Frauen im Zentrum – und doch ausgeschlossen
In ländlichen Regionen Ugandas tragen Frauen die Hauptverantwortung für Ernährung und natürliche Ressourcen. Sie bewirtschaften Felder, sammeln Wasser und Brennholz und geben ihr Wissen über Böden, Bäume und Wetter weiter. Gerade dieses Wissen macht sie zu zentralen Akteurinnen im Umgang mit der Klimakrise.
Doch obwohl sie das Land bearbeiten, gehört es ihnen oft nicht. Viele Frauen haben keine gesicherten Landrechte, und traditionelle Strukturen schliessen sie häufig von Besitz und Entscheidungen aus. Wer kein Land besitzt, kann es kaum nachhaltig bewirtschaften. Wer keine Sicherheit hat, investiert nicht langfristig.
So verstärkt Ungleichheit die Klimakrise – und untergräbt gleichzeitig die Lebensgrundlagen ganzer Familien.
Wenn Ungleichheit Kinder trifft
Die Folgen zeigen sich besonders deutlich im Alltag von Kindern. Wenn Böden ausgelaugt sind und Wälder verschwinden, geraten Familien zunehmend unter Druck. Ernten gehen zurück, Wege für Wasser und Brennholz werden länger, und Kinder müssen mehr im Haushalt mithelfen.
Besonders betroffen sind Mädchen. Sie verbringen oft Stunden damit, Feuerholz zu sammeln – Zeit, die ihnen für die Schule fehlt. Gleichzeitig steigen die Risiken für Ausbeutung, Gewalt und Frühverheiratung.
Die Klimakrise ist deshalb auch eine Kinderschutzkrise.
Und genau hier setzt World Vision an
World Vision Uganda arbeitet gezielt mit Frauen und stärkt ihre Rolle als zentrale Akteurinnen im Klimaschutz. Unterstützt wird diese Arbeit durch die internationale Zusammenarbeit innerhalb von World Vision – auch durch Beiträge aus der Schweiz, die gezielt in Programme vor Ort fliessen.
Ein Schlüsselansatz ist die Methode Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR). Sie ermöglicht es, degradierte Flächen wieder fruchtbar zu machen, indem vorhandene Wurzelsysteme genutzt werden, um Bäume nachwachsen zu lassen. Der Ansatz ist bewusst einfach, lokal verankert und kostengünstig, und gerade deshalb so wirksam.
Bereits heute setzen über 45’000 Frauen in Uganda FMNR um, rund 2’000 von ihnen als Trainerinnen und Multiplikatorinnen.
Was sich verändert, wenn Frauen handeln können
Wo Land regeneriert wird, verändert sich der Alltag von Familien spürbar. Feuerholz ist wieder näher verfügbar, Böden erholen sich und Ernten verbessern sich. Familien gewinnen an Stabilität und Einkommen.
Vor allem aber profitieren die Kinder: Sie müssen weniger mitarbeiten, können häufiger die Schule besuchen und wachsen in einem sichereren Umfeld auf.
Wenn Frauen Land regenerieren, schützen sie gleichzeitig die Zukunft ihrer Kinder.
Adong Vicky (25) lebt im Dorf Ayamo im Norden Ugandas. Trotz einer körperlichen Beeinträchtigung ist sie heute eine zentrale Akteurin im FMNR-Projekt von World Vision – und eine treibende Kraft im Kampf gegen Bodendegradation in ihrer Gemeinde.
Auf ihren kleinen Anbauflächen baut sie Soja, Mais und Maniok an und betreibt zusätzlich eine Imkerei. Durch FMNR hat Vicky gelernt, wie wichtig Bäume für fruchtbare Böden und stabile Ernten sind. Was sie früher als „unnütz“ betrachtete, schützt und pflegt sie heute gezielt.
Dieses Wissen gibt sie weiter: Vicky hat bereits mehrere Gruppen geschult, in denen Dutzende Bäuerinnen und Bauern gelernt haben, ihre Felder nachhaltig zu bewirtschaften und natürliche Baumtriebe zu erhalten.
Auch wirtschaftlich eröffnen sich neue Perspektiven. Mit Unterstützung von World Vision betreibt sie heute eine wachsende Imkerei und plant, ihre Produktion weiter auszubauen.
Vickys Geschichte zeigt, was möglich ist, wenn Frauen Zugang zu Wissen, Ressourcen und Unterstützung erhalten: Sie stärken nicht nur ihre eigenen Lebensgrundlagen, sondern verändern ganze Gemeinschaften.
Klimaschutz beginnt im Alltag
Die Erfahrung aus Uganda zeigt, dass Klimaschutz besonders dann wirkt, wenn er lokal verankert ist und Frauen die Mittel haben, ihr Wissen einzusetzen.
Deshalb verfolgt World Vision Uganda ein ambitioniertes Ziel: Bis 2033 sollen über 2,2 Millionen Hektar Land wiederhergestellt werden, getragen von Gemeinschaften und insbesondere von Frauen.
Damit dieses Potenzial voll ausgeschöpft werden kann, braucht es jedoch klare politische und gesellschaftliche Unterstützung. Dazu gehören stärkere Landrechte für Frauen, gezielte Investitionen in bewährte, gemeindebasierte Lösungen und Rahmenbedingungen, die solche Ansätze fördern.
Fazit
Die Lösungen für die Klimakrise sind längst vorhanden. Sie sind sichtbar, wirksam und skalierbar – doch sie werden noch zu oft übersehen.
Frauen in Uganda zeigen jeden Tag, wie nachhaltiger Wandel funktioniert.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob wir handeln können. Sondern, ob wir diejenigen stärken, die es bereits tun.