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Venezuela erlebt derzeit im Grunde eine doppelte Doppelkrise.
Zunächst war das Land bereits mit der grössten Vertreibungskrise der westlichen Hemisphäre konfrontiert. In den vergangenen zehn Jahren sind aufgrund der Instabilität rund 7 Millionen Menschen aus Venezuela geflohen. Gemessen an der Gesamtbevölkerung hat das Land den weltweit höchsten Anteil an Geflüchteten.
Zwei schwere Erdbeben
Am 24. Juni 2026 wurde die Hauptstadt Caracas dann auch noch von zwei aufeinanderfolgenden Erdbeben erschüttert: Zuerst traf ein Beben der Stärke 7,2 die Region, nur 39 Sekunden später folgte ein weiteres mit einer Stärke von 7,5. Der zeitliche Abstand war so gering, dass selbst die Seismografen die beiden Beben kaum voneinander unterscheiden konnten. Zum Vergleich: Bei dem verheerenden Erdbeben in der Türkei vor einigen Jahren ereigneten sich ebenfalls zwei starke Beben, allerdings lagen rund neun Stunden dazwischen. Hier waren es lediglich 39 Sekunden.
Bislang wurden mindestens 164 Todesopfer bestätigt. Wie in solchen Situationen leider häufig der Fall, wird diese Zahl voraussichtlich weiter steigen, sobald die Such- und Rettungsarbeiten voranschreiten und die Trümmer geräumt werden. In ganz Caracas sind Gebäude eingestürzt. Auch der wichtigste internationale Flughafen, über den normalerweise Hilfsgüter ins Land gelangen würden, musste wegen schwerer Schäden geschlossen werden.
Ein Land in der Krise
Und weil sich diese Katastrophe zu einer bereits bestehenden Krise hinzugesellt, waren die Systeme des Landes schon lange vor dem Erdbeben stark belastet. Fast 4 Millionen Kinder gingen bereits nicht zur Schule, und nahezu die Hälfte aller Familien gab an, die Grösse ihrer Mahlzeiten reduzieren zu müssen, damit alle Familienmitglieder überhaupt etwas zu essen haben.
Die Wirtschaft liegt am Boden, und viele Menschen haben das Land bereits verlassen. Und diejenigen, die geblieben sind, wurden nun innerhalb einer Minute von zwei schweren Erdbeben getroffen.
World Vision im Einsatz
World Vision ist seit 2019 in Venezuela tätig und unterstützt die Menschen angesichts der vielfältigen Krisen, mit denen das Land bereits zuvor konfrontiert war. In dieser Zeit konnten wir rund 2 Millionen Menschen erreichen und sie in den Bereichen Bildung, Ernährungssicherheit, Gesundheit sowie Zugang zu sauberem Wasser unterstützen.
Das Problem ist jedoch, dass die humanitäre Hilfe bereits zuvor chronisch unterfinanziert war. Weniger als ein Viertel der benötigten Mittel stand zur Verfügung. Ich weiss, ich wiederhole mich, aber das war schon vor dem Erdbeben, durch das zahlreiche Gebäude in einer der am dichtesten besiedelten Regionen des Landes zerstört wurden. Der Bedarf ist enorm und wächst deutlich schneller als die verfügbaren finanziellen Mittel.
Originaltext und Sprecher im Video: Chris Montgomery, Roving Reporter – Emergency Communications Specialist, World Vision International
Für die Nothilfe in Venezuela spenden
World Vision leistet Soforthilfe und versorgt betroffene Menschen mit Trinkwasser, Nahrung und medizinischer Unterstützung. Gemeinsam mit unseren lokalen Teams setzen wir alles daran, Familien in dieser akuten Notsituation beizustehen.
Ihre Spende hilft, Leben zu retten und betroffene Familien mit dem Nötigsten zu versorgen.