«Youth RESOLVE»: Bildung und Frieden trotz Flüchtlingskrise

27. März 2020

FÜR DEN FRIEDEN: IM PROGRAMM LERNEN FLÜCHTLINGSKINDER SEITE AN SEITE MIT KINDERN AUS DEN GASTLÄNDERN.

Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz

Seit neun Jahren herrscht Krieg in Syrien. Was 2011 mit friedlichen Demonstrationen in den Strassen Daraas begann, verwandelte sich in einen blutigen Bürgerkrieg und in eine der schlimmsten Tragödien unserer Zeit. Der andauernde Konflikt in Syrien hat die Nation zerrissen und den Lebensstandard um Jahrzehnte zurückgeworfen hat. Die syrische Flüchtlingskrise ist die grösste Flüchtlings- und Vertreibungskrise unserer Zeit, von der etwa 17,6 Millionen Menschen betroffen sind. 5,6 Millionen Syrer flohen aus ihrer Heimat. Ein Grossteil lebt in den umliegenden Ländern Jordanien, Türkei, Libanon und Irak. Für die Flüchtlinge und die Menschen der Gastländer ist die Situation alles andere als einfach. «Der Gewalt in Syrien sind viele junge Menschen zwar entkommen, doch in ihrem neuen Land treffen sie auf viele soziale Konflikte und Probleme. Schulabbrüche und Jugendarbeitslosigkeit sind weit verbreitet. Ein Zustrom von Millionen Flüchtlingen hat nicht nur die Infrastruktur stark beansprucht, sondern auch viele Teile der Gesellschaft, in denen die Spannungen nun überkochen», erklärt Alexis Adam de Matharel, Projektkoordinator des «Youth RESOLVE»-Konsortiums. Das jetzt abgeschlossene Programm «Youth RESOLVE» förderte das friedliche, interkulturelle Zusammenleben und bot den Jugendlichen und Kindern Schutz und mit vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten eine Perspektive für die Zukunft. 

Für die Bildung und den Frieden
Gemeinsam mit starken, internationalen und lokalen Partnern hat World Vision vor zweieinhalb Jahren das Projekt «Youth RESOLVE» ins Leben gerufen. Ziel des Projekts war es, für geflohene und vertriebene Kinder (8-14 Jahre) und Jugendliche (15-25 Jahre) Möglichkeiten für eine selbstbestimmte Zukunft ohne Gewalt zu schaffen und einer Radikalisierung entgegenzuwirken. Mittels Berufsbildungs-, Bildungs- und Sozialprojekten unterstützen wir über 80'000 junge Menschen direkt und weitere 100‘000 indirekt. Dabei wurden nicht nur direkt betroffene Flüchtlinge, sondern auch gleichaltrige Kinder und Jugendliche aus den Gastländern Libanon, Jordanien und Irak integriert. 1913 Kinder, die nicht zur Schule gehen können, erhielten informelle Bildung in Gemeindezentren. Diese Aktivität wurde von unserem Partner Questscope in Jordanien durchgeführt. Zusätzlich wurden 2643 Kinder durch Förderunterricht unterstützt. Diese Kinder gehen zur Schule, haben da aber grosse Mühe und laufen Gefahr, die Schule abzubrechen. Die Förderunterricht-Komponente wurde von World Vision Jordanien in 15 Schulen durchgeführt. Die Kinder erhielten Spezialunterricht in Englisch, Arabisch oder Mathematik. Steffen Schwarz, Leiter der Syrienhilfe in Jordanien, betont: «Die Zukunft junger Menschen hängt von der Bildung ab, die sie erhalten. Schulen in Syrien wurden während des Krieges physisch zerstört, aber wir können nicht zulassen, dass der Traum der Schüler von einer Bildung zerstört wird.» Im Zuge des Programms wurden auch die Sanitäranlagen von 15 Schuleinrichtungen oder Gemeindezentren in Jordanien rehabilitiert und wieder in Betrieb genommen.

Um den Frieden in den Gastländern zusätzlich zu fördern und junge Menschen zu befähigen, als Friedensbotschafter in ihren eigenen Gemeinden zu agieren, bildete das «Youth RESOLVE»-Projekt seit Dezember 2017 Jugendleiter aus, die Projekte zur Friedensbildung und lokalen Entwicklung leiten.

Einblicke in die Berufswelt
Das Programm ermöglichte den Jugendliche Einblicke in verschiedenste Berufe, ganz den unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten der Jugendlichen entsprechend. Die Jugendlichen hatten unter anderem die Möglichkeit ein Mediatraining in einer Radiostation zu absolvieren, einige Jugendliche lernten, wie man Mobiltelefone repariert, wie man einen Beautysalon betreibt oder was die Arbeit in der Pflege in einem Spital beinhaltet. Ganze 82 Firmen stellen sich zur Verfügung, um den Jugendlichen Einblicke zu gewähren und sie auszubilden. Die Kombination aus einer längeren Berufsausbildung und kürzeren Praktika hat sich dabei als besonders erfolgreicher Weg aus der Isolation und Abhängigkeit erwiesen. In sogenannten Soft Skills-Kursen lernten die Jugendlichen ausserdem, wie sie einen Lebenslauf und eine Bewerbung verfassen und wie sie sich bei einem Bewerbungsgespräch richtig verhalten. 

Neue Perspektiven: zwei Leben, zwei Geschichten

Aryana, aus dem Krieg hinter die Kamera
Aryana, 20, und ihre Familie flohen vor dem Konflikt in Aleppo, Syrien. Das Leben der Familie war hart. Aryana war arbeitslos. Im «Youth RESOLVE»-Projekt schöpfte sie neu Hoffnung. Im Rahmen des Programms wurde ihr beigebracht, wie man eine Kamera benutzt und Porträtfotos macht. Dank dieser Fertigkeiten arbeitet sie jetzt in einem Kameraladen. Aryana weiss nicht, wann sie jemals die Gelegenheit haben wird, nach Syrien zurückzukehren. Aber hier fühlt sie sich sicher. «Die Menschen sollten einander lieben und miteinander leben können. Wir sind alles Menschen», findet sie. Aryana träumt davon, eine berühmte Fotografin zu werden, die Naturfotos für den National Geographic macht.

Irak: Eine Collage aus zwei Bildern: Auf der einen Seite ist das Portrait einer jungen Frau mit lockigem Haar. Auf dem zweiten Bild fotografiert die junge Frau einen Mann.ARYANAS LEIDENSCHAFT IST DIE FOTOGRAFIE. IN IHREM BERUF KANN SIE IHR JETZT NACHGEHEN.

Hadi, aus dem Konflikt unter die Motorhaube
Als der IS 2014 nach Sinjar, Irak, kam, wo der 21-jährige Hadi mit seiner Familie lebte, wurde sein Haus zerstört und viele der Männer in seinem Dorf getötet. Hadi floh zusammen mit Tausenden aus seiner Heimat. Das Leben von Hadi, seinem Bruder und seinen sieben Schwestern ist seit der Flucht nicht einfacher geworden. Doch Hadi wollte das ändern. Im Jugendförderprogramm besuchte er den Englischunterricht und lernte, mit Computer umzugehen. Dank seiner Ausbildung bekam er Arbeit in einer Mechanikerwerkstatt. Das ist ein grosses Glück für die ganze Familie. Sie können sich dank Hadis Lohn Essen, Kleidung und Medikamente kaufen. 

Irak: Eine Collage aus zwei Bildern: Auf der einen Seite repariert der Mann mit einem Kollegen ein Auto. Auf der anderen Seite ist das Portrait eines jungen Mannes in einer Werkstatt. DANK DER AUSBILDUNG IM «YOUTH RESOLVE»-PROJEKT, ARBEITET HADI HEUTE IN EINER MECHANIKERWERKSTATT.

Diesen Beitrag teilen:


0 Kommentare Anzeigen und kommentieren

Kommentar schreiben

Ihr E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Ein Mitarbeiter von World Vision hält Identitätskarten für eine Verteilaktion von Hilfsgütern in den Händen.

14. Mai 2020

CO­VID-19: Hilfs­gü­ter per Scan

Lange Wartezeiten, Ungerechtigkeit und Betrug sind Probleme, die bei Verteilaktionen von Hilfsgütern in Krisengebieten tagtäglich auftauchen. Eine neue Technologie schafft Abhilfe und macht das Unmögliche möglich: eine gerechte Verteilung von Nahrungsmitteln, Hygienekits und Co.


Ein Mädchen blickt nachdenklich in die Kamera.

2. April 2020

CO­VID-19: er­höh­tes Ri­si­ko der Ge­walt ge­gen Kin­der

Krisen wie COVID-19 verschärfen sowohl bestehende Gefahren, schaffen aber auch neue. Nirgendwo trifft dies mehr zu als in den fragilsten Ländern der Welt. Die Pandemie hat weitreichende Folgen, wie z.B. das erhöhte Risiko von Gewalt gegen Kinder.


30. Januar 2020

Kin­der in Not sind #NICH­TE­GAL

Uns ist es nicht egal, dass Mädchen mit 12 Jahren zur Heirat gezwungen werden. Uns ist es nicht egal, dass Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Und uns ist es nicht egal, dass da, wo früher Wald war, heute öde Wüste ist und den Bauern und ihren Familien nichts mehr zum Leben bleibt. Was ist dir #NICHTEGAL?


Cox’ Bazar, Bangladesch: Ein Gruppe Bauarbeiter in orangenen Gillets schaufeln Sand in Säcke.

20. Juli 2019

BAN­G­LA­DESCH: GE­MEIN­SAM GE­GEN DIE FLUT

Jährlich wiederkehrende Monsunregen drohen die notdürftigen Behausungen, Strassen und Hänge im Rohingya-Flüchtlingscamp in Cox’ Bazar zu zerstören. Seit sechs Monaten bereitet sich World Vision gemeinsam mit der Bevölkerung auf die drohende Flut vor.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
World Vision Schweiz
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

Kinderschutz

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  Bank: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen