World Vision Schweiz http://www.worldvision.ch/de/rss Engagieren Sie sich gemeinsam mit World Vision Schweiz für eine Welt, in der Kinder geschützt, umsorgt und gesund aufwachsen können. de-de Mon, 12 Apr 2021 01:46:07 +0200 Mon, 12 Apr 2021 01:46:07 +0200 article-45302 Thu, 08 Apr 2021 01:00:00 +0200 47.4026392 8.616362200000026 Kenia: von der Scham, nicht beschnitten zu sein https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/kenia-von-der-scham-nicht-beschnitten-zu-sein/ Faith ist nicht beschnitten. Dass sie in ihrer Heimat deshalb ausgelacht wird, ist kein Zufall. Obwohl die weibliche Genitalverstümmelung in Kenia seit 2011 gesetzlich verboten ist, wird sie als geachtete Tradition noch immer praktiziert. Im Rahmen von Kinderschutz-Programmen hilft World Vision Kindern, sich vor dieser schädlichen Praktik zu schützen. Text: Martin Muluka, World Vision & Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz

Faith liebt es, in die Schule zu gehen und würde alles tun, um an die Universität gehen und Krankenpflege studieren zu können. Ihr Traum war auch in greifbarer Nähe, bis die Regierung im März 2020 die Schulen wegen der COVID-19-Pandemie schloss. Für Faith bedeutete dies nach Hause gehen zu müssen. «Ich hatte Angst, nach Hause zu gehen, weil eine meiner Freundinnen in den letzten Schulferien verheiratet und eine andere beschnitten wurde», sagt die 16-jährige Schülerin.

Die Schulferien, egal ob COVID-19-bedingt oder regulär, sind für Mädchen aus den Gemeinden, in denen «Female Genital Mutilation», kurz FGM, heute noch praktiziert wird, ein grosses Risiko. Faiths Familie lebt in West Pokto County, einer dieser Gemeinden, in denen Mädchen nach wie vor beschnitten werden. Nach Angaben von UNICEF gibt es in Kenia vier Millionen Mädchen und Frauen, die weibliche Genitalverstümmelung erlebt haben. In Kenia sind das rund 21 Prozent der Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren.

«FGM ist ein grosses Thema und das gibt dir das Gefühl, ausgegrenzt zu sein, wenn du nicht beschnitten wurdest. Manchmal machen sie sich sogar über dich lustig und nennen dich ein Kind», erklärt Faith. Sie fühlte sich oft allein und hatte Angst, über das Thema zu sprechen. Als die Schulen geschlossen wurden, blieb sie die meiste Zeit in ihrem Zimmer.

Ein Stück Kultur

In vielen Kulturen symbolisiert FGM den Übergang vom Mädchen- zum Frauendasein. Es ist eine geschätzte traditionelle Praxis, die an Mädchen im Alter von 10 Jahren durchgeführt wird, aber verheerende physische und psychische Auswirkungen auf die Beschnittenen hat.

Kenia erliess 2011 das Verbot der weiblichen Genitalverstümmelung. Im Jahr 2019 verabschiedete das Land ein überarbeitetes Gesetz zur Ausrottung von FGM im Einklang mit den globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung (Ziel 5.3 der Sustainable Development Goals), das die Abschaffung der Praxis bis 2030 vorsieht.

Kenia: Eine Tochter steht mit ihrer Mutter vor einer Hütte.

Faiths Mutter (rechts) ermutigte ihre Tochter, am Sensibilisierungsprogramm von World Vision teilzunehmen.

Im Rahmen des «Alternative Rights of Passage»-Programms (ARP), einem Mentoring-Projekts, stösst World Vision in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen, das Umdenken an. Den Mädchen und Frauen wir gezeigt, wie sie auch ohne schädliche Praktiken wie FGM «zur Frau werden können». Sie erfahren, welche verheerenden physischen und psychischen Auswirkungen FGM auf die Beschnittenen hat, was reproduktive Gesundheit ist und was ihre Rechte als Mädchen, Frauen und Kinder sind. Sie werden in diesem Mentoring-Projekt in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, erwerben Lebenskompetenzen für ihre berufliche Zukunft und erfahren, wie wichtig Bildung ist. Auch Jungen und Männer sind im Programm herzlich willkommen. Das ist wichtig, damit ein gesamtgesellschaftliches Umdenken geschehen kann.

Multiplikatorinnen gegen FGM

Faith erfuhr durch ihre Mutter von dem Mentoring-Programm. «Meine Mutter behandelt mich gut. Sie ermutigt mich immer, in der Schule hart zu arbeiten. Eines Tages im Dezember erzählte sie mir, dass World Vision an der Masol Girls High School ein FGM-Sensibilisierungsprogramm für Mädchen durchführen werde. Ich hatte Angst, alleine hinzugehen, weil ich dachte, ich würde Leute treffen, die mich auslachen würden. Meine Mutter sprach mit mir und versprach mir, mich am ersten Tag zu begleiten. Mir gefiel, was World Vision uns lehrte, weil sie genau verstanden, was ich durchmachte», erinnert sich Faith. Sie fügt hinzu: «Ich war überrascht, dass so viele Mädchen und Jungen teilnahmen. Am Anfang waren wir nur wenige, aber es kamen immer mehr dazu.»

Während dieser ARP-Trainingsworkshops ermutigen auch religiösen Führer die Teilnehmenden, gegen FGM vorzugehen und zu Fürsprecherinnen und Verfechtern der Kinderrechte zu werden.

Faiths Mutter meldete sich nach dem ersten Tag des Trainings freiwillig, um eine aktive Rolle im Kampf gegen FGM in ihrer Gemeinde einzunehmen. Sie begann, mit anderen Eltern zu sprechen, damit diese ihre Kinder in die Schule bringen anstatt sie zu verheiraten. Auch Faiths kleiner Bruder und ihre Schwester nahmen am Programm teil. Heute schämt sich Faith nicht mehr dafür, dass sie nicht beschnitten ist, sondern setzt sich aktiv für ihre Rechte ein: «In der Schule teile ich das, was ich gelernt habe, mit den anderen Mädchen.»

An den Wochenenden besucht Faith zusammen mit ihrer Mutter Mädchen und Frauen in Nachbardörfern, die Angst haben, sich öffentlich gegen FGM aufzulehnen. Sie machen ihnen Mut und sind so wertvolle Multiplikatorinnen im Kampf gegen eine Praktik, die schon längst der Vergangenheit angehören sollte.

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article-45301 Thu, 01 Apr 2021 20:00:00 +0200 47.4026392 8.616362200000026 Die 4 grössten Herausforderungen für Mädchen im globalen Süden https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/die-4-groessten-herausforderungen-fuer-maedchen-im-globalen-sueden/ Wie ein Brennglas, das alle bestehenden Probleme in den Fokus nimmt und verstärkt – so wird dieser Tage die Wirkung der Corona-Pandemie beschrieben. Es ist wahr: Vor allem für Mädchen und junge Frauen im globalen Süden werden bereits vorhandene geschlechtsspezifische Ungleichheiten weiter verstärkt. Text: World Vision Schweiz

 

Fast neun von zehn Kindern leben im globalen Süden, die Hälfte davon sind Mädchen. Dabei sehen sich Mädchen oft mit wesentlich grösseren Herausforderungen konfrontiert als Jungen. Gegen diese Ungerechtigkeit kann nur ein konsequenter Einsatz für die Gleichberechtigung etwas bewirken.

Das sind die grössten Herausforderungen für Mädchen im globalen SüdenZwei Mädchen in Kambodscha freuen sich über neue Lehrbücher für die Vorschule.

Die fünfjährige Khvan Keo (links) freut sich an der Boeung Phum Vorschule in Kambodscha am Unterricht teilnehmen zu können. Seit über 17 Jahren unterhält World Vision Gesundheits-, Bildungs- und Kinderschutzprogramme in dem Land.

 

1. Zugang zu Bildung

Mädchen, die in die Schule gehen und die Sekundarstufe abschliessen, haben sehr gute Chancen auf eine selbstbestimmte Zukunft und bringen die Gesellschaft massgeblich voran: Sie heiraten später, verdienen mehr Geld und bekommen weniger und gesündere Kinder, die mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst auch zur Schule gehen werden. Bildung für Mädchen ist somit ein essenzieller Bestandteil für einen nachhaltigen gesamtgesellschaftlichen Wandel.

Doch immer noch gehen weltweit rund 132 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Die Gründe dafür sind vielfältig. Viele Familien können sich einen Schulbesuch ihrer Kinder nicht leisten. Dabei entscheiden sich die Familien eher dafür, die Jungen in die Schule zu schicken und die Mädchen zu Hause zu lassen. Ein weiterer Grund, der Mädchen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung erschwert, ist die Stigmatisierung der Menstruation, die immer noch in vielen Ländern des globalen Südens vorherrscht. Das führt dazu, dass Mädchen während ihrer Periode nicht zur Schule gehen und einen Grossteil der Lerninhalte verpassen oder gar nicht erst zurückkehren.

Auch Krisensituation wirken sich negativ auf die Bildungschancen von Mädchen aus: Schülerinnen und Lehrerinnen fallen besonders häufig Angriffen auf Schulen oder sexuellen und gewaltsamen Übergriffen auf dem Schulweg zum Opfer.

Die Corona-Pandemie verschärft die bisherigen Herausforderungen zusätzlich: Durch die weltweiten Schulschliessungen sind vor allem Mädchen des globalen Südens wieder zunehmend Gewalt, Zwangsverheiratungen und frühen Schwangerschaften ausgesetzt. Schätzungen der UNESCO zufolge werden 11 Millionen Mädchen nach der Pandemie nicht mehr in die Schule zurückkehren. Dies droht viele der bisher erreichten Fortschritte im Kampf gegen die Diskriminierung und Armut von Mädchen zunichtezumachen.

 

2. Kinderehen und Zwangsverheiratung

Schätzungen des Kinderhilfswerks UNICEF zufolge wurden weltweit über 650 Millionen Frauen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Mädchen ohne Zugang zu Bildung haben ein dreifach höheres Risiko, vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet zu werden. Werden jedoch Mädchen verheiratet, die eine Schule besuchen, müssen sie diese verlassen und kehren in der Regel auch nicht mehr zurück. Vor allem während der Corona-Pandemie führen existenzielle Nöte vermehrt zu Verheiratungen junger Frauen und Mädchen. Das hat weitreichende Folgen: Ohne eine abgeschlossene Ausbildung haben die Mädchen nur begrenzte wirtschaftliche Möglichkeiten und verharren in der Armut. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Kinder in die Schule schicken, ist geringer.

Nicht selten werden die Mädchen gegen ihren Willen verheiratet und sind in ihren Ehen physischer und sexueller Gewalt ausgeliefert. Die erforderlichen Massnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie lässt die häusliche und sexuelle Gewalt gegen Mädchen weiter ansteigen. Das liegt unter anderem an den Ausgangssperren sowie an eingeschränkten Unterstützungs- und Informationsmöglichkeiten für die Mädchen. 

Die jung verheirateten Mädchen sind ausserdem durch frühe Schwangerschaften einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. In den ärmsten Ländern der Welt bekommt jede vierte Frau ihr erstes Kind bereits vor ihrem 18. Geburtstag. Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt sind weltweit die häufigsten Todesursachen für Mädchen im Alter von 15 bis 19 Jahren. Dies wird durch die anhaltende Corona-Pandemie zusätzlich verstärkt: Nicht nur durch das Virus selbst, auch der erschwerte Zugang zu medizinischer Versorgung und Information sowie die Quarantänemassnahmen stellen ein hohes Gesundheitsrisiko für Mädchen und junge Frauen dar. Es wird erwartet, dass die Mütter- und Kindersterblichkeitsrate durch die Pandemie weiter steigen wird.

 

3. Kinderarbeit

550 Millionen Stunden am Tag arbeiten Mädchen zwischen 5 und 14 Jahren im Haushalt, schätzt die UNICEF. Unbezahlte Arbeiten wie kochen, Wasser holen und sich um Familienmitglieder kümmern, werden von Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren doppelt so häufig erledigt wie von Jungs im gleichen Alter. Im Vergleich dazu leisten Mädchen und Frauen generell weniger bezahlte Arbeit als Männer. 

Doch auch abseits der Hausarbeit sind Mädchen häufig Opfer ausbeuterischer und gefährlicher Kinderarbeit. Vor allem in Krisenzeiten, die viele Familien wirtschaftlich schwächen, nimmt der Anteil arbeitender Kinder zu. Dies lässt sich aktuell während der Corona-Pandemie in vielen Ländern des globalen Südens beobachten: Die existenzielle Not ihrer Familien zwingt Millionen Mädchen in Prostitution und Menschenhandel. Zum anderen steigt die Arbeitslast im heimischen Umfeld für junge Frauen und Mädchen durch die Pandemie stark an, sodass sie dies mit ihrer Bildung nicht mehr vereinen können. Folglich geht wertvolle Zeit für die Bildung der Mädchen verloren und der Kreislauf aus Armut, prekärer Arbeit und fehlender Bildung kann nicht nachhaltig durchbrochen werden.

in junges Mädchen aus der Demorkatischen Republik Kongo mit einem geblümten Tuch um die Schultern sitzt auf einem Markt und schaut in die Kamera.

Sourcevie, 11 Jahre, verkauft Kohle auf einem Markt in der Demorkatischen Republik Kongo (DRK). Kinder in der DRK leiden unter verschiedenen Formen der Ausbeutung, die sich aus einem Zusammenspiel durch Konflikte, Nahrungsmittelknappheit, Armut und Krankheiten ergibt.

 

4. Armut und Hunger

Viele Mädchen des globalen Südens leben aufgrund von fehlendem Zugang zu Bildung in Armut. Zeitgleich verhindert Armut, in die Mädchen hineingeboren werden, einen Zugang zu Bildung oder führt zu Verheiratungen, um die Familien der Mädchen finanziell zu entlasten. Ein Kreislauf aus Ursache und Wirkung, der viele Mädchen des globalen Südens in der Armut gefangen hält, sie hungern lässt und abhängig macht. Zahlen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zufolge leiden weltweit 821 Millionen Menschen an Hunger. 61 Prozent davon sind Frauen und Mädchen. 

Durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind viele Familien des globalen Südens von noch stärkerer Armut bedroht. Das hat zur Folge, dass die Familien ihre Kinder nicht mehr ausreichend ernähren können. Auch hier sind die Mädchen oft im Nachteil, da sie im familiären Umfeld auch bei der Ernährung gegenüber den männlichen Familienmitgliedern benachteiligt werden. Häufig dürfen sie erst nach den männlichen Familienmitgliedern essen und bekommen nur noch die Reste der Mahlzeiten.  

Die UN-Frauenorganisation, UN Women, erwartete zwischen 2019 und 2021 eigentlich einen Rückgang der Armutsrate von Frauen und Mädchen. Der Trend bewegte sich dahin, dass immer mehr Mädchen Zugang zu Bildung und anschliessender Arbeit erhielten – doch das war vor der Pandemie. Aktuell wird mit einem Anstieg der Armutsrate um 9,1 Prozent gerechnet, somit wird die Gender Poverty Gap künftig noch weiter auseinandergehen. Schätzungen der UN zufolge wird sich die Zahl der Frauen und Mädchen in extremer Armut auf weltweit 435 Millionen erhöhen. Der grösste Teil davon lebt in Afrika, südlich der Sahara und Südasien.

Ein Mädchen aus Bangladesch in einem orangenen Sari sitzt hinter einer Nähmaschine und näht  Mund-Nasenmasken.

Tasrin unterstützt World Vision im Rahmen eines Projekts zur Ernährung von Müttern und Kindern in Bangladesch und nähte 5’000 Masken für die Mitglieder ihrer Gemeinde.

 

Was tut World Vision für die Gleichberechtigung der Mädchen im globalen Süden?

Gleichberechtigung ist die Grundlage zur Behebung zahlreicher globaler Probleme. All die zuvor genannten Punkte lassen sich nur schwer getrennt voneinander betrachten und vor allem bewältigen. Es ist ein Wechselspiel dieser Faktoren, das zu den bestehenden Problemen junger Mädchen führt.

Wir wollen den Kreislauf aus Armut, geschlechtsspezifischer Gewalt und sozialer Ungleichheit durchbrechen. World Vision unterstützt Mädchen und junge Frauen in ihren Gemeinden durch Schulungen, Gesundheits- und Bildungsprogramme. Dazu bilden wir lokale Mitarbeitende aus und kooperieren mit den Familien und dem sozialen Umfeld der Mädchen, um ihnen den Raum zu schaffen sich und ihr Potenzial frei zu entfalten.

Vor allem um den fatalen Folgen der Pandemie entgegenzuwirken, sind unsere lokalen Mitarbeitenden im Einsatz. Sie informieren Mädchen und Jungen über das Virus und helfen dabei, Hygienemassnahmen umzusetzen. Dabei werden wir unterstützt von den Mitgliedern der Gemeinden und Glaubensführern, welche durch ihren Einsatz dazu beitragen, dass die Arbeit von World Vision vor Ort akzeptiert und angenommen wird. 

Leisten Sie einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit! Übernehmen Sie eine Patenschaft für ein Mädchen und ermöglichen Sie ihr damit Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung, sauberem Wasser und gesunder Ernährung. Damit schaffen Sie die Grundlage für eine Zukunft ohne Armut und Abhängigkeit für das Mädchen, ihre Familie und ihre Gemeinde.

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article-45300 Thu, 01 Apr 2021 18:00:00 +0200 47.4026392 8.616362200000026 Was Kinder wirklich brauchen, um glücklich zu sein und wo sie es am ehesten bekommen https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/was-kinder-wirklich-brauchen-um-gluecklich-zu-sein-und-wo-sie-es-am-ehesten-bekommen/ Der wirtschaftliche Reichtum eines Landes ist noch kein Garant für Glück. Schon gar nicht, wenn es um das Glück und die Lebenszufriedenheit von Kindern geht. Spielen hier doch wesentlich mehr Faktoren eine Rolle als nur wirtschaftlicher Wohlstand. Dazu gehören Dinge wie Mitsprache, ein stabiles soziales Netz der Kinder, ein liebevolles familiäres Umfeld sowie körperliche und mentale Gesundheit. Text: World Vision Schweiz

 

Ein Bericht der UNICEF zeigt, dass in den 41 reichsten Ländern vor allem die mentale Gesundheit vieler Kinder leidet, was sich in den letzten Monaten während der Corona-Pandemie noch verstärkt haben dürfte. Nationen wie Neuseeland und Japan sind hierbei am schlechtesten aufgestellt. Wirtschaftlicher Reichtum garantiert auch nicht zwingend körperliche Gesundheit. In 10 der untersuchten Länder ist mehr als jedes dritte Kind übergewichtig oder fettleibig. Die Zahl der übergewichtigen Kinder zwischen 5 und 19 Jahren weltweit wird voraussichtlich bis 2030 von 158 Millionen auf 250 Millionen steigen. Dem UNICEF-Bericht zufolge führt die USA hier die Negativ-Liste an. Bei den akademischen und sozialen Fähigkeiten von Kindern befinden sich Chile, Bulgarien und die Slowakei auf den letzten Plätzen. 

 

In den Niederlanden leben die glücklichsten Kinder 

Aber wo sind die Kinder am glücklichsten? Auf den vorderen Rängen im Bezug auf das Wohlbefinden, die physische Gesundheit sowie die sozialen und geistigen Fähigkeiten von Kindern liegen die Niederlande, Dänemark und Norwegen – es ist gemeinhin bekannt, dass die nördlichen Länder Europas hier eine führende Rolle übernehmen. Das liegt unter anderem an der Gleichberechtigung, die in diesen Ländern zu einem hohen Grad sowohl im familiären als auch beruflichen Kontext gelebt wird. Unerwartet hingegen ist die Rangfolge der Nationen bei der Frage nach der allgemeinen Lebenszufriedenheit von Kindern im Alter von 15 Jahren: Hier führt auch die Niederlande direkt gefolgt von Mexiko und Rumänien.

Woran liegt das? Glaubt man doch, dass die Kinder der reichsten Nationen über alles verfügen, was sie brauchen wie beispielsweise Bildung, ein Dach über dem Kopf, ausreichend Nahrung oder stabile Gesundheitssysteme.

Eine Studie aus Grossbritannien ergab jedoch, dass Kinder mit geringer Lebenszufriedenheit im Vergleich zu Kindern mit mässiger oder hoher Zufriedenheit achtmal häufiger von familiären Konflikten berichten. Zudem gaben diese Kinder mehr als doppelt so häufig an, dass sie sich nicht darauf freuten, in die Schule zu gehen und es war fünfmal so wahrscheinlich, dass sie gemobbt wurden. Viele der Kinder leiden unter Stress, Angstzuständen und Depressionen. Hinzu kommt, dass fast ein Viertel der befragten Kinder mit geringer Zufriedenheit angaben, dass sie sich zu Hause nicht sicher fühlen. 

Eine Familie mit vier Söhnen aus KambodschaDie vier Brüder Borin (4), Boreach (8), Bora (12) und Borey (10) aus Kambodscha mit ihren Eltern. Sie lieben es nach der Schule Fussball zu spielen und mit ihren Eltern gemeinsam Zeit verbringen.

 

Aktive Teilhabe und ein stabiles soziales Netz als zentrale Glücksfaktoren

Konflikte im sozialen und familiären Umfeld stellen demnach für die mentale Gesundheit und die Lebensqualität von Kindern einen wesentlichen Faktor dar. Für viele Kinder sind gute Beziehungen entscheidend für die Bewertung ihres persönlichen Glücks. Kinder innerhalb unterstützender Familiensysteme haben ein besseres psychisches Wohlbefinden und damit auch grössere Chancen auf gute Beziehungen und körperliche Gesundheit im Erwachsenenalter. Zudem steigert dies die Konzentrationsfähigkeit und damit die schulischen Lernerfolge.

Für einen Grossteil der Kinder ist das Gefühl der Mitsprache und Teilhaben ein weiterer entscheidender Glücksfaktor, sei es in der eigenen Familie oder im erweiterten sozialen Umfeld. Eine ebenso wichtige Komponente für Kinder ist es, die Möglichkeit und Zeit zu haben, mit Gleichaltrigen und Freunden zu spielen. Das fördert ihre körperliche Gesundheit und intensiviert die soziale Interaktion. Dafür braucht es entsprechende Ressourcen wie Spielplätze und Freizeiteinrichtungen.

Albanien: Zwei junge Mädchen mit bemalten Gesichtern umarmen sich und lachenlda aus Albanien (rechts): "Zu spielen, macht mich sehr glücklich." In Zusammenarbeit mit der albanischen Gemeinde Lehza organisiert World Vision Spiel- und Freizeitaktivitäten für Kinder.

 

So setzt sich World Vision Schweiz weltweit für das Glück von Kindern ein

Gemeinsam mit dem gesamten Umfeld der Kinder und starken Partnern vor Ort setzen wir uns dafür ein, ein sicheres und stabiles Fundament zu schaffen, auf dem sich Kinder körperlich und mental gut entwickeln können. Das beinhaltet unter anderem Zugang zu sicherem Trinkwasser, Aufklärung zu Gesundheitsthemen sowie Fortbildungskurse zur Sicherung der finanziellen Situation der Familien und somit die Möglichkeit auf Bildung. Zusätzlich sensibilisieren wir Eltern, Lehrer und politische Akteure für die Rechte der Kinder. Für ein Recht auf ein Leben frei von Gewalt, Diskriminierung und Unterdrückung.

 

Ein junges achtjähriges Mädchen hält das Foto eines Mannes in der Hand und lächelt in die KameraDie 8-Jährige Darlin Sarai Yamilet Lopez Michicoj aus Guatemala hat sich ihren Paten ausgesucht.

 

Die Mitbestimmung und Teilhabe der Kinder spielt dabei eine zentrale Rolle unseres Agierens. Durch Kinder- und Jugendclubs, Schulungen und Workshops werden die Kinder ermutigt, sich in ihrem sozialen Umfeld und auf politischer Ebene aktiv für ihre Rechte einzusetzen. Auch bei den Patenschaften setzen wir mit «Chosen» auf die aktive Teilhabe der Kinder. Denn nun entscheiden die Kinder, wer ihr Pate oder ihre Patin sein soll.

Verhelfen auch Sie einem Kind zu mehr Mitsprache und Selbstwirksamkeit: Melden Sie sich noch bis zum 14. Mai für unseren kommenden Chosen-Event an und lassen Sie sich als Patin oder Pate auswählen.

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article-45299 Wed, 31 Mar 2021 18:30:00 +0200 47.4026392 8.616362200000026 Wie der Militärputsch in Myanmar die Lage der Rohingya verschlechtert https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/wie-der-militaerputsch-in-myanmar-die-lage-der-rohingya-verschlechtert/ Rund vier Jahre ist es her, dass über 700’000 Rohingya - darunter 400’000 Kinder - aus Myanmar vor Gewalt, Massakern und Vergewaltigung fliehen mussten. Vor allem das myanmarische Militär war für die Greueltaten verantwortlich - und im Februar 2021 hat es sich erneut an die Macht geputscht. Was bedeutet das für die im Land verbleibenden Rohingya und diejenigen, die in Bangladesch auf Rückkehr hoffen? Text: World Vision Schweiz

 

Rund 900’000 Menschen leben im Flüchtlingslager Kutupalong in der Küstenregion Cox’s Bazar in Bangladesch, dem weltweit grössten Flüchtlingslager. Die meisten von ihnen sind Rohingya, die aus ihrer Heimat in Myanmar als muslimische Minderheit vertrieben worden sind. Während die Regierung von Bangladesch die Geflüchteten zunächst nach besten Möglichkeiten aufnahm, hält sie die Grenzen zum Nachbarland inzwischen geschlossen; auch um einen neuerlichen Zustrom in Folge des Militärputsches abzuwenden.

Das weltweit grösste Flüchtlingslager Cox’s Bazar mit einer Verteilstation von World Vision.Blick auf das weltweit grösste Flüchtlingslager Cox’s Bazar in Bangladesch. Rund 900’000 Menschen, vor allem aus Myanmar geflüchtete Rohingya, leben hier. Ganz oben auf dem Hügel befindet sich eine Nahrungsmittelverteilstation von World Vision.

 

Kein Ausblick auf Ruhe

Die Lage im Camp spitzt sich zu: Erst im März wurden dort über 45’000 Geflüchtete durch ein Feuer obdachlos und zahlreiche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen zerstört. Zudem will die Regierung in Dhaka die Flüchtlinge auf die Insel Bhasan Char im Golf von Bengalen umsiedeln. Das Projekt ist umstritten, denn zum einen ist die Insel besonders von Tropenstürmen und Überschwemmungen bedroht und war nie zuvor dauerhaft bewohnt. Zum anderen erfolgt die Umsiedlung nach Aussagen von Betroffenen unter Zwang.

 

Mit dem Rücken zur Wand

Gleichzeitig erscheint die Rückkehr ins eigene Land noch immer unmöglich: Grundlegende Bürgerrechte und Sicherheitsgarantien werden den Rohingya von Myanmar nicht gewährt und auch die Situation der etwa 500’000 im Land verbleibenden Rohingya wird immer prekärer. Unter der Junta hat die Gewalt im Land seit Februar stark zugenommen. Fast täglich gibt es bei landesweiten Protesten gegen die Machtübernahme des Militärs Todesopfer. Allein am letzten Märzwochenende starben hunderte Menschen durch Kugeln des Militärs, unter ihnen auch Kinder und Jugendliche. Vor der ethnischen Minderheit macht die Gewalt nicht halt und die internationale Kritik an der Gewalt bleibt unerhört.

Während Thailand sich deswegen auf die Ankunft von Flüchtlingen aus Myanmar vorbereitet, treibt die Lage in Bangladesch die Rohingya zunehmend in die Hände von Schleppern, um nach Malaysia oder Indonesien zu gelangen – oft mit fatalen Folgen: Die Boote sind überfüllt, haben zu wenig Nahrung, Wasser oder Treibstoff an Bord. Hundert Flüchtlinge liessen auf solchen Überfahrten bereits ihr Leben und der Golf von Bengalen gilt seit längerem als dreimal so tödlich wie das Mittelmeer für Flüchtlinge und Migranten.

 

Was wir jetzt gemeinsam tun können

Die Machtübernahme des Militärs und die anhaltende Gewalt erschweren die Arbeit von Hilfsorganisationen in Myanmar. Dabei ist ihr Beitrag gerade jetzt besonders wichtig: Es ist zu befürchten, dass der über Jahre der Entwicklungszusammenarbeit errungene Fortschritt im Land verloren geht und dass die Gewalt zu langfristigen traumatischen Belastungsstörungen in der Bevölkerung führt, was die Entwicklungsperspektiven ganzer Generationen beeinträchtigen kann. World Vision fordert daher umgehend einen humanitären Waffenstillstand und den besonderen Schutz von Kindern und stark gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie die Rohingya es sind.

 

Ein geflüchtetes Rohingyakind vor von World Vision bereitgestellten UnterkünftenWorld Vision stellt den geflüchteten Rohingya Unterkünfte, sanitäre Anlagen, sauberes Wasser und Nahrung bereit. Vor allem investiert die Organisation in Bildung für die Kinder und Jugendlichen, die 55% der Bewohner des Camps in Cox’s Bazar ausmachen.

 

World Vision ist seit 25 Jahren in Myanmar aktiv und hat über zwei Millionen Menschen durch humanitäre und Entwicklungshilfeprogramme unterstützen können. Auch in Bangladesch sind wir seit 1972 aktiv und arbeiten mit verschiedenen lokalen Organisationen zusammen. Dort haben wir seit Beginn der Rohingya-Vertreibungen mehr als 280’000 Flüchtlinge betreut. Die Vorbeugung von Unterernährung und Nahrungsmittelverteilung genauso wie der Aufbau von Wasser- und Sanitärsystemen sind Teil davon. Ebenso wichtig sind Investitionen in Bildung und in die Zukunft der Geflüchteten: Kinderschutz und Lernzentren für geflüchtete Kinder und Heranwachsende sind fester Bestandteil unserer Arbeit vor Ort. 

Unsere Arbeit in Cox’s Bazar ist wichtiger denn je in Anbetracht der sich zuspitzenden Lage, um den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen und eine selbstbestimmte Zukunft in der Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat. Unterstützen Sie uns dabei mit einer Spende.

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article-45298 Wed, 24 Feb 2021 00:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 "Ich zeichne starke Frauen, weil ich so sein möchte wie sie" https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/ich-zeichne-starke-frauen-weil-ich-so-sein-moechte-wie-sie/ Rahma ist zehn Jahre alt. Gleich alt wie der Krieg in Syrien. Es vergeht kein Tag in ihrem Leben, der von den kriegerischen Auseinandersetzungen in ihrer Heimat nicht bestimmt ist. Rahma zeichnet, um zu vergessen – und um Hoffnung zu schöpfen. Text: World Vision

Denken Sie zurück an die Zeit, als Sie zehn Jahre alt waren. Wie sah das Leben damals für Sie aus? Schule, Familie, Freunde, Hobbys? Wahrscheinlich war es nicht ein Leben, das durch Krieg und das Hören von Geschichten über ein Heimatland bestimmt war, das sie nie gekannt hatten oder das Sie sich nicht einmal mehr vorstellen konnten.

Eine neue Leidenschaft für Rahma

Die 10-jährige Rahma und ihre Familie mussten 2013 aus Syrien fliehen. Sie lebten zunächst im Flüchtlingslager Zaatari bevor sie nach Irbid in Jordanien weiterzogen. Auch wenn viele Entbehrungen ihr bisheriges Leben prägten, hat Rahma doch eine Vorstellung davon, was sie einmal sein möchte. Und sie hat einen Weg gefunden, dies durch ihre grösste Leidenschaft auszudrücken – das Zeichnen.

Syrien: Ein Mädchen hält selbstgezeichnete Bilder von Frauen in die Kamera.

Am liebsten zeichnet Rahma Frauen, die sie inspirieren.

Ihre grossen Augen leuchten und funkeln, wenn sie über ihre Liebe zum Zeichnen spricht. An ihren Wänden hängen viele ihrer eigenen Kreationen. Die meisten zeigen Portraits mit Gesichtern von Freunden und Familienmitgliedern. Besonders gerne zeichnet das Mädchen starke und fürsorgliche Frauen, denn Rahma möchte wie sie sein, wenn sie erwachsen ist.

Trotz allem, was sie erlebt hat, findet Rahma immer noch überall um sich herum Inspiration. Das Zeichnen ist ihr Weg, sich auszudrücken. Sie fing damit an, als sie acht Jahre alt war. «Wenn ich zeichne, habe ich das Gefühl, dass es von innen kommt. Ich kann mich dadurch mitteilen», erklärt sie. Die Kunst ist ein Ventil für ihre Kreativität, aber auch eine Flucht aus einer Kindheit, die Krieg und Vertreibung geprägt haben.

Auf die Frage, was sie später einmal werden möchte, antwortet Rahma mit allem Selbstbewusstsein der Welt: «Eine Ärztin. Eine Ärztin und eine Künstlerin.»

Ein kleines Stück Normalität

Dank eines lokalen World Vision-Projekts werden Rahma und ihre Geschwister durch ein Fernunterrichtsprogramm unterstützt, mit dem sie Arabisch, Englisch und Mathematik lernen. Es gibt auch Online-Aktivitäten, an denen die Kinder teilnehmen können, von Zeichnen über Theater und Lesen bis hin zu Sport. Rahma ist eine fleissige Schülerin, und so gerne sie auch zeichnet, das Lernen steht für sie immer an erster Stelle.

Als ihre Lehrer Rahmas Talent entdeckten, versorgte World Vision sie mit den nötigen Stiften, Papier und Farben, die das Mädchen brauchte, um sich weiterzuentwickeln. «Was mir hilft, ist, dass die Lehrer, wenn sie zeichnen, uns eine bessere Idee geben, wie wir zeichnen sollen, und sie bringen uns viele weitere Dinge bei.» Sie sind es auch, die Rahma ermutigen, ihre Kunstwerke in der Zeichenwettbewerbsgruppe zu zeigen.

Die letzten sieben Jahre waren hart. Syrer dürfen in Jordanien nicht frei arbeiten, so dass Rahmas Vater seine Familie nicht unterstützen kann. Rahmas Mutter, Ibtihal, ist stolz auf ihre talentierte Tochter und unterstützt sie auf jede erdenkliche Weise.Da sie weiss, dass das Zeichnen Rahma glücklich und konzentriert macht, ermutigt Ibtihal ihre Tochter, sich in ihrer Kunst zu verbessern. Sie sieht in ihrer Tochter auch ihr jüngeres Ich... und ihre eigenen Träume, die sie aufgeben musste. «Sie erinnert mich an etwas, das ich erreichen wollte, aber nicht konnte. Also möchte ich, dass sie es erreicht. Ich wollte jemand werden, der ein Ziel hat, aber die Lebensumstände haben das nicht zugelassen.»

Rahmas Traum

Rahma findet in jeder Situation das Positive. Nicht einmal die Pandemie kann ihre Ambitionen aufhalten. «COVID-19 hat uns davon abgehalten, zur Schule zu gehen. Wir gehen nicht mehr aus wie früher. Wir haben aufgehört, in den Park zu gehen und draussen zu spielen. Während des Lockdowns hat mir das Zeichnen geholfen, mein Talent zu entwickeln und zu verbessern.» Auch ihren Geschwistern bringt sie das Zeichnen bei.

Was würde Rahma tun, wenn sie für einen Tag Präsidentin der ganzen Welt wäre? «Ich würde den Krieg und Konflikt beenden und die Welt ein Stück weit besser machen.» Ihr allergrösster Traum? Dass ihre Porträts eines Tages ausgestellt werden. Dem fügt ihre Mutter ihre eigene Hoffnung hinzu, dass «jemand ihr helfen kann, alles zu lernen, damit sie ihre Fähigkeiten nicht verliert.»

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article-45297 Mon, 15 Feb 2021 01:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 Kinderheirat verhindern: Was schon erreicht wurde und was noch zu tun ist https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/kinderheirat-verhindern-was-schon-erreicht-wurde-und-was-noch-zu-tun-ist/ Wenn die ganze Welt am Valentinstag die Romantik und die Liebe feiert, gerät schnell in Vergessenheit, dass viele Mädchen gegen ihren Willen verheiratet werden. Dank weltweiter Anstrengungen konnten bis heute rund 25 Millionen Kinderheiraten verhindert werden. Aber damit diese Praktik bis 2030 der Vergangenheit angehört, müssen wir noch viel bewegen. Text: World Vision Schweiz

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, schätzt, dass über 650 Millionen Frauen auf der ganzen Welt vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Und jedes Jahr trifft dieses Schicksal 12 Millionen weitere Mädchen.

Was ist eine Kinderheirat und welche Folgen hat sie für die Betroffenen?

Eine Kinderheirat, auch Kinderehe oder Frühverheiratung genannt, ist jede legale oder informelle Ehe, in der mindestens eine Person ein Kind unter 18 Jahren ist. Zwar sind vor allem Mädchen von Kinderehe betroffen, aber in manchen Ländern werden auch Jungen bereits vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Am häufigsten ist statistisch gesehen die Verheiratung eines jungen Mädchens mit einem älteren Mann.

Mädchen, die als Kind verheiratet werden, können sich selten frei entfalten. Sie werden zu früh im Leben von ihrer Familie und ihren Freunden getrennt und müssen sich plötzlich in der Rolle einer erwachsenen Frau einfinden, den Haushalt führen und selbst Kinder grossziehen, anstatt weiter zur Schule gehen zu können oder mit Freunden zu spielen. Nicht selten geschieht die Verheiratung gegen den Willen der jungen Mädchen.

Oft ist Tradition der Grund für eine Kinderheirat. Das Schicksal der Mädchen und ihrer Familien zeigt aber auch die komplizierte Verflechtung von Folgen und Ursachen, die hier wirken. Ein Mädchen, dass die Schule abbrechen muss oder gar nicht erst zur Schule gehen kann, haben ein dreimal höheres Risiko, als Kind verheiratet zu werden, als Mädchen, die mindestens eine weiterführende Schule besuchen. Gleichzeitig müssen viele Mädchen nach der Verheiratung ihre Schulbildung abbrechen, um fortan als Hausfrau und Mutter zu leben. Sie werden der Möglichkeit beraubt, ihre Potenzial zu entdecken und zum Beispiel einen Beruf zu erlernen, der ihnen und ihren Familien einen Weg aus der Armut bieten kann.

Bangladesch: Ein Mädchen in grünem Sari kniet auf dem Boden und tröstet ein Mädchen in roter Kleidung, das ebenfalls auf dem Boden kniet.

Die Mitglieder eines Kinderforums aus Bangladesch spielen im Rahmen einer Aufklärungskampagne für ihre Zuschauer eine kurze Szene über Kinderheirat nach.

Mädchen aus armen Familien werden in vielen Gemeinden für ein Brautgeld oder zur Begleichung einer Schuld verheiratet, oder um in extremen Notsituationen die Zahl der «hungrigen Mäuler» in einer Familie zu reduzieren und das Kind durch die Verheiratung in die Verantwortung einer anderen Familie zu überführen. Die Mädchen geraten dadurch immer tiefer in eine Spirale aus Armut und Abhängigkeit, die sich über viele Generationen fortsetzen kann.

Kinderehen haben auch fatale Folgen für die Gesundheit der minderjährigen Bräute und ihrer eigenen Kinder. Junge Mädchen sind häufig weder emotional noch körperlich bereit dafür, Kinder zu zeugen und grosszuziehen. Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt sind die häufigste Todesursache für Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren weltweit. Eine weitere Bedrohung für die Gesundheit der Mädchen ist die emotionale und wirtschaftliche Abhängigkeit von ihrem älteren Ehemann. Sie haben es sehr viel schwerer, sich für ihre eigenen Bedürfnisse und Verhütung einzusetzen und sind daheim oft körperlicher und sexueller Gewalt ausgesetzt.

Was bisher im Kampf gegen Kinderheirat erreicht werden konnte

2008-2009 — Es wird geschätzt, dass 25 % aller gegenwärtig lebenden Frauen bereits als Kind verheiratet wurden.

2012 — Der 11. Oktober wird zum Internationalen Tag des Mädchens erklärt, um über Kinderheirat aufzuklären und Prävention zu betreiben.

2013 — Der UN-Menschenrechtsrat nimmt das Thema Kinderheirat in seine Agenda auf. Die UN-Generalversammlung erklärt Kinderheirat zu einem Hindernis für nachhaltige Entwicklung.

2015 — Der UN-Bevölkerungsfond schätzt, dass 1 von 3 Mädchen bis zu ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wird, 1 von 9 Mädchen sogar vor ihrem 15. Lebensjahr. Ein Punkt der “Ziele für nachhaltige Entwicklung” (SDG) verpflichtet alle Länder, Kinderheirat zu unterbinden.

2018 — Der Anteil der bereits als Kind verheirateten Frauen weltweit sinkt auf 1 von 5 bzw. 20 %. Delaware und New Jersey sind die ersten US-Staaten, die Kinderheirat ohne Ausnahme für illegal erklären.

2020 — Laut Schätzungen der UN wurden in den letzten 10 Jahren 25 Mio Kinderheiraten dank Entwicklung und Fortschritt verhindert.

2030 — 2030 ist das Stichjahr der SDG zur Abschaffung von Kinderheirat. Wäre die Kinderheirat seit 2015 nicht immer weiter eingeschränkt worden, wären in 2030 rund 960 Millionen Frauen weltweit als Kinder verheiratet worden.

Ein Mädchen in Sportkleidung mit einem Fussball unter dem Arm lächelt in die Kamera, hinter ihr posiert ihre Mannschaft für das Bild.

Dina, 18 aus dem Südsudan trainiert für den Sport und für ein selbstbestimmtes Leben: «Fussball hat mich stärker gemacht.»

So setzt World Vision sich gegen Kinderheirat ein

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit von World Vision ist der Schutz von Kinderrechten und der gleichberechtigte Zugang zu Bildung für Mädchen und Jungen weltweit. Zusammen mit den Familien und dem Umfeld der Mädchen arbeitet World Vision darauf hin, dass die Mädchen selbstbewusst für ihre Rechte eintreten und dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden. Der Erfolg der verschiedenen Programme basiert auf der Einbeziehung aller Beteiligten. Nur so können die gefährlichen Einstellungen, Traditionen und Praktiken rund um Kinderheirat geändert werden.

Darüber hinaus unterstützt World Vision die Betroffenen mit Gesundheitsprogrammen für Mütter, Neugeborene und Kinder und setzt sich ausserdem für die Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen ein. Damit ist nicht nur die jungen Mütter und Familien geholfen, sondern es wird auch eine Grundlage geschaffen für gesunde, nachhaltige Entwicklung ganzer Gemeinden hin zu mehr Gesundheit und Wohlstand für alle.

In Kenia arbeitet World Vision mit Schulen und Gemeindevorstehern zusammen, um Jungen und Mädchen über weibliche Genitalbeschneidung aufzuklären und mit ihnen gemeinsam neue, gesündere Rituale zu praktizieren, die ihrer Kultur Respekt zollen.

In Bangladesch entwickelte World Vision ein Weiterbildungsprogramm für Mädchen, das Fähigkeiten wie kritisches Denken, aktive Problemlösung und klare Kommunikation stärkt und den Mädchen als Rüstzeug für ihre Aufklärungsarbeit rund um das Thema Kinderheirat dient.

In Afghanistan bildete World Vision mehr als 4’000 Imame zum Thema Gleichberechtigung, Recht auf Bildung und Prävention von Gewalt gegen Frauen weiter und machte sie so zu einflussreichen Botschaftern gegen Kinderheirat in Schulen, Gemeinden, gegenüber der Polizei und dem Militär.

Im Südsudan fördert World Vision eine Mädchenfussballmannschaft, um das Selbstbewusstsein der Mädchen zu stärken und im Rahmen der Spiele und Turniere über Kinderheirat aufzuklären.

Werden Sie Patin oder Pate eines Mädchens, um ihr den Schulbesuch zu ermöglichen und ihr Zugang zu wertvollen Ressourcen für ein langes, gesundes und selbstbestimmtes Leben zu geben.

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article-45296 Tue, 09 Feb 2021 18:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 Warum Glaubensführer eine wichtige Rolle bei der Einführung eines COVID-19-Impfstoffes spielen https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/warum-glaubensfuehrer-eine-wichtige-rolle-bei-der-einfuehrung-eines-covid-19-impfstoffes-spielen/ Aufklärung, Zusammenarbeit und Vertrauen: Eine kürzlich von World Vision durchgeführte Studie unterstreicht die wichtige Rolle, die religiöser Führer und kommunale Gesundheitshelfer bei der Einführung eines COVID-19-Impfstoffs in ihren Gemeinden spielen. GEMEINSAM GEGEN COVID-19 
JETZT SPENDEN!

Text: World Vision Schweiz

Ein Jahr nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum ersten Mal den Ausbruch eines neuartigen Virus in China gemeldet hat, zeigt eine neue Studie von World Vision, wie wichtig die Unterstützung religiöser Führer für die erfolgreiche flächendeckende Einführung von COVID-19-Impfstoffen sein wird. Eine Zusammenarbeit mit diesen Schlüsselfiguren muss daher integraler Bestandteil aller Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie sein.

Die Hilfsorganisation führte Studien in ausgewählten ländlichen Gemeinden in Bangladesch durch und fand heraus, dass 100 Prozent der Befragten, die beabsichtigen, sich impfen zu lassen, darin eine gemeinschaftliche Pflicht sehen: «Die meisten meiner Gemeindevorsteher und religiösen Führer würden wollen, dass ich mich gegen COVID-19 impfen lasse.» Im Gegensatz dazu stimmten nur 38 Prozent derjenigen, die beabsichtigen, einen Impfstoff abzulehnen (Impfgegner), dieser Aussage zu. Impfbefürworter gaben ausserdem 7-mal häufiger als Impfgegner an, dass sie sich mit grosser Wahrscheinlichkeit impfen lassen würden, wenn ein Gesundheitshelfer es ihnen empfehlen würde.

Bangladesch: Ein Mann mit langem Bart und weisser Kleidung hustet in seine Armbeuge.
Imam Nur demonstriert in einem Geflüchteten-Camp in Bangladesch seiner Rohingya-Gemeinde Hygienemassnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Die Studie zeigte auch, dass Impfgegner fast 10-mal häufiger als Befürworter eine Infektion dem Schicksal überlassen würden: «Ob ich COVID-19 bekomme oder nicht, hängt ganz allein von Gottes Willen oder von Zufall ab.» Sie gaben auch fast 7-mal häufiger an, dass sie den COVID-19-Impfstoffen überhaupt nicht trauen und 11-mal häufiger, dass sie nicht wissen, ob eine Impfung sie schützen würde.

«Ein Impfstoff gegen COVID-19 verspricht Hoffnung und Erleichterung für die unzähligen notleidenden Kinder und ihre Familien, deren Leben durch die Folgen dieser schrecklichen Pandemie beeinträchtigt wurde», sagt Andrew Morley, Präsident und Geschäftsführer von World Vision International. «Wir haben immer wieder gesehen, dass Glaubensführer eine entscheidende Rolle bei der Einführung von Impfstoffen spielen. Sie arbeiten mit ihren Gemeinden zusammen, um sie in den Prozess einzubeziehen und sicherzustellen, dass die Impfstoffe gerecht verteilt und von allen akzeptiert werden.»

Eine weitere World Vision-Studie in Myanmar zeigte, dass die Faktoren für höhere Akzeptanz des COVID-19-Impfstoffs in den Gemeinden denen in Bangladesch recht ähnlich sind: Impfbefürworter gaben mit 3,7-facher Wahrscheinlichkeit an, dass sie sich mit grosser Wahrscheinlichkeit impfen lassen würden, wenn ein Gesundheitshelfer es ihnen empfehlen würde. Die Impfbefürworter glaubte auch eher, dass die Mehrheit ihrer Gemeinde und ihre religiösen Führer wollen, dass sie den Impfstoff bekommen: 100 Prozent der Befragten stimmten dem zu, aber nur 80 Prozent der Gegner.

Diese Ergebnisse lassen darauf schliessen, dass eine Unterstützung durch religiöse Führer und kommunale Gesundheitshelfer von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz eines Impfstoffes auf lokaler Ebene, für korrekte Aufklärung rund um den Virus und die Durchführung flächendeckender Impfung ist. World Vision arbeitet derzeit mit einem weltweiten Netzwerk von mehr als 184’000 Gesundheitshelfern zusammen und hat darüber hinaus bereits mit mehr als 128’000 religiösen Führern gemeinsam Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus in ihren Gemeinden umgesetzt.

Sudan: Ein Paar Hände hält eine Spritze und Injektionsmittel, eine Mutter mit Kind schaut dabei zu.
Eine Gesundheitshelferin im Sudan bereitet die Impfung einer jungen Mutter und ihres Kindes gegen Diphtherie, Tetanus und Polio vor.

«Ich habe letztes Jahr im Osten der Demokratischen Republik Kongo viele Glaubensführer getroffen, die sich für die Akzeptanz des Ebola-Impfstoffs in den Gemeinden einsetzen. Ihre Bemühungen haben zweifelsohne unzählige Leben gerettet», berichtet Morley.

Zu diesem Thema in Indien, Kenia und Tansania durchgeführten Studien werden zurzeit analysiert und sollen Ende des Monats veröffentlicht werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden den Schwerpunkt der Arbeit von World Vision bei der Unterstützung der Impfstoffeinführung bestimmen. Die Studienergebnisse werden ausserdem der WHO, der Impfallianz GAVI und UNICEF zur Verfügung gestellt.

«Wir haben umfangreiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Kindern, Gemeinden und Gemeindevorstehern aus aller Welt, um flächendeckende Impfungen zu begleiten», so Morley. «World Vision hat zum Beispiel nach dem Ausbruch von Ebola in Westafrika und der Demokratischen Republik Kongo dazu beigetragen, dass mehr als 130’000 Menschen in vier Ländern mit einer zweistufigen Impfung gegen Ebola immunisiert wurden. Ausserdem machen wir uns seit mehr als 20 Jahren für die Ausrottung von Polio stark.»

Zu dieser Arbeit gehören auch die sogenannten Barriereanalysen, die von Tom Davis von World Vision entwickelt wurden, um die Gründe für die Ablehnung von Gesundheitsmassnahmen zu ermitteln.

«Der Impfstoff ist ein Triumph der Wissenschaft, aber bevor er nicht auch die bedürftigsten Menschen aller Länder erreicht hat, hat niemand gewonnen», so Morley. «Wir fordern die Weltgemeinschaft zu einer fairen Verteilung des Impfstoffs auf. Der Schutz vor diesem Virus sollte nicht an wirtschaftliche Macht gekoppelt sein, sondern fair und gerecht umgesetzt werden. Die COVID-19-Impfstoffe sind Lebensretter für gefährdete Kinder auf der ganzen Welt und geben ihnen die Möglichkeit zurück, ihr gottgegebenes Potenzial zu erreichen. Aber das geht nur, wenn diese Massnahmen auch die bedürftigsten Gemeinschaften erreichen.»

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article-45295 Thu, 28 Jan 2021 17:34:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 Krankenhaus-Kollaps in Brasilien: World Vision liefert Sauerstoffflaschen https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/krankenhaus-kollaps-in-brasilien-world-vision-liefert-sauerstoffflaschen/ Brasilien ist das Land Südamerikas mit den meisten Corona-Infektionen und -Toten. Jetzt steht das Gesundheitssystem vor dem Kollaps, denn es fehlt an allen Ecken: beim Personal, beim Platz und bei den Sauerstoffflaschen. World Vision schafft unter anderem bei Letzterem Abhilfe. Text: World Vision

Das Gesundheitssystem Brasiliens befindet sich in einer schweren Krise, nachdem in den letzten Wochen so viele Kranke wie nie zuvor eingewiesen werden mussten. Aktuell sind fast neun Millionen Corona-Infizierte und mehr als 200'000 Verstorbene erfasst. Im Dezember vergangenen Jahres war in Brasilien eine neue Mutation des Virus entdeckt worden. Sie konnte inzwischen in 42% der Krankheitsfälle nachgewiesen werden.  Am 14. Januar stieg die Zahl der Todesfälle auf 1’841 Menschen in 24 Stunden - ein trauriger Rekord. Zusätzlich hat das Land immer noch mit vielen Tuberkulose-Erkrankungen zu kämpfen, die das Gesundheitssystem zusätzlich belasten.

Gemeinsam gegen COVID-19 – Jetzt spenden!

Kollaps des Gesundheitssystems

Besonders schwer von COVID-19 betroffen ist das Amazonasgebiet. Die Gesundheitsbehörden verzeichnen einen steilen Anstieg der Erkrankungen und haben den Kollaps des Systems erklärt.

Nach der Ankunft in Manaus, der Hauptstadt von Amazonas, lieferte World Vision gemeinsam mit Partnern 1000 Sauerstoffflaschen zusammen mit Hygiene- und Reinigungsmaterialien an Krankenhäuser und Gesundheitsstationen in zehn Gemeinden, einschliesslich der Hauptstadt, aus.

Brasilien: World Vision unterstützt brasilianische Krankenhäuser mit 1000 Sauerstoffflaschen. Krankenhäuser im Amazonasgebiet sind stark überlastet und benötigen dringend Unterstützung

World Vision Brasilien leistet seit März 2020 Corona-Hilfen und arbeitet dazu mit lokalen Partnern zusammen, um insbesondere die Bedürftigsten und Kinder mit Aufklärungs-und Hilfsmassnahmen zu erreichen. World Vision setzt unter anderem ein Krankenhausschiff ein, mit dem verstreut lebende, besonders schutzbedürftige Menschen und Kinder entlang der Amazonas-Flüsse mit Informationen und medizinischen Notfallbehandlungen versorgt werden können.

«Seit 10 Monaten sehen wir, wie die Auswirkungen von COVID-19 immer mehr gefährdete Familien und Kinder treffen. Das Virus breitet sich trotz aller Anstrengungen immer weiter aus, aber das Mitleid schwindet. Kinder sind traumatisiert, weil sie isoliert sind und enge Bezugspersonen verloren haben», erklärt die Direktorin von World Vision Brasilien, Martha Yaneth Rodriguez. «Der Bundesstaat Amazonas befindet sich zum zweiten Mal in einer Extremsituation. Die Gesundheits- und Bestattungssysteme brechen erneut zusammen. Die Teams von World Vision arbeiten unermüdlich im gesamten Staatsgebiet und schenken dem Amazonas gerade jetzt besondere Aufmerksamkeit.»

Schnelle und effiziente Hilfe

World Vision wurde vor 70 Jahren gegründet, um auf humanitäre Notsituationen zu reagieren. Die Mitarbeitenden vor Ort sind hervorragend vernetzt, arbeiten mit Gesundheitshelfern und Glaubensvertretern aller Religionen zusammen und sind Experten darin, in Zeiten grosser Krisen schnell und effizient zu reagieren. «Unsere Teams im Amazonasgebiet sind entschlossen, ihre Arbeit fortzusetzen, und wir müssen Mittel garantieren, damit diese Arbeit nicht unterbrochen wird», ergänzt Rodriguez.

Mit der bisher grössten, weltweiten Hilfsaktion im Kampf gegen das Virus und zur Bewältigung der existenzbedrohenden Folgen der Schutzmassnahmen, konnte World Vision bereits über 58 Millionen Menschen in 70 Ländern helfen.

 

 

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article-45294 Wed, 27 Jan 2021 20:59:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 Die neue VISION in ihrem Briefkasten https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/die-neue-vision-in-ihrem-briefkasten/ Die neuste Ausgabe unseres Magazins VISION kommt in diesen Tagen druckfrisch bei Ihnen an. Darin sind spannende Geschichten rund um unsere Arbeit. Mit einer App bringen Sie auch in dieser Ausgabe die Bilder zum Leben. Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz

In der aktuellsten Ausgabe unserer VISION erfahren Sie, wie World Vision weltweit auf die Pandemie reagiert, was das Klima mit Flüchtenden zu tun hat, wie sich Kinder im Lockdown gegenseitig stärken und vieles mehr.

Falls Sie die Ausgabe nicht per Post zugeschickt bekommen haben, finden Sie sie auch unter folgendem Link:

Zur Vision

Nicht verpassen: Mit der gratis App von Xtend werden die Fotos lebendig. Und so geht’s:

Schweiz: So funktioniert die App von Xtend, um Fotos in einem Magazin lebendig werden zu lassen.

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article-45292 Wed, 20 Jan 2021 00:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 Das war unser 2020: Corona, Nothilfe und ein grosses Dankeschön https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/das-war-unser-2020-corona-nothilfe-und-ein-grosses-dankeschoen/ Ein Thema überschattete das Jahr 2020. Auch unseren Alltag bestimmte die COVID-19-Pandemie. Und damit meinen wir nicht den Wechsel vom Büro ins Home Office, sondern die grösste Nothilfe-Aktion, die World Vision je startete. GEMEINSAM GEGEN COVID-19
JETZT SPENDEN!

Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz

In enger Zusammenarbeit mit UN-Organisationen und anderen NGOs unterstützen wir seit Ausbruch der COVID-Pandemie Kinder, ihre Familien und die Gesundheitssysteme in 70 Ländern. 

 

Möglich war das alles nur mit Ihrer Unterstützung! Mit diesem Video möchten wir uns dafür bei Ihnen bedanken.

 

2020 konnten wir dank Ihrer Unterstützung…

  • … 58 Millionen Menschen mit der Hilfsaktion erreichen, darunter 26 Millionen Kinder.
  • … Menschen in 70 Ländern mit einer historisch einzigartigen, global orchestrierten Nothilfe-Aktion unterstützen.
  • … 300 000 Freiwillige einsetzen, die sich um ihre Mitmenschen kümmern.

 

Was ist mit der Projektarbeit?

Die grassierende Pandemie hat auch die Arbeit in unseren Projektgebieten beeinflusst. In vielen Büros in Afrika, Asien, Osteuropa und Lateinamerika musste aufgrund von Lockdowns und Massnahmen unter erschwerten Bedingungen gearbeitet werden. Unter folgendem Link finden Sie genauere Informationen dazu, wie es aktuell im Land Ihres Patenkindes aussieht:

 

Die Situation in den Projektländern.

 

 

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article-45293 Wed, 20 Jan 2021 00:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 C'était notre année 2020 : Coronavirus, aide d'urgence et un grand merci https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/cetait-notre-annee-2020-coronavirus-aide-durgence-et-un-grand-merci/ L'année 2020 a été assombrie par la pandémie du COVID-19, qui a également affecté notre vie quotidienne. Et nous ne parlons pas du passage du bureau au domicile, mais de la plus grande campagne d'aide d'urgence jamais lancée par World Vision. Texte: Tamara Fritzsche, World Vision Suisse

 

En étroite collaboration avec les agences des Nations unies et d'autres ONG, nous soutenons les enfants, leurs familles et les systèmes de santé dans 70 pays depuis le début de la pandémie du COVID-19.

Tout cela n'a été possible qu'avec votre soutien ! Avec cette vidéo, nous souhaitons vous en remercier.

 

En 2020, grâce à votre soutien nous avons pu...

  • ... atteindre 58 millions de personnes avec l'action de secours, dont 26 millions d'enfants.
  • ... soutenir les populations de 70 pays grâce à une intervention d'urgence historiquement unique et orchestrée au niveau mondial.
  •  ... déployer 300 000 volontaires pour prendre soin de leurs semblables.

 

Qu'en est-il du travail de projet ?

La pandémie rampante a également affecté le travail dans nos zones de projet. Dans de nombreux bureaux en Afrique, en Asie, en Europe de l'Est et en Amérique latine, le travail a dû être effectué dans des conditions difficiles en raison des fermetures et des mesures prises. Sous le lien suivant, vous trouverez des informations plus détaillées sur la situation actuelle dans le pays de votre enfant parrainé :

 

La situation dans les pays de projets (en allemand).

 

 

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article-45291 Mon, 18 Jan 2021 17:50:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 Patenschaft neu gedacht: jetzt wählen die Kinder https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/patenschaft-neu-gedacht-jetzt-waehlen-die-kinder/ Was wäre, wenn ein Patenkind die Wahl hat, wer seine Patin oder sein Pate werden soll? Genau das ist jetzt möglich: Zum ersten Mal wählen die Kinder ihre Paten selbst aus und nehmen damit ihre Zukunft selbst in die Hand. Text: World Vision Schweiz

Im Sommer 2019 lud World Vision eine Gruppe Kinder aus einem von Armut und Gewalt gezeichneten Dorf in Guatemala zu einer Patenschafts-Veranstaltung ein. Die Kinder kamen überpünktlich, vielen von ihnen in ihren besten Kleidern, nervös und voller Hoffnung. Doch es kam ganz anders: Zu Beginn der Veranstaltung erklärte man den Kindern, dass heute sie die Entscheidungen treffen dürfen. 

Statt ausgewählt zu werden, durften sich die Kinder ihre Wunschpaten aus einer Reihe von freundlichen Portraitfotos der Kandidatinnen und Kandidaten selbst aussuchen - am ersten Chosen-Event überhaupt. «Den Kindern stiegen Tränen in die Augen. Wo vorher Aufregung dominierte, machte sich nun ein stolzes Grinsen breit. Die Kinder erlebten eine völlig neue Situation: Die Entscheidung lag jetzt bei ihnen», erzählt ein Mitarbeiter von World Vision.

Nicht verpassen: Bis zum 30. Januar 2021 können Sie sich für den nächsten Chosen-Event in Muktagacha, Bangladesh, registrieren. Jetzt auswählen lassen! 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Kinderpatenschaft dreht World Vision die Perspektive um und bietet mit «Chosen» (ausgewählt, erwählt)  seit Herbst 2019 ein innovatives Modell an, bei dem nicht die Paten die Kinder, sondern die Kinder ihre Patinnen und Paten auswählen können. Seitdem wurden bereits mehr als 1’000 Patinnen und Paten aus aller Welt von den Kindern auserwählt. Dieser bestechend einfache Ansatz stellt die Würde und den Wert der Kinder bereits zum Beginn der Patenschaften in den Mittelpunkt. World Vision ist davon überzeugt, dass jedes Kind auch in extremer Armut die Kraft hat, sein eigenes Schicksal und sein Umfeld zum Besseren zu verändern und das Leben seiner Patin oder seines Paten zu bereichern.


Bangladesch: Ein Mädchen hält stolz das Bild ihrer Patin in der Hand.
Habiba hat gewählt: In ihren Händen hält sie das Bild ihrer Patin, für die sie sich entschieden hat.

Gesundheitsprävention ist immer ein wichtiger Teil unserer Patenschaftsprogramme. Wir unterstützen unsere lokalen Partner bei der Kommunikation mit den teilnehmenden Kindern und Familien, dem Aufstellen von Handwasch-Stationen und der Bereitstellung von Seifen, Desinfektionsmitteln und Masken, wenn nötig. Zusammen mit den Menschen vor Ort entwickeln wir unsere Schutzmassnahmen für die Kinder ständig weiter, so dass sie in sicherer und hygienischer Umgebung ihre Paten aussuchen können. 

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article-45289 Fri, 15 Jan 2021 23:15:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 «Molave hat alles mitgenommen, was wir besassen.» https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/molave-hat-alles-mitgenommen-was-wir-besassen/ Als der Taifun Molave – der neunte Sturm in Folge – am Morgen des 28. Oktober mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 165 km/h über Zentralvietnam hinwegzog, hinterliess er eine Spur der Verwüstung. Text: World Vision

Die junge Mutter Ban rennt um ihr Leben. Es bleibt ihr gerade noch genug Zeit, ihre beiden Kinder zu holen. Ihre Besitztümer lässt sie alle zurück. Im bergigen Distrikt Nam Trà My in der Provinz Quảng Nam, wo Ban lebt, geraten ganze Hänge ins Rutschen.  Doch Ban hat Glück. Sie und ihre zwei Kinder überleben einen grossen Erdrutsch. Ihr Haus jedoch ist unter Schlamm begraben worden. Die junge Familie hat alles verloren, was sie besessen hat. «Unser Haus, unser Land und alles andere ist zerstört worden», erzählt Ban besorgt. «Wir haben nichts mehr und wir wissen nicht, was die Zukunft für uns bereithält.»

Notunterkünfte, die kaum den Stürmen standhalten
Die Rettungsteams des Distrikts Nam Trà My helfen den Vertriebenen, die den Sturm überlebt haben.  Schnell sind Notunterkünfte aus Metallblechen und gedämpften Holzbrettern gebaut. Familien, die wie Ban ihre Häuser verloren haben, ziehen ein. Die Unterkünfte bieten etwas Schutz und stehen auf sicherem Boden, sie sind aber nur als Übergangslösungen gedacht. In den regnerischen Nächten wird es sehr kalt.

Leider war Molave nur einer von mehreren weiteren Taifunen und tropischen Depressionen, die seit Ende Oktober Bans Heimatstadt heimsuchten. Die Unterstände, in die die Menschen notfallmässig gezogen waren, waren kaum stark genug, den Unwettern standzuhalten. Der durchnässte Boden konnte nie austrockenen und jedes Mal, wenn neuer Regen fiel, geriet die Erde im gesamten Nam Trà District wieder ins Rutschen. Viele der Gemeinden, die auf externe Unterstützung und Versorgung angewiesen waren, blieben unzugänglich. Die Not in den betroffenen Gemeinden verschärfte sich. 

Die Not ist überwältigend
«Wir haben es nicht gewagt, nachts die Augen zu schliessen, um einzuschlafen», erzählt Ban. «Es hat nicht aufgehört zu regnen. Wir mussten immer bereit sein zu rennen, wenn der Boden wieder 
abrutscht.» Die junge Mutter leidet noch immer unter der Angst, die sie seit dem Tag der Landung von Molave hat. 
 
Vietnam: Eine Mutter kümmert sich in einer Notunterkunft um ihre beiden Töchter.Ban und ihre beiden Töchter haben ein schmales provisorisches Haus erhalten. Toiletten und weitere sanitäre Einrichtungen gibt es in der nahen Umgebung. 

Die Lebensbedingungen in den Notunterkünften sind schwierig, es mangelt an Nahrung und sauberem Wasser. Viele der von der Naturkatastrophe betroffenen Familien warten darauf, umgesiedelt zu werden – an einen sicheren Ort auf festem Boden. Dort möchten sie ihr Leben neu aufbauen. Doch sie müssen noch weitere Monate im Provisorium bleiben. Die lokalen Behörden stellen ihnen Reis, Nudeln und Wasser zur Verfügung. Der World Vision-Programmleiter im Nam Trà My District erzählt: «Die Not ist überwältigend. Wir geben unser Bestes, um die Bemühungen der lokalen Regierung zu unterstützen und zu ergänzen. Wir helfen den Familien so gut es geht, ein menschenwürdiges Leben zu führen.» Vor kurzem sind Hilfsgüter von World Vision eingetroffen: Schweinefleisch, Speiseöl, Fischsauce, einfaches Koch- und Essgeschirr sowie warme Decken. Diese Waren erhalten die 15 Familien in Bans temporärem Siedlungsgebiet. Doch dies ist nur ein Tropfen auf einen heissen Stein: «Allein im Nam Trà My District sind 2167 Familien von den extremen Wetterereignissen der Vergangenheit schwer betroffen. Wir arbeiten rund um die Uhr, um alle so schnell wie möglich zu erreichen», erzählt der Programmleiter. 

Hilfe zur Selbsthilfe
World Vision braucht dringend weitere finanzielle Mittel. Damit sollen 18’764 Familien in zehn stark von den Unwettern betroffenen Distrikten Zentralvietnams unterstützt werden. Bis Mai 2021 sollen diese Familien Zugang zu Hilfsgütern wie beispielsweise Saatgut und Vieh erhalten. Dies wird es ihnen ermöglichen, ihr tägliches Leben wieder selbst zu bewältigen und ihren Lebensunterhalt auf dem Niveau von vor den Unwettern eigenständig zu erwirtschaften. 
 
Helfen Sie mit, das Leid der Bevölkerung zu verringern! So können Sie einen Beitrag leisten: 

Jetzt Helfen

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article-45290 Wed, 13 Jan 2021 10:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 2020: Die 5 (fast) vergessenen Krisen neben Corona https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/2020-die-5-fast-vergessenen-krisen-neben-corona/ Viele sind froh, dass 2020 vorbei ist. Das Jahr war überschattet von einer einzigen Krise: der Coronavirus-Pandemie. Dabei gab es auch andere Krisen, die die Welt 2020 herausgefordert haben. Ein Blick auf fünf der grössten. ICH MÖCHTE HELFEN!

Text: World Vision Schweiz

Die Coronavirus-Pandemie hat im letzten Jahr ganze Nationen lahmgelegt. Doch die Natur beeindruckt das nicht: Starkregen, Erdbeben und Stürme haben auch 2020 viele Länder verwüstet, Dürren und Heuschrecken Existenzen zerstört. Auch Kriege und Konflikte haben nicht einfach aufgehört und Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Wir zeigen fünf Krisen, die zahlreiche Menschen getroffen und World Vision im letzten Jahr neben der Corona-Pandemie beschäftigt haben.

Heuschrecken in Ostafrika

Sie sind nur wenige Zentimeter gross, aber sie vernichten ganze Felder: Heuschrecken. Im Frühjahr fielen riesige Schwärme über Ostafrika her. Sie frassen Ernten, zerstörten Bäume und Weiden. Es war die schlimmste Heuschreckenplage seit 70 Jahren. Sie folgte auf einen wochenlangen, sintflutartigen Regen, der bereits extremen Schaden angerichtet hatte. In Kenia mussten 150‘000 Menschen ihre Dörfer verlassen. In Ruanda starben 65 Menschen nach Erdrutschen. Der Victoriasee verzeichnete einen neuen Höchststand nach über 60 Jahren. Die hohe Feuchtigkeit begünstigte die Vermehrung der Heuschrecken: Erste Schwärme gefährdeten bereits im Februar die Nahrungsversorgung von hunderttausenden Menschen, jetzt, nach dem Regen, vervielfachte sich ihre Gewalt. 7 Millionen Menschen waren alleine im Südsudan von Hunger bedroht. Hilfsgüter kamen durch die Strassenschäden und Corona-Restriktionen nur schwer voran. In mehreren Ländern unterstützt World Vision die Bekämpfung der Schwärme mit lokaler Logistik, Lkws und Material und unterstützt Farmer mit Saatgut und Geld, damit sie langfristig der Plage trotzen: indem sie sich wieder eine Existenz aufbauen.

Tausende Heuschrecken in Kenia auf einem Feld mit Bauern.Eine Plage von biblischem Ausmass: In Kenia vertreiben Farmer riesige Heuschreckenschwärme, die binnen Sekunden ihre Ernten vernichten.

Explosion in Beirut


Ein Mädchen steht vor einem zerstörten Haus im Libanon.Die Explosion im Hafen von Beirut hat viele Menschen obdachlos gemacht, auch die zwölfjährige Ghofran und ihre Familie.

Mehr als 170 Menschen starben Anfang August durch die Mega-Explosion im Hafen von Beirut. Über 300‘000 wurden obdachlos. «Schlimmer als Krieg» sei es gewesen, sagt Sirine, ein Patenkind, das gerade mit ihren Eltern auf der Strasse war, als die Gebäude zerbarsten. Bereits vor der Explosion steckte der Libanon in einer Wirtschaftskrise. Kein anderes Land hat so viele Flüchtlinge pro Kopf aufgenommen, rund 1,5 Millionen Syrer. Bei einer Umfrage des World Food Programmes gaben 50 Prozent der Menschen im Libanon an, nicht genug zu essen zu haben. Die ohnehin schlimme Situation verschlechterte sich mit der Explosion. Um langfristig wieder auf eigenen Beinen zu stehen, appellierte World Vision an alle Geberländer und die Öffentlichkeit, das Land zu unterstützen. Über ein Nothilfeprogramm sicherte World Vision umgehend Nahrung und Unterkunft für gefährdete Familien und bot Kindern psychologische Betreuung an, die so plötzlich und unvermittelt vor dem Nichts standen.

Flut in Vietnam

Menschen vor zerstörten Häusern in Vietnam.Was nach dem Taifun bleibt: Starkregen und Sturm haben Gemeinden und Existenzen in Vietnam zerstört.


Die Statistik zeigt: Unwetter nehmen in Folge des Klimawandels zu. Asien ist davon besonders betroffen. Im Herbst haben starke Regenfälle und Stürme viele Länder auf dem Kontinent verwüstet. Vietnam wurde in kurzer Zeit gleich zweimal getroffen: Als Ende Oktober viele Familien noch mit den Folgen der Flut kämpften, fegte ein neuer Taifun über das Land: «Molave». Starkregen, Flutwellen und Erdrutschen zerstörten Dörfer und Existenzen. Auch die von Đun und seiner sechsköpfigen Familie. Schon vor dem Sturm galten sie als arm, die Ernte reichte kaum, um sich zu versorgen und zum Leben blieben ihnen weniger als ein US-Dollar pro Tag. Nach Molave hatten sie gar nichts mehr: Der Taifun verwandelte den kleinen Fluss neben ihrem Grundstück in einen Strom, der Haus, Grundstück und Ernte mit sich riss. «Wir mussten im Haus unserer Nachbarn wohnen, das Essen reichte nicht», sagt er. Die Nothilfe von World Vision konnte Đun sowie 100 Familien im Bezirk unterstützen, mit Reis, Öl und Kleidung, Schulunterlagen für die Kinder sowie Baumaterialien, um sich wieder eine neue Grundlage aufzubauen.

Hurrikan in Honduras

Ein Junge sitzt mit einem Hund auf einem Gerüst in Honduras.Auch José Miguel und seine Familie haben in Honduras durch «Eta» alles verloren, einer ihrer zwei Hunde starb im Haus.


Auch in Mittelamerika häufen sich die wetter- und klimabedingten Naturkatastrophen. Im November traf es die Region doppelt: Erst fegte Hurrikan «Eta» über Nicaragua, Honduras, Guatemala, Panama und Costa Rica, entwurzelte Bäume, riss Häuser nieder und machte Millionen Menschen obdachlos. Mehr als 150 starben. Dann, nur zehn Tage später, kam Hurrikan «Iota» und verschlimmerte die Situation. Die starken Regenfälle und Fluten schwemmten ohnehin schon durchnässte Böden einfach weg. Hunderttausende Menschen wurden verletzt oder verloren ihr Zuhause, Gemeinden waren plötzlich von der Versorgung abgeschnitten. Besonders hart hat es Nicaragua und Honduras getroffen: Rund 1,5 Millionen Menschen brauchten dringend Hilfe. Viele Kinder waren ohne Unterkunft, überall fehlte es an sauberem Wasser, Schutz und Essen – und das mitten in der Corona-Pandemie. Neben Lebensmitteln, Matten und Decken unterstützte World Vision mit Schutzzonen für Kinder – quasi ein Stück Normalität mitten in der Krise.

Brand in Moria

Kinder vor Zelten auf der Insel Lesbos im Flüchtlingslager Moria.Das Flüchtlingslager Moria im August 2020, bevor es kurze Zeit später vollkommen niederbrannte und 12'000 Menschen obdachlos wurden.


Unbeeindruckt von COVID-19 haben auch im Jahr 2020 Konflikte und Kriege Menschen in Notsituationen gebracht und zur Flucht getrieben. In Berg-Karabach gerieten zahlreiche Zivilisten und Kinder zwischen die Schusslinie, in Syrien töteten erneut wahllose Angriffe die Bevölkerung. Nach insgesamt bald zehn Jahren Krieg gibt es laut UN heute 6,6 Millionen Flüchtlinge und ebenso viele Binnenvertriebene aus und in Syrien. Ihre miserable Lage wurde durch eine Krise besonders deutlich in 2020: den Brand im griechischen Lager «Moria». 12‘000 Flüchtlinge wurden nach katastrophalen Zuständen obdachlos, ein Drittel davon minderjährig – eine humanitäre Katastrophe vor unserer Haustür. World Vision appelliert gemeinsam mit anderen Kinderhilfswerken an die Schweizer Regierung, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Kindern von Moria den Schutz und die Betreuung zukommen zu lassen, die ihnen gemäss UN-Kinderrechtskonvention zustehen.

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article-45288 Thu, 31 Dec 2020 11:00:00 +0100 47.4026392 8.616362200000026 12 Dinge, für die Kinder auf der ganzen Welt dankbar sind https://www.worldvision.ch/de/aktuelles/newsroom/news/12-dinge-fuer-die-kinder-auf-der-ganzen-welt-dankbar-sind/ Das Jahr 2020 war alles andere als leicht und hat uns alle vor eine ganze Reihe von Herausforderungen gestellt. Aber trotz der Pandemie gab es kleine und grosse Dinge, für die wir dankbar sind, egal wo wir leben und egal wie alt wir sind. Text: World Vision Schweiz

Unsere ganz besondere Aufmerksamkeit gilt natürlich dem Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen in unseren Projektländern. Darum haben wir sie gefragt, wofür sie dankbar sind und haben sehr verschiedene und bewegende Antworten bekommen. Eine Sache haben all diese Antworten gemeinsam: Sie zeigen uns, wie wichtig ein stabiles und sicheres Umfeld für junge Menschen ist. 

6 Dinge, für die Kinder auf der ganzen Welt dankbar sind

Und wir von World Vision Schweiz? Wir sind ganz besonders dankbar für Ihre Unterstützung! Danke, dass Sie Pate oder Patin für ein Kind geworden sind und danke für Ihre Spenden. Sie helfen damit Kindern und ihren Familien dort, wo es am dringendsten benötigt wird und Sie geben unserem Team und den vielen Helfern vor Ort die Kraft, um weiterzumachen.

Wir wünschen Ihnen allen ein frohes Fest und ein gesegnetes neues Jahr!

6 Dinge, für die Kinder auf der ganzen Welt dankbar sind

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