Die Analyse zeigt ein klares Muster: Lebensmittel sind auf den Märkten vorhanden, doch für viele Familien unerschwinglich geworden. Sinkende Einkommen, steigende Preise und geschwächte staatliche Systeme führen dazu, dass Haushalte keinen regelmässigen Zugang zu ausreichend nahrhaften Lebensmitteln haben.
Kinder essen schlechter – mit langfristigen Folgen
“Kinder essen nicht nur weniger, sie essen schlechter”, sagt Eleanor Monbiot, Regionalleiterin von World Vision im Nahen Osten und Osteuropa. “Familien stehen täglich vor der Entscheidung zwischen Menge und Qualität – und greifen aus finanziellen Gründen häufig zu günstigen, nährstoffarmen Lebensmitteln. Das beeinträchtigt die Entwicklung der Kinder nachhaltig.”
Zu den zentralen Erkenntnissen des Berichts gehören:
- Erschwinglichkeit ist der Haupttreiber von Mangelernährung, nicht die Verfügbarkeit von Lebensmitteln
- Klimawandel verschärft die Situation als Risikomultiplikator
- Wissenslücken über Ernährung beeinträchtigen gesunde Entscheidungen in Familien
- Schulen spielen eine Schlüsselrolle als sichere Orte für Ernährung und Entwicklung
- Gemeinschaftsstrukturen wirken stabilisierend in Krisensituationen
Die Analyse zeigt länderspezifische Dynamiken:
- In Afghanistan verkaufen Familien nährstoffreiche Lebensmittel direkt nach der Ernte, um kurzfristig Einkommen zu sichern
- In Bosnien und Herzegowina erschweren steigende Lebenshaltungskosten und Koordinationslücken den Zugang zu Unterstützung
- Im Libanon hat die Wirtschaftskrise die Kaufkraft massiv geschwächt
- Im Westjordanland verhindern Einkommensverluste und Bewegungseinschränkungen den Zugang zu Lebensmitteln
Hunger betrifft auch die psychische Gesundheit
Der Bericht zeigt zudem: Ernährungsunsicherheit hat weitreichende Auswirkungen über die körperliche Gesundheit hinaus. Kinder berichten von Stress, Angst und sozialer Ausgrenzung. Gleichzeitig steigen Schulabsenzen und das Risiko von Kinderarbeit.
“Ernährungsunsicherheit beeinflusst das gesamte Leben eines Kindes – von der Gesundheit über die Bildung bis hin zur sozialen Teilhabe”, sagt Monbiot. “Ohne gezielte Massnahmen riskieren wir langfristige Schäden für ganze Generationen.”
Klimawandel verschärft bestehende Ungleichheiten
Klimatische Veränderungen und Umweltzerstörung treiben die Krise weiter an, indem sie Lebensgrundlagen zerstören und Preise erhöhen. Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen, die überproportional unter Ernährungsunsicherheit leiden.
Schulen als Schlüssel zur Lösung
Wo Schulernährungsprogramme bestehen, zeigen sich klare positive Effekte: Sie verbessern nicht nur die Anwesenheit und die Lernergebnisse von Kindern, sondern stärken auch ihr psychosoziales Wohlbefinden. Dennoch bleibt der Zugang zu solchen Programmen in vielen Kontexten unzureichend und erreicht längst nicht alle betroffenen Kinder.
Vor diesem Hintergrund fordert World Vision Regierungen, internationale Organisationen und Geber dazu auf, gezielte Massnahmen zu ergreifen. Dazu gehören der Ausbau von Bargeld- und Gutscheinprogrammen, die Stärkung von Schulernährungsangeboten sowie die Weiterentwicklung sozialer Sicherungssysteme. Gleichzeitig betont die Organisation die Notwendigkeit, Ernährung stärker mit den Bereichen Gesundheit, Bildung und Klimaanpassung zu verknüpfen. Entscheidend sei zudem, dass Programme unter aktiver Einbeziehung von Kindern, Frauen und lokalen Gemeinschaften geplant und umgesetzt werden.
Policy Brief: Broken Systems, Empty Plates in a World of Plenty
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