Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela leisten unsere Teams lebensrettende Nothilfe. Erfahren Sie, was bisher geschehen ist, wie World Vision hilft und weshalb die Unterstützung für die betroffenen Kinder und Familien weiterhin dringend nötig ist.

Eine der schwersten Naturkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte

Am 24. Juni 2026 erschütterten innerhalb kurzer Zeit zwei schwere Erdbeben der Stärke 7,2 bis 7,5 den Norden Zentralvenezuelas. Das Epizentrum lag nahe der Stadt Morón im Bundesstaat Carabobo. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Distrito Capital, La Guaira, Miranda, Aragua, Carabobo, Falcón und Yaracuy.

Die Erdbeben gelten als die schwerste seismische Katastrophe in Venezuela seit dem Erdbeben von Caracas im Jahr 1967.

Nach Angaben der venezolanischen Behörden wurden bis zum 1. Juli 2026 1’943 Todesfälle, 10’571 Verletzte und 157 offiziell vermisste Personen bestätigt. Zudem wurden 15’866 Personen offiziell als betroffen registriert. Darüber hinaus besteht zu mehr als 69’000 Menschen aufgrund von Kommunikationsausfällen weiterhin kein Kontakt. Diese Personen gelten nicht als offiziell vermisst; ihre Nichterreichbarkeit ist auf die unterbrochene Kommunikation zurückzuführen.

Die Schäden sind erheblich: 774 Gebäude wurden beschädigt – davon 189 vollständig zerstört und 585 teilweise beschädigt. Ausserdem sind 38 Krankenhäuser, 44 Einkaufszentren sowie 1’645 Brücken, Strassen und weitere kritische Infrastrukturen betroffen.

Auch die Infrastruktur wurde stark beeinträchtigt: Der Simón-Bolívar-Internationale Flughafen musste vorübergehend geschlossen werden, Metro- und Zugverbindungen in Caracas wurden eingestellt. Stromausfälle sowie Unterbrüche der Wasser- und Telekommunikationsversorgung erschweren die humanitäre Hilfe zusätzlich. Anhaltende Nachbeben verhindern vielerorts eine sichere Rückkehr in die Wohngebiete.

Eine Katastrophe trifft auf eine bereits bestehende Krise

Die Erdbeben treffen Venezuela in einer Zeit, in der das Land bereits von einer lang anhaltenden humanitären Krise geprägt ist. Wirtschaftliche, soziale und humanitäre Herausforderungen haben die Lebensbedingungen vieler Menschen bereits vor der Katastrophe stark belastet. Diese bestehenden Verwundbarkeiten verschärfen nun die Auswirkungen der Erdbeben zusätzlich und lassen den humanitären Bedarf weiter ansteigen.

Besonders betroffen sind Kinder. Viele haben ihr Zuhause verloren, leben in Notunterkünften oder sind von ihren vertrauten Bezugspersonen und ihrem Alltag getrennt. Neben Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung benötigen sie vor allem Schutz, Stabilität und psychosoziale Unterstützung.

So hilft World Vision vor Ort

Bereits am 25. Juni 2026 rief World Vision gemeinsam mit dem Regionalbüro für Lateinamerika und der Karibik sowie den Länderbüros in Venezuela und Kolumbien die höchste nationale Notfallstufe aus. Seither arbeiten unsere Teams eng mit lokalen Behörden, UN-Organisationen und weiteren humanitären Partnern zusammen, um die Hilfe schnell und wirksam zu koordinieren.

Bislang konnten mehr als 520 Familien mit lebenswichtiger Unterstützung erreicht werden.

Die Hilfe umfasst unter anderem:

  • Lebensmittelkörbe für Familien in Notunterkünften
  • Hygiene-Kits
  • Eine Gemeinschaftsküche in Santa Cruz del Este, die während eines Monats täglich 300 Mahlzeiten bereitstellt
  • Kinderfreundliche Räume, in denen Kinder spielen, lernen und psychosoziale Unterstützung erhalten
  • Psychologische Erste Hilfe sowie Unterstützung für Menschen, die wichtige Ausweisdokumente verloren haben

Unsere Teams sind derzeit in Distrito Capital, Miranda, La Guaira, Aragua, Carabobo, Falcón und Yaracuy im Einsatz.

Die Hilfe geht weiter

Die Soforthilfe läuft – doch der humanitäre Bedarf bleibt hoch.

Als Nächstes werden weitere 400 Familien in Catia La Mar (Bundesstaat La Guaira) mit Lebensmittelkörben und Hygiene-Kits unterstützt. Gleichzeitig richtet World Vision zwei zusätzliche kinderfreundliche Räume ein, damit Kinder auch in der Not einen geschützten Ort finden und psychosoziale Unterstützung erhalten.

Parallel dazu werden die Sicherheitsbewertungen der Infrastruktur abgeschlossen, die Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinden weiter erfasst und laufend aktualisierte Lagebeurteilungen erstellt. Auch die psychosoziale Begleitung der betroffenen Menschen sowie die enge Koordination zwischen den Teams in Venezuela und Kolumbien werden fortgesetzt.

Darüber hinaus bereitet World Vision einen humanitären Hilfsaufruf im Umfang von 50 Millionen US-Dollar vor. Damit sollen Massnahmen in den Bereichen Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Ernährungssicherheit, Ernährung sowie Kinderschutz und weiterer Schutz besonders gefährdeter Menschen finanziert werden.

«Die Hilfe endet nicht nach den ersten Tagen»

«Jeder Tag erinnert uns daran, dass die Genesung nicht mit der unmittelbaren Nothilfe endet. Unser Auftrag ist es, weiterhin an der Seite der betroffenen Familien zu stehen, den Schutz von Kindern zu stärken und gemeinsam mit Behörden und der humanitären Gemeinschaft sicherzustellen, dass Hilfe diejenigen erreicht, die sie am dringendsten benötigen.»
Peter Gape, Nationaldirektor von World Vision Kolumbien und Venezuela

Unser herzlicher Dank gilt den Mitarbeitenden von World Vision in Venezuela und Kolumbien, dem Netzwerk Esperanza Sin Fronteras, lokalen Organisationen und allen humanitären Partnern, die sich mit grossem Engagement für die betroffenen Menschen einsetzen.

Ebenso danken wir allen Spenderinnen und Spendern, die unsere Nothilfe ermöglichen. Ihre Unterstützung hilft, Kindern und ihren Familien in einer der schwersten Krisen des Landes neue Hoffnung zu schenken.

Jetzt den betroffenen Familien helfen

Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie lebenswichtige Hilfe wie Lebensmittel, Hygieneartikel, Kinderschutz und psychosoziale Unterstützung für Kinder und Familien in Venezuela.

Jede Spende hilft, Hoffnung zu schenken und den betroffenen Menschen eine Perspektive für die Zukunft zu geben.

👉 Unterstützen Sie jetzt die Erdbebenhilfe von World Vision in Venezuela.


Quellen

Die in diesem Beitrag verwendeten Informationen basieren auf folgenden Quellen (Stand: 1. Juli 2026):

  • World Vision Latin America & Caribbean Regional Office (LACRO): Venezuela Earthquake Emergency Situation Report, 1. Juli 2026.
  • World Vision Venezuela und World Vision Kolumbien: Einsatz- und Lageberichte.
  • Offizielle Angaben der venezolanischen Behörden zu Opferzahlen und Schäden (Stand: 1. Juli 2026), u. a. wiedergegeben von ABC News.