Neue Satellitenanalysen von World Vision zeichnen ein alarmierendes Bild: Der Krieg im Sudan zerstört nicht nur Städte und Dörfer, sondern auch die landwirtschaftliche Grundlage des Landes. Seit Beginn des Konflikts im April 2023 wurden nahezu 40’000 Quadratkilometer Ackerland – eine Fläche von der Grösse der Schweiz – schwer geschädigt. World Vision warnt, dass ohne rasches internationales Handeln ganze Ernährungssysteme in mehreren Regionen des Landes dauerhaft zusammenbrechen könnten.
Für den Bericht «The Hollowed Earth» verglich World Vision hochauflösende Satellitendaten aus den Jahren 2023 bis 2025. Die Analyse zeigt nicht nur massive Schäden an landwirtschaftlichen Flächen, sondern einen weitreichenden Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Produktion. Besonders betroffen ist das Bewässerungsgebiet Gezira Scheme, einst die wichtigste Kornkammer des Sudan. Zerstörte Infrastruktur, eingeschränkter Zugang zu Land und Wasser sowie unterbrochene Lieferketten für Treibstoff und Dünger führen dazu, dass vielerorts kaum noch Lebensmittel produziert werden können.
Die Satellitenbilder dokumentieren damit nicht nur die Folgen des Krieges – sie zeigen, wie die Ernährungsgrundlage eines ganzen Landes schwindet.
Die humanitären Folgen sind dramatisch. Der Sudan erlebt derzeit die grösste Vertreibungskrise weltweit. Rund 1,8 Millionen Kinder sind in Nachbarländer geflüchtet, mehr als 3,7 Millionen Kinder wurden innerhalb des Landes vertrieben. Millionen Familien suchen Schutz in Regionen, in denen Ackerland zerstört und Wasser knapp ist.
Gleichzeitig haben der Zusammenbruch der Landwirtschaft, unterbrochene Handelswege und gestörte Märkte dazu geführt, dass 41 Prozent der Bevölkerung unter akuter Ernährungsunsicherheit leiden. 5,5 Millionen Menschen befinden sich bereits in einer Hungerkrise der Stufe «Notlage» oder «Katastrophe».
«Das Land, das die Kinder im Sudan ernährt, verschwindet», sagt Simon Mane, Landesdirektor von World Vision Sudan.
World Vision fordert die internationale Gemeinschaft auf, die lebensrettende Nahrungsmittel-, Ernährungs- und Gesundheitsversorgung dringend auszubauen. Gleichzeitig müssen der Zugang zu Land und Wasser geschützt, Bewässerungssysteme wiederhergestellt, humanitäre Hilfe ungehindert ermöglicht und die Bemühungen für einen nachhaltigen Frieden verstärkt werden.
Seit Beginn des Konflikts hat World Vision im Sudan 3,2 Millionen Menschen erreicht, darunter eine Million Kinder. Die Organisation unterstützt Familien mit Nahrungsmitteln, Bargeldhilfen, Gesundheitsdiensten und Schutzmassnahmen sowie mit Saatgut, landwirtschaftlichen Geräten, Nutztieren und Wassersystemen, um die lokale Lebensmittelproduktion zu stärken.
Zusatzmaterial für Redaktionen
- Bericht: «The Hollowed Earth» (Analyse von World Vision)
- Bildmaterial auf Anfrage
- Video: Ein Kurzfilm mit Satellitenaufnahmen und Berichten aus dem Sudan zeigt eindrücklich, wie Krieg, Klimawandel und der wirtschaftliche Zusammenbruch die Ernährungsgrundlage des Landes zerstören: Sudan: “This was never supposed to be a hunger story” – YouTube
- Interviews mit Expertinnen und Experten von World Vision sowie mit Mitarbeitenden aus dem Sudan sind auf Anfrage möglich.
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Lisa von Zobeltitz | Corporate Communications and Public Relations | T +41 44 510 15 05 | lisa.vonzobeltitz@worldvision.ch