#wieeigentlich: Wie schützen sich Kinder in Entwicklungsländer (ohne Zugang zu Apotheken oder Drogerien) vor der Sonne?

9. August 2021

Myanmar: Portrait eines jungen Mädchens. Auf den Wangen, der Nase und am Kinn trägt sie eine gelbe Paste im Gesicht.

Die 4-jährige Su Su ist mit Thanaka, einer Gesichtsbemalung, die gleichzeitig als Sonnenschutz dient, geschmückt.

 

Text: World Vision Schweiz

Nicht jeder von uns kann ungeschützt stundenlang in der Sonne liegen. Die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung hängt davon ab, wie hoch der Anteil des Farbstoffes Melanin in unserer Haut ist. Dafür gibt es eine Einteilung in sechs verschiedene Hauttypen. Jeder Hauttyp hat eine individuelle Eigenschutzzeit. Das beschreibt die Zeit, die sich Menschen mit dem jeweiligen Hauttyp ungeschützt in der Sonne aufhalten können, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. Sehr helle Hauttypen haben in der Regel eine Eigenschutzzeit von weniger als 10 Minuten. Dunkle Hauttypen hingegen können bis zu 45 Minuten in der Sonne bleiben. Unabhängig vom Hauttyp können alle Menschen einen Sonnenbrand oder Hautkrebs durch zu hohe UV-Belastung bekommen. Vor allem in den Bergen, am Meer oder in Wüsten, wo durch Höhe, Reflexion und fehlenden Schatten die UV-Belastung besonders hoch ist, wir die gesundheitsschädliche Wirkung der Sonne oft unterschätzt. Sonnenschutz ist also für jeden von uns enorm wichtig.

 

Honduras: Ein kleiner Junge schaut in die Kamera und trägt einen Strohhut.
Auch der Kopf sollte vor allem bei kleinen Kindern vor der Sonne geschützt werden. Sonst droht ein gefährlicher Sonnenstich. Der 2-jährige Alex aus Honduras macht das ganz vorbildlich.

 

Wie können wir uns also gegen die Sonne schützen? Für die meisten von uns ist Sonnencreme die erste Wahl und nicht mehr aus dem Urlaubskoffer wegzudenken. Die unterschiedlichen Lichtschutzfaktoren geben an, um welchen Faktor sich die Eigenschutzzeit des jeweiligen Hauttyps verlängert. Regelmässig und ausreichend aufgetragen bietet sie einen guten Schutz gegen Sonnenbrand und Hautkrebs. Doch was machen jene Menschen, bei denen es keine Sonnencreme gibt oder die sie sich schlicht nicht leisten können? Auch ohne Sonnencreme kann man sich sehr effektiv gegen die Sonne schützen. Denn im Grunde ist sie nur ein Teil einer Vielzahl an Schutzmassnahmen und reicht allein nicht aus.

 

Ausreichend Kleidung trotz Hitze

Nicht nur bei Regenwetter, auch bei Sonnenschein gilt: Auf die richtige Kleidung kommt es an. Sonnendichte Oberteile, lange Hosen, eine gute Sonnenbrille und grosse Sonnenhüte bieten einen guten Schutz vor der Sonne. Diese einfachen, aber wirksamen Methoden wenden auch Menschen in sehr heissen Regionen wie Niger, Simbabwe und Mali an. 

 

Bolivien: Mädchen tragen klassische Hüte.
Diese Hüte sind echte Alleskönner: Ob Regen oder Sonne, die Mädchen aus Bolivien sind mit ihren Hüten gut geschützt.

 

Allwetterhüte

Im Andenhochland Boliviens sind Sonnenhüte vor allem bei Frauen das A und O. Die filzartigen Hüte sind sehr stabil und werden sowohl als Sonnen- wie auch Regenschutz verwendet. Mit ihren breiten Seiten schützen sie nicht nur den Kopf sondern spenden auch noch Schatten für Gesicht und Nacken.

 

Honduras: Frauen halten ein Kleinkind unter einem Regenschirm, um es vor der Sonne zu schützen.
Auch bei Sonnenschein kann ein Regenschirm guten Schutz bieten. Eine Mutter schirmt ihren kleinen Sohn vor der Sonne ab.

 

Regenschirm gleich Sonnenschirm

Nicht nur bei Regen ein verlässlicher Begleiter. In vielen Ländern Afrikas, Ostasiens und Lateinamerikas dienen Regenschirme auch als Sonnenschutz und werden dabei gerne mal bei strahlendem Sonnenschein in der Hand durch die Strassen getragen.

 

Siesta 

In der heissesten Zeit über Mittag wird in vielen Ländern ausgeruht und die Sonne gemieden. In Mali läuft beispielsweise vom Mittagsgebet (ca.14.00 Uhr) bis zum Nachmittagsgebet (ca.16.00 Uhr) praktisch nichts ausser Teetrinken. Gut so, denn auch die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt: Bei hoher UV-Belastung einen Aufenthalt im Freien während dieser Zeit möglichst zu vermeiden.

 

Myanmar: Ein kleines Mädchen sitzt auf dem Boden vor einem Spiegel und schmiert sich eine gelbliche Paste auf die Wangen. «Ich trage gerne mein eigenes Thanaka. Es kühlt meine Wangen.» Aye trägt Thanaka zweimal am Tag auf. Einmal, bevor sie zur Schule geht, und einmal, nachdem sie ein Bad genommen hat.
 

Thanaka - alternative Sonnencreme

Ist keine Sonnencreme zur Hand, greifen die Menschen im ländlichen Myanmar zu Thanaka, einer gelblichen Paste, die sie aus der fein geriebenen Rinde des indischen Holzapfelbaums oder des Sandelholzbaums herstellen. Thanaka hat den Ruf, die Haut vor Pigmentstörungen, UV-Strahlen, Alterung und Austrocknung zu schützen. Ausserdem soll sie den Schweiss der Haut aufnehmen und eine kühlende Wirkung haben. Vor allem Frauen und Kinder tragen die Paste oft in ausgefallenen Ornamenten und Mustern auf. 


Niger: Kinder spielen ausgelassen in einem Dorf in Niger.
Staub liegt in der Luft. In diesem Fall, in Niger kein schlechtes Zeichen. Hier gilt der Saharastaub auch als natürlicher Sonnenschutz.

 

Saharastaub als UV-Filter

In der Sahelzone, der Randzone der Sahara, dient der rot-gelbliche Saharastaub als natürlicher Filter gegen schädliche UV-Strahlen. Ein Teil der UV-Strahlen wird dabei vom Staub in der Luft absorbiert. 

 

Ab in den Schatten

Ähnlich wie bei uns gilt auch in Regionen mit deutlich höherer Strahlenbelastung eines: die Sonne bestmöglich meiden. Dafür eignet sich alles, was Schatten bietet: Bäume, Häuser, Hütten und die guten, alten Sonnenschirme. 

 

 

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