World Vision verteilt Hilfsgüter auf der Balkanroute

9. September 2015

4-Jähriger syrischer Knabe in Belgrad

Der 4-Jährige Yusef ist nach 15 Stunden marschieren in Belgrad gestrandet. Auf der Parkbank wird er die Nacht verbringen.

Seit Tagen harren die Flüchtlinge in den Gebieten um die Grenzstädte Subotica und Kanjiza unter miserablen Bedingungen aus. Sie waren zu Fuss durch Mazedonien zur Grenze gelangt und sind völlig erschöpft. Viele schlafen in Parks unter freiem Himmel, Sanitäranlagen gibt es nicht. Nach Behördenangaben überqueren täglich mehr als 2 000 Menschen die Grenze zwischen Mazedonien und Serbien.

Ernst der Lage spitzt sich weiter zu
«Vor allem die Kinder und ihre Mütter sind am Ende ihrer Kräfte», sagt Aida Sunje von der Kinderhilfsorganisation World Vision Bosnien. «Ich sah viele Menschen, die keine Schuhe mehr hatten, weil diese beim Marsch durch Mazedonien kaputt gegangen waren. Es fehlt mittlerweile an allem, besonders Windeln und anderen Hygieneartikel.»

World Vision Bosnien begann deshalb heute Mittag (09.09.2015) mit der Verteilung von Hygiene-Sets, die speziell auf die Bedürfnisse von Kindern und Müttern zugeschnitten sind. Die Sets enthalten Artikel wie Zahnpflegeprodukte, Seifen und Desinfektionsmittel sowie Windeln, Shampoo und Tampons. Diese Art von Hilfsgüterverteilung ist nicht neu für World Vision – jedoch, einen solchen Einsatz in Europa zu haben.

Hilfe im Nahen Osten muss weitergehen
Trotz aller Umstände darf die Hilfe in Syrien selber und den benachbarten Staaten nicht vergessen werden. World Vision Schweiz hat seit Ausbruch der Krise über 20 Millionen Franken in die Projekte vor Ort investiert – 12 Millionen Franken davon alleine in diesem Jahr. World Vision International hat 120 Millionen Franken investiert. Eine Summe, die längst nicht ausreicht. In der Syrienkrise fehlen mittlerweile die Mittel, um selbst grundlegende Dinge zum Überleben bereitzustellen – beispielsweise Lebensmittel, Trinkwasser oder medizinische Hilfe. Momentan erhält eine Person nur gerade 13.50 Dollar pro Monat (!) für Essen, da das Welternährungsprogramm WFP der UNO nur knapp 25 % der benötigten Hilfsgelder beschaffen konnte.

Wie wichtig die Hilfe gerade auch in den Krisengebieten selbst ist, betonte auch Bundesrat Didier Burkhalter, der am Dienstag in Paris an der Konferenz über die Opfer ethnischer und religiöser Gewalt im Nahen Osten teilgenommen hat. Die Schweiz engagiere sich stark dafür, den humanitären Hilfsorganisationen die Distribution vor Ort zu erleichtern, sagte der Aussenminister.

Seit Ausbruch des Kriegs leistet World Vision Not- und Katastrophenhilfe im Libanon, Jordanien, Irak und auch in Syrien selber. Die Hilfe vor Ort zielt darauf ab, möglichst vielen Menschen die Flucht zu ersparen, sie in ihrer temporären Situation zu unterstützen und das Überleben der verschiedenen betroffenen Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen. So konnte die internationale World Vision-Partnerschaft bisher über 1,8 Millionen Menschen in und um Syrien unterstützen.

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