Aktuelle internationale Daten zeigen: Über eine Milliarde Kinder weltweit haben keinen Zugang zu grundlegenden sozialen Schutzsystemen. Das bedeutet, ihre Familien sind bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder anderen Krisen weitgehend auf sich allein gestellt.
Für Kinder hat das unmittelbare Folgen: Ein medizinischer Notfall kann das Ende von Bildung bedeuten. Fällt das Einkommen weg, droht Hunger. Eine Krise kann Träume zerstören und Zukunftspläne zunichtemachen.
Gleichzeitig ist soziale Ungerechtigkeit meist das Ergebnis politischer Entscheidungen, wirtschaftlicher Strukturen und globaler Machtverhältnisse – und damit menschengemacht.
Kinder zahlen, wie so oft, den höchsten Preis
Kinder sind, wie so oft, besonders betroffen – nicht, weil sie schwach sind, sondern weil sie am wenigsten Einfluss auf ihre Lebensumstände haben und gleichzeitig am längsten mit deren Folgen leben müssen.
Die vergangenen Jahre haben gezeigt, wie fragil Fortschritte in Richtung sozialer Gerechtigkeit sind. Pandemien, bewaffnete Konflikte, Klimakrise und steigende Lebenshaltungskosten haben bestehende Ungleichheiten verschärft, besonders in Ländern mit schwachen sozialen Sicherungssystemen.
Soziale Gerechtigkeit hat viele Gesichter
Als international tätiges Kinderhilfswerk sehen wir täglich, was fehlende soziale Gerechtigkeit bedeutet. Denn wir erleben und sehen die Kinder, die hinter den Statistiken stehen.
Soziale Ungerechtigkeit bedeutet: ein Kind, das lernen möchte, aber arbeiten muss, um zu überleben; ein Kind, das plötzlich existentielle Verantwortung tragen muss, statt geschützt zu werden; ein Kind, dessen Potenzial durch Umstände begrenzt wird, die es nicht gewählt hat.
Wenn wir uns für soziale Gerechtigkeit aussprechen, heisst das, dass wir diese Kinder nicht als Randnotiz betrachten – sondern als Ausgangspunkt allen Handelns.
Kinderarmut: auch in der Schweiz Realität
Wir sind ein Kinderhilfswerk mit Arbeitsschwerpunkten in Afrika, Asien und Lateinamerika. Gleichzeitig wissen wir: Soziale Ungerechtigkeit existiert nicht nur in fernen Ländern. Auch in der Schweiz wachsen Kinder in prekären Verhältnissen auf – in Familien, die trotz Erwerbsarbeit kaum über die Runden kommen oder besonders von sozialen Risiken betroffen sind.
Doch soziale Verantwortung ist keine (!) Entweder-oder-Frage: lokal oder global. Fakt ist: Soziale Gerechtigkeit lässt sich nicht geografisch begrenzen.
Und sie ist, weder hier in der Schweiz noch im globalen Kontext, eine moralische Kür. Sie ist eine Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung, Frieden und stabile Gesellschaften – weltweit.
Wo Kinder geschützt aufwachsen, entstehen Perspektiven. Wo Kinder Zugang zu Bildung, Sicherheit und Chancen haben, wächst Zukunft.
Am Welttag der sozialen Gerechtigkeit geht es deshalb nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern um Haltung. Um die Frage, wie weit unser Verantwortungsgefühl reicht – und ob wir bereit sind, für «unsere» Kinder innerhalb der Landesgrenzen, aber auch darüber hinaus aktiv zu werden.