Im Vorfeld des Weltflüchtlingstags am 20. Juni veröffentlichen World Vision und das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) den Bericht «Im Schatten des Hungers». Die Studie zeigt: Können geflüchtete Familien durch Arbeit und eigenes Einkommen für ihren Lebensunterhalt sorgen, sind ihre Kinder deutlich besser vor Hunger, Kinderarbeit, Schulabbrüchen und Familientrennungen geschützt.
Die Erkenntnis kommt zu einem Zeitpunkt, an dem humanitäre Hilfsleistungen weltweit unter Druck stehen. Gemäss WFP erleben derzeit 318 Millionen Menschen in 68 Ländern Ernährungsunsicherheit, 41,1 Millionen Menschen leiden akut Hunger. Seit 2025 haben Mittelkürzungen dazu geführt, dass ein Grossteil des humanitären Bedarfs ungedeckt bleibt. Vertriebene Familien sind davon besonders betroffen: 64 Prozent der von World Vision befragten Haushalte sind zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse auf Hilfsleistungen angewiesen.
Die Folgen sind gravierend. 57 Prozent der befragten Haushalte berichteten, dass mindestens ein Familienmitglied im vergangenen Monat hungrig schlafen ging. 21 Prozent meldeten unregelmässigen Schulbesuch ihrer Kinder, 11 Prozent berichteten von Trennungen zwischen Kindern und Eltern. Besonders alarmierend: Kinder in Haushalten mit geringer Ernährungssicherheit sind siebenmal häufiger von Kinderehen betroffen.
Eigenständigkeit schützt Kinder
Gleichzeitig zeigt die Studie, dass Familien widerstandsfähiger werden, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ihre Grundbedürfnisse selbst zu decken. Wo Einkommen erzielt werden kann, nehmen negative Bewältigungsstrategien deutlich ab. Kinder müssen seltener arbeiten, die Schule verlassen oder werden von ihren Familien getrennt. Auch sind sie weniger von Kinderheirat oder ähnlichen Szenarien betroffen.
Die Studie stützt sich auf die Befragung von fast 3’500 Haushalten in acht Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie zeigt, dass Familien zunehmend zu schädlichen Überlebensstrategien gezwungen werden, wenn Hilfsleistungen zurückgehen.
Daniel Winzenried, CEO von World Vision Schweiz und Liechtenstein: „Angesichts sinkender Hilfsbudgets wird es umso wichtiger, Geflüchteten den Zugang zu Arbeit, Bildung und sozialen Rechten zu ermöglichen. Die Studie zeigt, dass Familien widerstandsfähiger werden, wenn sie ihre Grundbedürfnisse selbst decken können. Das schützt nicht nur ihre Würde, sondern vor allem ihre Kinder.“
World Vision fordert deshalb neben ausreichenden Mitteln für humanitäre Hilfe auch bessere Rahmenbedingungen für Geflüchtete. Regierungen und Geber sollten den Zugang zu Arbeit, Bildung, Bewegungsfreiheit, sozialem Schutz und amtlichen Dokumenten sicherstellen. Denn Familien können ihre Kinder am besten schützen, wenn sie die Möglichkeit erhalten, für sich selbst zu sorgen.