Wie der Militärputsch in Myanmar die Lage der Rohingya verschlechtert

31. März 2021

Mutter mit ihren fünf Kindern im ausgebrannten Flüchtlingslager Cox’s Bazar

Anwara, 27, lebt mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern im Flüchlingslager Cox’s Bazar. Auch ihre Unterkunft wurde bei dem verheerenden Brand im März 2021 zerstört.

Text: World Vision Schweiz

 

Rund 900’000 Menschen leben im Flüchtlingslager Kutupalong in der Küstenregion Cox’s Bazar in Bangladesch, dem weltweit grössten Flüchtlingslager. Die meisten von ihnen sind Rohingya, die aus ihrer Heimat in Myanmar als muslimische Minderheit vertrieben worden sind. Während die Regierung von Bangladesch die Geflüchteten zunächst nach besten Möglichkeiten aufnahm, hält sie die Grenzen zum Nachbarland inzwischen geschlossen; auch um einen neuerlichen Zustrom in Folge des Militärputsches abzuwenden.

Das weltweit grösste Flüchtlingslager Cox’s Bazar mit einer Verteilstation von World Vision.Blick auf das weltweit grösste Flüchtlingslager Cox’s Bazar in Bangladesch. Rund 900’000 Menschen, vor allem aus Myanmar geflüchtete Rohingya, leben hier. Ganz oben auf dem Hügel befindet sich eine Nahrungsmittelverteilstation von World Vision.

 

Kein Ausblick auf Ruhe

Die Lage im Camp spitzt sich zu: Erst im März wurden dort über 45’000 Geflüchtete durch ein Feuer obdachlos und zahlreiche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen zerstört. Zudem will die Regierung in Dhaka die Flüchtlinge auf die Insel Bhasan Char im Golf von Bengalen umsiedeln. Das Projekt ist umstritten, denn zum einen ist die Insel besonders von Tropenstürmen und Überschwemmungen bedroht und war nie zuvor dauerhaft bewohnt. Zum anderen erfolgt die Umsiedlung nach Aussagen von Betroffenen unter Zwang.

 

Mit dem Rücken zur Wand

Gleichzeitig erscheint die Rückkehr ins eigene Land noch immer unmöglich: Grundlegende Bürgerrechte und Sicherheitsgarantien werden den Rohingya von Myanmar nicht gewährt und auch die Situation der etwa 500’000 im Land verbleibenden Rohingya wird immer prekärer. Unter der Junta hat die Gewalt im Land seit Februar stark zugenommen. Fast täglich gibt es bei landesweiten Protesten gegen die Machtübernahme des Militärs Todesopfer. Allein am letzten Märzwochenende starben hunderte Menschen durch Kugeln des Militärs, unter ihnen auch Kinder und Jugendliche. Vor der ethnischen Minderheit macht die Gewalt nicht halt und die internationale Kritik an der Gewalt bleibt unerhört.

Während Thailand sich deswegen auf die Ankunft von Flüchtlingen aus Myanmar vorbereitet, treibt die Lage in Bangladesch die Rohingya zunehmend in die Hände von Schleppern, um nach Malaysia oder Indonesien zu gelangen – oft mit fatalen Folgen: Die Boote sind überfüllt, haben zu wenig Nahrung, Wasser oder Treibstoff an Bord. Hundert Flüchtlinge liessen auf solchen Überfahrten bereits ihr Leben und der Golf von Bengalen gilt seit längerem als dreimal so tödlich wie das Mittelmeer für Flüchtlinge und Migranten.

 

Was wir jetzt gemeinsam tun können

Die Machtübernahme des Militärs und die anhaltende Gewalt erschweren die Arbeit von Hilfsorganisationen in Myanmar. Dabei ist ihr Beitrag gerade jetzt besonders wichtig: Es ist zu befürchten, dass der über Jahre der Entwicklungszusammenarbeit errungene Fortschritt im Land verloren geht und dass die Gewalt zu langfristigen traumatischen Belastungsstörungen in der Bevölkerung führt, was die Entwicklungsperspektiven ganzer Generationen beeinträchtigen kann. World Vision fordert daher umgehend einen humanitären Waffenstillstand und den besonderen Schutz von Kindern und stark gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie die Rohingya es sind.

 

Ein geflüchtetes Rohingyakind vor von World Vision bereitgestellten UnterkünftenWorld Vision stellt den geflüchteten Rohingya Unterkünfte, sanitäre Anlagen, sauberes Wasser und Nahrung bereit. Vor allem investiert die Organisation in Bildung für die Kinder und Jugendlichen, die 55% der Bewohner des Camps in Cox’s Bazar ausmachen.

 

World Vision ist seit 25 Jahren in Myanmar aktiv und hat über zwei Millionen Menschen durch humanitäre und Entwicklungshilfeprogramme unterstützen können. Auch in Bangladesch sind wir seit 1972 aktiv und arbeiten mit verschiedenen lokalen Organisationen zusammen. Dort haben wir seit Beginn der Rohingya-Vertreibungen mehr als 280’000 Flüchtlinge betreut. Die Vorbeugung von Unterernährung und Nahrungsmittelverteilung genauso wie der Aufbau von Wasser- und Sanitärsystemen sind Teil davon. Ebenso wichtig sind Investitionen in Bildung und in die Zukunft der Geflüchteten: Kinderschutz und Lernzentren für geflüchtete Kinder und Heranwachsende sind fester Bestandteil unserer Arbeit vor Ort. 

Unsere Arbeit in Cox’s Bazar ist wichtiger denn je in Anbetracht der sich zuspitzenden Lage, um den Kindern, Jugendlichen und ihren Familien ein Leben in Sicherheit und Würde zu ermöglichen und eine selbstbestimmte Zukunft in der Hoffnung auf Rückkehr in ihre Heimat. Unterstützen Sie uns dabei mit einer Spende.

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