COVID-19: Hilfsgüter per Scan

14. Mai 2020

Ein Mitarbeiter von World Vision hält Identitätskarten für eine Verteilaktion von Hilfsgütern in den Händen.

JEDER BEDÜRFTIGE ERHÄLT EINE IDENTITÄTSKARTE, MIT DER ER HILFSGÜTER BEZIEHEN KANN.

Text: Tamara Fritzsche

In der Not- und Katastrophenhilfe wird die «letzte Meile» einer Verteilaktion oft als die schwierigste überhaupt betrachtet. Bricht eine Katastrophe aus, werden in ersten Schritten Gelder gesammelt oder zur Verfügung gestellt und je nach Katastrophe wichtige Hilfsgüter wie Nahrungsmittelpakete, Hygienekits und ähnliches besorgt und in Verteilstationen oder Lagerhäusern nahe oder im Katastrophengebiet gesammelt. Nun geht es an das Verteilen. Aber wie? Welche Familie bekommt wie viel? Wie häufig werden Nahrungspakete an Alleinstehende verteilt? Wer hat seine Ration bereits erhalten? Mit solch grundlegenden Fragen sahen sich die Mitarbeitenden von World Vision tagtäglich konfrontiert. 

Eine neue Technologie
Im Projektgebiet, gerade in einer Katastrophensituation, kann es hektisch und chaotisch zu und her gehen. Operative Probleme wie lange Wartezeiten für die Hilfeempfänger, Streit unter den Empfängern, Betrug oder Fehler bei der Zuteilung an die Familien sowie ungenaue Berichte oder Probleme mit der Nachverfolgung von Lieferungen und Beständen waren an der Tagesordnung.

Ein verlässliches System für die «letzte Meile» musste her. In Zusammenarbeit mit IT-Spezialisten entwickelte World Vision LMMS (Last Mile Mobile Solutions). Das ist eine eigenständige Technologielösung, die die Verteilaktionen an der Front effizienter, gerechter und fehlerfrei macht und zugleich so einfach und pragmatisch ist, dass sie auch in schwierigen Kontexten und offline verwendet werden kann. Aufgrund der weltweit grassierenden Corona-Pandemie und erweiterten Hygienevorschriften erschweren sich Verteilaktionen zusätzlich, so dass LMMS eine noch wichtigere Rolle zukommt, da das System schnell und effizient ist und wenig direkte Kontakte erfordert.

Wie funktioniert LMMS?

1. Projektaufbau: In einem ersten Schritt werden die Art des Projekts (z.B. allgemeine Verteilaktion, Arbeitshilfe), die Dauer der Hilfsaktion und der Umfang der Rationen festgelegt.

Demokratische Republik Kongo: Eine Gruppe von Frauen steht in einer Reihe, um Hilfsgüter zu erhalten.DR KONGO: SCANNT MAN DEN STRICHCODE AUF DER IDENTIFIKATIONSKARTE EIN, WISSEN DIE MITARBEITENDEN VON WORLD VISION GENAU, WIE VIEL EINER PERSON ZUSTEHT.

2. Registrierung: Alle Bedürftigen des Projektgebiets werden digital registriert und erhalten pro Haushalt oder als Einzelpersonen eine personalisierte Karte, ähnlich einer Identitätskarte, mit Strichcode und Foto. LMMS erstellt aus den gesammelten Daten eine umfassende Empfängerliste.

Burundi: Ein Mitarbeiter von World Vision nimmt die Personalien einer bedürftigen Frau mit ihrem Kind auf.BURUNDI: EIN WORLD VISION-MITARBEITER NIMMT DIE PERSONALIEN EINER FRAU AUF. DAS FOTO ZUR IDENTIFIKATION DARF NICHT FEHLEN.

3. Verteilung der Hilfsgüter und Bestandsverwaltung: Wie viel Güter jeder Haushalt oder die Einzelpersonen erhalten, wird aufgrund festgelegter Kriterien automatisch vom System berechnet. Vor dem Verteilen werden die personalisierten Karten der Bedürftigen gescannt, um zu ermitteln, wie viel ihnen zusteht. Was und wie viel die Personen erhalten haben, wird automatisch im System vermerkt. Der physische Bestand an Hilfsgütern oder Bargeld wird in Echtzeit verfolgt.

Philippinen: Eine Mutter und ihr Kind zeigen strahlen das Bargeld, dass sie bei der Verteilaktion von World Vision erhalten haben.PHILIPPINEN: KANN ESSEN LOKAL GEKAUFT WERDEN, WIRD DEN NOTLEIDENDEN BARGELD VERTEILT. DIES ERMÖGLICHT ES IHNEN, SELBST ÜBER IHRE AUSGABEN UND IHR LEBEN BESTIMMEN ZU KÖNNEN.

LMMS hat über 10 Millionen Empfänger registriert und wird in über 30 Ländern weltweit von über 20 verschiedenen humanitären Organisationen eingesetzt. Über 100 Millionen USD wurden durch Cash-Based Programming verteilt. Einige der Organisationen, die LMMS einsetzen, sind Oxfam, UNHCR, Adventist Development and Relief Agency (ADRA), Internationales Komitee vom Roten Kreuz (IKRK), Action Against Hunger, CARE, Food for the Hungry, Save the Children, Welthungerhilfe, Medair, UNFPA und World Vision.

 

Mehr zu LMMMS in dem Erklärvideo:
 

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