Seit Generationen wird die Gemeinschaft von der kleinen Tizita in Südäthiopien ausgegrenzt. Dennoch verlieren ihre Eltern den Glauben an eine bessere Zukunft nicht. Erfahren Sie, wie Mut, Zusammenhalt und die Unterstützung von World Vision neue Perspektiven für ihre Kinder schaffen.

Ausgegrenzt und diskriminiert

Tizita ist sieben Jahre alt. Jeden Morgen macht sie sich auf den langen Weg zur Vorschule – oft mit leerem Magen. Ihre Eltern setzen alles daran, ihr trotzdem eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Die Mutter von Tizita, Amarech, ist Töpferin. Ihre Hände formen aus Ton Kaffeekannen, Schalen und traditionelle Lehmöfen. Als Töpferin kennt sie die Erde und den Ton wie kaum jemand sonst. Sie weiss, wie man den Ton ausgräbt, knetet und brennt, bis daraus Gegenstände entstehen, die Menschen jeden Tag nutzen. Doch so kunstvoll ihre Werke auch sind, ihre Familie wird trotzdem nicht als gleichwertig angesehen.

Genau dieses Handwerk, das ihre Familie ernährt, grenzt sie zugleich aus. In ihrer Region im Süden Äthiopiens gelten Töpferinnen und Töpfer, Schmiede sowie Gerber als Menschen von geringerem Wert. Ihre Gemeinschaft umfasst rund 300 Familien und wird seit Generationen ausgegrenzt. Man sagt ihnen, sie seien nicht vom gleichen Gott erschaffen worden wie andere. Ihre Kinder besuchen separate Schulen, und sie werden gezwungen, in getrennten Kirchen Gottesdienst zu feiern.

Die 7-jährige Tiziza und ihr Vater schleppen volle Wasserkanister
Jeden Tag holen Tizita und ihr Vater Wasser aus einer nahegelegenen Quelle. Diese Aufgabe kostet wertvolle Zeit, die sonst für die Schule, die Arbeit oder zum Spielen bleiben würde.

Schmied und Tagelöhner

Tizitas Vater Asate ist 26 Jahre alt. Er ist als Schmied und Tagelöhner tätig. «Ich gehe von Hof zu Hof und frage nach Arbeit», erzählt er. Was er verdient, reicht gerade zum Leben. «Es bleibt keine Zeit und keine Kraft, die ich für mich selbst sparen könnte und die meiner Familie zugutekommen würde.»

«Wegen unserer Armut konnte mein Vater meinen Schulbesuch nicht länger finanzieren und ich musste die Schule bereits in der dritten Klasse verlassen», erzählt er. Heute arbeitet er unermüdlich, damit sich diese Geschichte für seine Kinder nicht wiederholt. «Was würde es nützen, wenn ich Angst hätte? Das Einzige, was ich tun kann, ist weiterzumachen und stark zu bleiben.»

Träume und Hoffnung

Die Träume von Amarech für ihre Kinder sind grösser als die Armut, die sie einzuschränken versucht. «Ich wünsche mir, dass sie eine gute Ausbildung erhalten und später für den Staat arbeiten können. Ich vertraue auf Gott und danke ihm, dass er meinen Kindern hilft, nicht dieselben Schmerzen ertragen zu müssen wie ich in meiner Kindheit.»

Die Familie kennt Hunger und Ausgrenzung. Doch sie hält an einer Hoffnung fest, die stärker ist als beides.

Eine Familie im Südsudan mit den Eltern, der 7-jährigen Tizita und den neugeborenen Zwillingen
Trotz aller Herausforderungen gab es in letzter Zeit auch einen besonderen Grund zur Freude: die Geburt der Zwillinge Arife und America.

Wie World Vision hilft

World Vision begann 2024 seine Arbeit im Projekt Gerese. Familien wie jene von Amarech nehmen heute an Gemeinschaftstreffen teil, in denen alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind. Dadurch werden Menschen eingebunden, die früher ausgeschlossen wurden.

Das löscht die Vorurteile, die sich über Generationen hinweg verfestigt haben – den Glauben, ihre Fähigkeiten machten sie zu minderwertigen Menschen – nicht einfach aus. Doch es ist ein Anfang, der diese Ungerechtigkeit Schritt für Schritt aufbricht.

Auch in Zukunft wird World Vision Familien wie jener von Amarech zur Seite stehen: indem Eltern dabei unterstützt werden, genügend Nahrungsmittel anzubauen, besonders gefährdete Kinder Zugang zu Bildung erhalten und gemeinsam mit den Gemeinschaften alte Vorurteile überwunden werden. So kann jedes Kind – so wie Tizita – die Chance bekommen, sein Potenzial zu entfalten.

 

Originaltext und Fotos von Amy van Drunen, World Vision USA

Was Sie tun können

Tizita träumt davon, regelmässig zur Schule zu gehen und ihre Zukunft selbst gestalten zu können. Mit einer Kinderpatenschaft helfen Sie Kindern wie ihr, diesen Weg zu gehen.