Jahrelang bestimmte der Krieg Amals Leben. Flucht, Unsicherheit und zwei Jahre ohne Schule gehörten zu ihrem Alltag. Dank des Bildungsprojekts «Secure Education» von World Vision konnte sie zuerst in einem Schulzelt wieder lernen – heute besucht sie wieder die Schule in ihrem Heimatdorf. Ihre Geschichte zeigt, wie Bildung Kindern Hoffnung und Zukunft schenkt.

Als Amal* sieben Jahre alt war, musste ihre Familie vor den Kämpfen im Nordwesten Syriens fliehen. Sie fanden Schutz in einem Flüchtlingslager. Doch dort fehlte es an fast allem – auch an einer Schule. Für Amal bedeutete das, dass ihr Unterricht plötzlich endete. Ihre Mutter Samia* erinnert sich:

«Mama, warum kann ich nicht wie die anderen Mädchen zur Schule gehen?»

Auf diese Frage hatte sie keine Antwort. Sie nahm ihre Tochter einfach nur in den Arm.

43 Millionen Kinder gehen aufgrund von Krisen nicht in die Schule

In von Konflikten betroffenen Ländern gehört Bildung oft zu den ersten Opfern des Krieges. Laut UNICEF können derzeit weltweit über 43 Millionen Kinder aufgrund von Krisen nicht zur Schule gehen. Kinder in Konfliktgebieten haben ein doppelt so hohes Risiko, nie wieder in die Schule zurückzukehren. Allein in Syrien haben mehr als 2,4 Millionen Kinder den Zugang zu Bildung verloren. Ihre Träume wurden unterbrochen, ihre Zukunft ist ungewiss.

Ein Bildungszelt verändert alles

Zwei Jahre später eröffnete World Vision im Flüchtlingslager das erste Schulzelt. Endlich konnte Amal wieder lernen. Ihre Mutter erinnert sich:

«Als Amal das Zelt zum ersten Mal betrat, war jeder ihrer Schritte voller Freude. Es war, als würde sie zu einem Fest gehen.»

Von diesem Tag an verpasste Amal keine Unterrichtsstunde mehr. Jeden Nachmittag kam sie mit ihren Büchern nach Hause und erzählte begeistert, was sie gelernt hatte.

Amal und ihre Mutter Samia stehen in einem durch Einschläge beschädigtem Gebäude im ländlichen Syrien.
Amal mit ihrer Mutter Samia in ihrem früheren Zuhause im Dorf

Zurück nach Hause

Im April 2025 konnte Samias Familie endlich in ihr Heimatdorf zurückkehren. World Vision unterstützte vertriebene Familien dabei mit Transportmöglichkeiten und begleitete ihre Rückkehr.

Für Amal gab es jedoch nur einen Ort, den sie zuerst sehen wollte: ihre alte Schule.

«Dort habe ich meine ersten Buchstaben gelernt. Dort habe ich vor Freude geweint, als ich meine Prüfungen bestanden habe», erinnert sie sich.

Doch als sie ankam, brach ihr das Herz. Das Gebäude war still. Die Mauern trugen die Spuren des Krieges, in den Klassenzimmern standen verkohlte Schulbänke, schwarzer Russ bedeckte die Wände.

«Es war, als würde die Schule weinen», sagt sie leise.

Die Schule wird instand gesetzt

Zum Glück musste Amal nicht lange traurig sein: Wenig später wurde die Schule instand gesetzt. Heute besucht Amal wieder ihre frühere Schule. Für sie bedeutet das weit mehr als Unterricht. Sie hat wieder einen Ort, an dem sie lernen, lachen und von ihrer Zukunft träumen kann.

Amals Geschichte steht stellvertretend für viele Kinder in Syrien. Dank der Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender konnte World Vision in den vergangenen fünf Jahren gemeinsam mit lokalen Partnern zahlreiche Schulen wieder zu sicheren Lernorten machen.

Amal schreibt im ländlichen Syrien an ene Wandtafel im wiederhergestellten Schulhaus.
Amal nimmt am Unterricht in ihrer von World Vision instand gesetzten Schule teil.

Was Ihre Unterstützung möglich macht

In den vergangenen fünf Jahren hat World Vision im Rahmen von «Secure Education» an elf Standorten im Nordwesten Syriens sichere Lernorte geschaffen. Dazu gehören auch sieben mobile Schulstandorte in Flüchtlingslagern, bei denen provisorische Zelte in vollständig ausgestattete, kinderfreundliche Klassenzimmer umgewandelt wurden.

Dank Ihrer Unterstützung konnte World Vision:

  • zerstörte Schulen instand setzen, damit Kinder – wie Amal – wieder in ihrer Heimat zur Schule gehen können
  • Kinder mit Schultaschen, Schreibmaterial und Lehrmitteln ausstatten
  • Schulen im Winter beheizen und mit Sicherheits- sowie Erste-Hilfe-Material ausrüsten
  • Lehrpersonen fachlich weiterbilden und unterstützen
  • Schulanfangskampagnen und Verschönerungsaktionen durchführen, damit Kinder gerne wieder zur Schule kommen

Für Amal bedeutet Schule heute weit mehr als Unterricht. Sie bedeutet Sicherheit, Hoffnung und die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft. Dank der Unterstützung unserer Spenderinnen und Spender können Kinder wie sie wieder lernen, wachsen und an ihre Träume glauben.

 

*Die Namen wurden zum Schutz der betroffenen Personen geändert.

Originaltext und Bilder von Joanna Zreineh und Zaher Jaber, World Vision International

Amal begrüsst einen World Vision-Mitarbeiter im ländlichen Syrien vor dem wiederhergestellten Schulhaus. Hinter ihr stehen viele andere Kinder.
Amal mit einem Mitarbeiter von World Vision vor der Schule

Notleidenden Kindern weltweit helfen

Mit einer Patenschaft für Kinder in Not helfen Sie dort, wo die Not besonders gross ist. Wir gehen an die fragilsten Orte dieser Welt, reagieren kurzfristig auf die dringendsten Bedürfnisse und bleiben, um langfristige Lösungen zu schaffen.