#hoffnungsschimmer – Ashmitha: Von der Covid-Waisen zum Patenkind

12. Dezember 2021

Indien: Ein Mädchen hält ein Bild eines Mannes in der Hand und schaut in die Kamera.

Die 9-jährige Ashmitha aus Indien mit einem Bild ihres Vaters, den sie und ihre Familie an eine Covid-19 Infektion verloren haben.

 

Text: World Vision Schweiz

Als Covid-19 zum ersten Mal zuschlug, hatte Ashmitha - wie alle anderen von uns - keine Ahnung, wie viel sich ändern würde. Als die Schulen zum ersten Mal geschlossen wurden, freute sie sich, mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen zu können. «Es war fast wie Urlaub», erinnert sie sich in ihrem Haus in Bangalore, Indien. Ein Highlight, auf das sie sich am meisten freute, war der tägliche Spaziergang mit ihrem Vater. «Ich wartete immer sehnsüchtig auf den Abend, damit ich mit ihm spazieren gehen konnte», sagt sie. Auch ihr Vater Murugan genoss die gemeinsame Zeit. «An manchen Tagen kaufte er mir Snacks und Spielzeug», erzählt sie. 

Doch dann änderte sich alles. Als Indien von einer heftigen zweiten Welle erfasst wurde, erkrankte Ashmithas Vater an Covid-19. Als Tagelöhner in einer Räucherstäbchenfabrik war er die einzige Einnahmequelle für seine Familie und konnte es sich nicht leisten, eine Auszeit zu nehmen. Daher spielte er seine Krankheit vor seiner Familie herunter. Doch Murugan konnte seinen Zustand nicht lange verbergen. «Er begann stark zu husten, bekam Fieber und war oft müde», sagt Ashmithas Mutter Amudhavalli. 
 

Indien: Ein junges Mädchen sitzt auf dem Boden und betrachtet ein grosses gerahmtes Bild eines Mannes, dass sie in den Händen hält.Ein Leben ohne ihren Vater war für Ashmitha nicht vorstellbar. Oft muss sie weinen, wenn sie daran denkt, dass er nicht mehr da ist.

 

Kein Platz und Sauerstoff im Krankenhaus

Als sie Murugan ins Krankenhaus brachten, erlebte die Familie einen weiteren Rückschlag. Die Krankenhausbetten waren voll und die Sauerstoffvorräte gingen zur Neige. Man sagte ihnen, dass neue Patienten nur aufgenommen werden könnten, wenn jemand im Krankenhaus starb oder entlassen wurde. Doch Murugan hatte nicht so viel Zeit. Zu diesem Zeitpunkt war seine Lunge bereits infiziert und seine Sauerstoffwerte sanken drastisch.

Amudhavalli brachte ihn an einem Tag in zehn Krankenhäuser. Schliesslich, als es dunkel wurde, fand sie ein Bett und nahm einen Kredit auf, um es zu sichern. Ashmitha schlief in dieser Nacht gut, denn sie wusste, dass die Ärzte sich um ihren Vater kümmern würden. Aber sie erwachte in ihrem schlimmsten Albtraum. Die Sauerstoffvorräte waren über Nacht geschrumpft und reichten nicht mehr aus, um Murugan am Leben zu erhalten. Er war gestorben, ohne dass sie sich von ihm hatte verabschieden können. 

Mit ihren neun Jahren konnte sich Ashmitha ein Leben ohne ihren Vater nicht vorstellen. «Ich vermisse ihn, wenn er beim Essen neben mir sitzt», sagt sie. Der Geruch von Weihrauch lässt sie immer noch denken, dass er gleich um die Ecke sein muss, auf dem Weg von der Fabrik nach Hause. Die folgenden Monate brachten für Ashmitha einige der dunkelsten Momente mit sich. Während sie und ihre Mutter mit dem emotionalen Trauma kämpften, den Menschen zu verlieren, den sie am meisten liebten, wurden sie gleichzeitig noch tiefer in die Armut gestürzt, weil sie auch Murugans Einkommen verloren hatten. 


 Indien: Ein junges Mädchen sitzt im Schneidersitz auf dem Boden. Auf ihrem Knie liegt ein Heft, sie hält einen Stift und neben ihr steht ein Rucksack mit dem World Vision Logo.Dank einer World Vision-Patenschaft geht es nun für Ashmitha und ihre Familie wieder bergauf. Ashmithas liebt es zu lernen und kann sich wieder auf die Schule freuen.

 

Ein Licht am Ende des Tunnels

Traurigerweise ist Ashmithas Geschichte kein Einzelfall. Drei ihrer Freunde haben ihre Väter ebenfalls durch das Virus verloren. In Indien sind diese Kinder als «Covid-Waisen» bekannt geworden, und ihre Häufigkeit ist eine der tragischsten Folgen dieser Pandemie. 

Obwohl sie so viel verloren hat, gibt es für Ashmitha noch einen Hoffnungsschimmer: eine Patenschaft. «Nachdem ich meinen Vater verloren hatte, besuchte World Vision mich oft», sagt sie. «Sie haben mich und meine Familie beraten, und obwohl ich nach dem Tod meines Vaters viel geweint habe, fühle ich mich jetzt stärker.»

Die Patinnen und Paten von World Vision haben sich auf unglaubliche Weise für die Kinder in Indien eingesetzt. Während der Pandemie erhielten mehr als 1’000 Patenkinder besondere Geschenke oder zusätzliche Unterstützung von ihren Paten und trugen so dazu bei, dass World Vision mit Covid-19 gezielt auf die dringenden Bedürfnisse der Gemeinschaft eingehen konnte. In Ashmithas Dorf bedeutete dies zusätzliche Unterstützung für 900 Familien beim Wiederaufbau ihrer Existenzgrundlage, Lebensmittelpakete, die regelmässig an 500 Familien geliefert wurden, und ein spezielles Projekt, das Kindern wie Ashmitha helfen soll, die ihre Eltern durch Covid-19 verloren haben. Dieses Programm hilft ihnen, ihre Ausbildung fortzusetzen und gleichzeitig eine spezielle psychosoziale Betreuung zu erhalten. 

«Ich fühle mich von meinem Paten geliebt und umsorgt», sagt Ashmitha. «Sie ermutigen mich, gut zu lernen. Und obwohl ich meinen Vater verloren habe, helfen sie uns, das zu überwinden.»

Zurzeit erleben viele Kinder ihr erstes Weihnachtsfest ohne Eltern oder geliebte Menschen. Aber Sie können einem Kind ein Stück Hoffnung auf eine bessere Zukunft schenken. Machen Sie dieses Jahr zu etwas Besonderem, indem Sie heute eine Patenschaft für ein Kind und seine Gemeinschaft übernehmen. 

 

Diesen Beitrag teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Nepal: Ein junges Mädchen schaut in die Kamera und hält eine Porträtzeichnung eines Mädchens mit Masken in beiden Händen.

5. Dezember 2021

#Hoff­nungs­schim­mer – So­nis Weg zu­rück in die Schu­le

Als ihr Vater stirbt, verlässt die 11-jährige Soni die Schule und kümmert sich fortan um den Haushalt der Familie. Die Schule vermisst sie sehr. Von einer Nachbarin bekommt sie den Tipp, sich an World Vision zu wenden. Das hat Soni getan und geht heute wieder zur Schule.


Laos: Eine Frau hockt vor einem laufenden Wasserhahn. Vor ihr steht ein kleiner Junge, dessen Hände sie mit ihren unter den Wasserhahn hält und sie wäscht. Beide blicken dabei in die Kamera.

1. Oktober 2021

Das neue Nor­mal: Hän­de­wa­schen für ei­ne ge­sun­de Zu­kunft

Seit nun fast zwei Jahren ist Corona ein fester Bestandteil unseres Alltags. Obwohl es immer weniger Einschränkungen gibt, ist die Präsenz des Virus in unserem Leben immer noch spürbar. Abstand halten und Masken tragen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ebenso wie die regelmässige Handhygiene – wir haben gelernt, dass regelmässiges und intensives Händewaschen uns nicht nur vor dem Coronavirus schützen kann.


Äthiopien: Ein Junge sitzt in der Schulbank und blättert in einem Buch, das vor ihm liegt. Dabei lächelt er in die Kamera. Im Klassenzimmer hinter ihm sitzen seine Mitschüler.

23. September 2021

Schul­an­fang – Wie die­se fünf Kin­der wie­der in die Schu­le star­ten

Das neue Schuljahr ist hierzulande bereits im vollen Gange. Überall auf der Welt freuen sich die Kinder, wieder in die Schule gehen zu können. Nach und nach wird Präsenzunterricht wieder möglich und auch die Kleinsten haben das Glück, im Klassenzimmer in ihre Schulzeit zu starten und nicht zu Hause vor dem Bildschirm.


Eine Impfspritze wird von einer Person mit violetten Handschuhen aufgezogen.

6. August 2021

Ge­flüch­te­te welt­weit wer­den von Imp­fun­gen aus­ge­sch­los­sen

Geflüchtete werden weltweit von Covid19-Impfungen ausgeschlossen und stehen in der weltweiten Impfhierarchie weit unten auf der Liste. Diesen Missstand zeigte eine Umfrage von World Vision.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
WORLD VISION
World Vision Schweiz und Liechtenstein
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  PostFinance: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz und Liechtenstein ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen