die natürliche Regeneration der Landschaft.

«Bei FMNR kann ich gar nicht nur einen einzigen Vorteil nennen, denn jeder Bereich unseres Lebens hat sich verbessert», sagt Christine. «Ich muss nicht mehr weit laufen, um Brennholz oder Futter zu holen. Mein Alltag ist einfacher geworden, und gleichzeitig erholt sich unsere Umwelt.»

Dank besserer Anbaumethoden erzielen Christine und ihr Mann deutlich höhere Einnahmen.

Verbesserung des Einkommens

Die wiederhergestellte Landschaft sowie Schulungen zur Bodenfruchtbarkeit, zur Pflege von Terrassen und zum Anbau trockenheitsresistenter Kulturen haben die landwirtschaftliche Produktion deutlich verbessert. Christine baut heute Augenbohnen, Straucherbsen, Mungbohnen, Kürbisse und Mangos an. Dank besserer Anbaumethoden, gesünderer Böden und einer grösseren Anzahl Bäume erzielt sie höhere Erträge bei gleichzeitig tieferen Produktionskosten.

Dank Schulungen zum Marktzugang und Verhandeln mit Zwischenhändlern konnte Christine ihre Produkte deutlich teurer verkaufen und ihr Einkommen erheblich steigern.

 

Mehr Zeit dank Wasser vor Ort

Als Mitglied einer Spargruppe «Savings for Transformation (S4T)» konnte Christine dank ihrer Ersparnisse im Jahr 2025 einen Wassertank mit einem Fassungsvermögen von 5’000 Litern kaufen. Damit ergänzt sie drei weitere Tanks, die sie bereits früher über die Spargruppe finanziert hatte.

Zusammen mit einem Wasserreservoir auf der Farm verfügt die Familie nun über genügend Wasserspeicher, sodass die täglichen zwölf Kilometer langen Wege zum Fluss entfallen. Gleichzeitig ist das ganze Jahr über ausreichend Wasser für den Haushalt, das Vieh und den Pflanzenbau vorhanden.

Die Veränderungen sind auf dem Farmland deutlich sichtbar.

Langfristige Veränderung

Die Erholung der Umwelt ist inzwischen auf der ganzen Farm sichtbar. Vögel sind zurückgekehrt, wilde Früchte wachsen wieder, und die blühenden Bäume schaffen ideale Voraussetzungen für die Bienenzucht. Im Jahr 2025 konnte Christine aus zwei besiedelten Bienenstöcken 20 Kilogramm Honig ernten. Im Vorjahr waren es lediglich fünf Kilogramm aus einem einzigen Bienenstock. Damit verfügt die Familie über eine weitere Einkommensquelle.

Die wohl grösste Veränderung ist jedoch die gewonnene Zeit. Die Stunden, die Christine früher mit der Suche nach Brennholz und Weidefutter verbrachte, investiert sie heute in die Pflege ihrer Felder, in ihre Familie und in den Ausbau ihres Betriebs.

Mit Zuversicht blickt Christine in die Zukunft. «Solange wir das anwenden, was wir gelernt haben, werden wir unsere Umwelt wiederherstellen», sagt sie überzeugt. «In fünf Jahren werden hier noch viel mehr Bäume wachsen, und wir werden mit Weidefutter, Feldfrüchten, Brennholz und Vieh noch mehr Einkommen erzielen. Ich bin sehr dankbar, denn diese Schulungen haben unser Leben nachhaltig verändert.»

  

Originaltext und Fotos: Hellen Owuor, Communication Specialist, World Vision Kenia

 

Was Sie tun können

Christines Geschichte zeigt, wie Familien durch Wissen, Begleitung und praktische Unterstützung auch unter den Herausforderungen des Klimawandels neue Perspektiven entwickeln können. Möchten Sie unsere Arbeit im Bereich Klima und Umwelt unterstützen