Vormals Perle der Sowjetunion, heute von Armut geprägt: Georgien kämpft mit einem schwachen Gesundheitssystem, mangelnden Bildungschancen und der Diskriminierung Behinderter.
Georgien liegt am Südfuss des Kaukasus und hat Berge über 5000 Meter Höhe. Im Westen am Schwarzen Meer ist das Klima subtropisch-feucht mit viel Niederschlag. Im Osten herrscht trockenes und gemässigtes Kontinentalklima. Dank der unterschiedlichen Klimazonen hat Georgien eine hohe Artenvielfalt bei Pflanzen und Tieren.
Sturz in die Armut – fast im freien Fall
Zu Sowjetzeiten war Georgien eine der wohlhabendsten Republiken und ein beliebtes Tourismusgebiet. Viele landwirtschaftliche Produkte kamen von dort. Doch seit 1991 ist die Wirtschaft zusammengebrochen, die industrielle Produktion ist auf ein Viertel geschrumpft.
Naturkatastrophen und Umweltschäden – die Lebensgrundlage wird zerstört
In der Berglandschaft Georgiens kommt es immer wieder zu Erdrutschen und Überschwemmungen, weil zu viel Holz teilweise illegal abgerodet worden ist. Der fruchtbare Boden in den flacheren Gebieten wird ausgewaschen und erodiert.
Da es keine geregelte Abfallentsorgung gibt,werden wilde Mülldeponien in der Nähe von Flüssen, Äckern, ja sogar Schulhäusern und Spielplätzen erstellt. Dazu kommen die Luftverschmutzung und Wasserverunreinigungen, die von veralteten Industrieanlagen ausgehen und ernsthafte Krankheiten auslösen können.
Gesundheit – ein kostbares Gut
In Georgien wird die Gesundheitsversorgung durch Spitäler und Gesundheitsstationen abgedeckt. Ersteres ist teuer und gerade im Winter wegen der schlechten Strassen sehr beschwerlich.
Auf dem Land haben die Gesundheitsstationen nicht genügend ausgebildetes Personal und oft fehlt die nötige Ausrüstung. In der Bevölkerung mangelt es grundlegend an Gesundheitswissen. Besonders schwierig ist es für Kinder mit Behinderungen, da sie kaum behandelt und gefördert werden.
Unabhängig – und doch kein Frieden
Georgien ist immer wieder von anderen Völkern erobert und beherrscht worden. Zuletzt war es 200 Jahre unter russischem Einfluss und 70 Jahre lang Teil der Sowjetunion. Seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1991 erlebte das Land immer wieder bewaffnete Auseinandersetzungen.
Der Abchasienkrieg in den Neunzigerjahren und die Eskalation des Südossetien-Konflikts im Jahr 2008 vertrieben über 250'000 Menschen aus ihren Dörfern. Viele Menschen flohen nach Imeretien, einer der 12 Regionen Georgiens. Auch darum ist Imereti, wie es die Georgier nennen, eines der zahlreichen Einsatzgebiete von World Vision.
Schule nach alter Sitte
In den Schulen auf dem Land macht das Lernen kaum Spass. Schon an die benötigten Schulbücher zu kommen, ist eine Herausforderung. Die Lehrer unterrichten nach alten, wenig auf Schüler ausgerichtete Unterrichtsmethoden.
Im Winter gibt es nur in den Klassenzimmern für die Jüngeren eine Heizung. Fast noch schlimmer sieht es bei den Kindergärten aus. Die lokalen Behörden haben kaum Geld für die Kindergärten, so dass es an allem fehlt.
World Vision unterstützt das Patenschaftsprojekt Imereti in Georgien.
Projektschwerpunkte
- Gesundheit und Ernährung
- Schule und Bildung
- Tragfähige Lebensgrundlage
- Patenschaftsprogramm: Kinder aus den ärmsten Familien werden von einheimischen World Vision-Mitarbeitern regelmässig besucht und unterstützt
Länder im Vergleich
| *UN Wohlstandsindikator für Länder | ||
|---|---|---|
| Georgien | Schweiz | |
| Bevölkerung unter 15 Jahre | 15.6% | 15.2% |
| Kinder pro Frau | 1.45 | 1.46 |
| Ärzte pro 100‘000 Einwohner | 409 | 360 |
| Lebenserwartung | 77.12 Jahre | 81 Jahre |
| Müttersterblichkeit auf 100‘000 Geburten | 48 | 10 |
| Kindersterblichkeit vor 5. Lebensjahr (von 1'000) | 29 | 4 |
| Säuglingssterblichkeit (von 1'000) Geburten | 26 | 4 |
| Analphabeten über 15 Jahre | 0% | 1 % |
| Human Development Index* (von 169) | Rang 74 | Rang 13 |
Georgien in Zahlen
| Hauptstadt | Tiflis (Tbilisi) |
|---|---|
| Fläche | 69‘700 km2 (CH 41‘285 km2) |
| Einwohner | 4.58 Mio. (CH 7.87 Mio.) |
| Sprachen | Georgisch 71%, Russisch 9%, Armenisch 7%, andere |
| Religionen | Georgisch-Orthodoxe Christen 83.9%, Muslime 9.9%, andere |
| Exportgüter | Metallerzeugnisse, Wein, Früchte und Nüsse, Bergbauprodukte |
| Grösste Herausforderungen | Arbeitslosigkeit, Armut, Folgen der Bürgerkriege, Umweltverschmutzung, Krankheiten, schlecht ausgerüstete Schulen |
| World Vision in Georgien | seit 1994 |
| Projekte | Patenschaftsprojekt Imereti |
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