WELTERNÄHRUNGSTAG: WARUM SICH DER HUNGER WELTWEIT AUSBREITET UND WAS SIE DAGEGEN TUN KÖNNEN.

16. Oktober 2018

MITTAGSPAUSE IM SÜDSUDAN: HIRSE UND BOHNEN IN DER SCHULE. VIELE KINDER HABEN EINEN WEITEN SCHULWEG UND DAS GESPONSERTE SCHULMITTAGESSEN IST OFT IHRE EINZIGE MAHLZEIT.

Chronische Unterernährung erzeugt einen Kreislauf, dem die Menschen nicht entkommen können. Er bewirkt, dass Individuen krankheitsanfälliger und weniger produktiv sind. Das wiederum führt dazu, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihren Lebensstandard selbst zu verbessern und ihr Einkommen zu erhöhen. Dadurch sind sie anfälliger für die Folgen einer akuten Dürre oder Missernte. Unser Planet produziert genügend Nahrungsmittel, um alle zu ernähren. Warum sind trotzdem so viele Menschen unterernährt? Warum wiederholen sich Hungerkrisen immer wieder? Hier sind die Fakten

1. Was ist Welthunger?
Der Begriff «Welthunger» beschreibt die Tatsache, dass ein Teil der Weltbevölkerung regelmässig und langfristig nicht genügend zu essen bekommt. Weltweit nehmen die Hungerkatastrophen nicht etwa ab, sondern zu: Das dritte Jahr in Folge steigt die Zahl der Hungernden. 2017 litten mehr als 821 Millionen Menschen unter chronischem Nahrungsmangel. Das ist eine von neun Personen auf diesem Planeten – 60 Prozent davon sind Frauen.

Der grösste Teil der hungernden Menschen lebt in Entwicklungsländern. Am schlimmsten ist es in Afrika: Dort leiden fast 21 Prozent der Bevölkerung täglich unter Hunger. Besonders betroffen ist die Region südlich der Sahara.


DIESE KENIANISCHE FAMILIE FLÜCHTET AUF DER SUCHE NACH WASSER UND LEBENSMITTELN AUS IHRER HEIMATREGION. DIE ANHALTENDE DÜRRE HAT DEN GRÖSSTEN TEIL IHRES VIEHBESTANDS VERNICHTET.

Was viele überraschen mag: In absoluten Zahlen betrachtet ist Asien – nicht Afrika – der Kontinent mit dem grössten Anteil an hungernden Menschen. Mehr als 11 Prozent der asiatischen Bevölkerung – das sind über 515 Millionen Menschen – leiden unter chronischem Nahrungsmangel. Im südlichen Asien hat sich die Situation in den letzten Jahren zwar verbessert, im Westen hat der Hunger jedoch zugenommen.

Während des vergangenen Jahrzehnts wurde zwar viel unternommen, um den Welthunger zu besiegen. Das Jahr 2017 brachte jedoch einen herben Rückschlag: Seit letztem Jahr hungern wieder so viele Menschen wie zuletzt vor zehn Jahren. Vom Entwicklungsziel der Uno, den Welthunger bis 2030 auszulöschen, sind wir noch weit entfernt. 

2. Warum sind die Auswirkungen so verheerend?
Die Folgen der chronischen Unterernährung für eine Gesellschaft sind so unterschiedlich wie verheerend. Im Kern geht es darum, dass die ungenügende Zufuhr von Kalorien, Proteinen, Vitaminen und Mineralstoffen die menschliche Entwicklung auf jeder Stufe hemmt – bei Babys, Kindern und Erwachsenen. Das wiederum hat negative Auswirkungen auf die Gesundheit, die Bildung sowie auf die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ganzer Bevölkerungsgruppen.


UNTERERNÄHRTE KINDER WERDEN VON IHREN ELTERN IN EINE KLINIK IN KENIA GEBRACHT. WORLD VISION GIBT DEN ELTERN ERGÄNZENDE AUFBAUNAHRUNG MIT.

Hunger ist mehr als einfach nicht genug zu essen zu haben – es geht auch darum, genügend nahrhafte Lebensmittel zu sich zu nehmen. Schlechte Ernährung trägt zu 45 Prozent der Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren bei, und eins von sechs Kindern in Entwicklungsländern ist untergewichtig. Ein grosser Teil der Weltbevölkerung leidet unter einem Mangel an Spurenelementen – sie bekommen zu wenig Vitamine und Mineralstoffe. Dieser «versteckte Hunger» ist oft nicht auf den ersten Blick erkennbar, hat aber genauso schwerwiegende Folgen.

Das Recht auf Nahrung ist ein grundlegendes Menschenrecht. Obwohl unser Planet genügend Nahrungsmittel hervorbringt, um seine über sieben Milliarden Bewohner zu ernähren, haben systemische Ungleichheit und wirtschaftliche Missverhältnisse zu einer unausgewogenen Verteilung und zu einem ungleichen Zugang zu den Ressourcen geführt. Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Uno) schätzt, dass ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel verloren geht oder verschwendet wird. Der Hunger tötet jedes Jahr mehr Menschen als Malaria, Tuberkulose und Aids zusammen. 

3. Was ist die Hauptursache für Hunger in der Welt?
Wie bei allen komplexen Themen, die uns auf einer globalen Ebene beeinflussen, sind die Ursachen für den Welthunger vielfältig. Anhaltende Instabilität als Folge von ungünstigen klimatischen Ereignissen, Konflikte und wirtschaftliche Verschlechterungen tragen zur mangelnden Ernährungssicherheit bei. Aber da die Mehrheit der hungernden Menschen in Entwicklungsländern lebt, ist weltweit die Hauptursache für Hunger die Armut. 

Armut
Die ungleiche Verteilung von Einkommen und der Mangel an Ressourcen in Entwicklungsländern bedeutet, dass Millionen von Menschen sich schlicht und einfach das Land oder die landwirtschaftlichen Geräte nicht leisten können, um das Benötigte anzubauen oder sich sonst Zugang zu nahrhaften Lebensmittel zu verschaffen. Es entsteht ein Automatismus, der nur schwer zu unterbrechen ist: Wer permanent unterernährt ist, leidet unter Energiemangel und ist in seinen geistigen und körperlichen Funktionen eingeschränkt, was es einem wiederum erschwert zu arbeiten oder zu lernen. Das führt dann zu andauernder Armut und fortwährenden Hunger.


WORLD VISION VERTEILT NAHRUNGSMITTEL IN REGIONEN, WO DIE VERHEERENDE DÜRRE ZU CHRONISCHEM HUNGER GEFÜHRT HAT.
 

Klima
Klimaveränderungen und Wetterextreme wirken sich unbestreitbar auch auf die weltweite Ernährungssituation aus. Die Anzahl der klimaabhängigen Katastrophen – Dürren, Hungersnöte, Überschwemmungen, grosse Hitze – hat sich seit den frühen 90er Jahren verdoppelt! Allein 2017 waren 124 Millionen Menschen in 51 Ländern davon betroffen.

Ansteigende Temperaturen und sich ändernde Muster bei Niederschlägen wirken sich negativ auf Getreide- und Viehbestände aus, was wiederum schwerwiegende Folgen für die Ernährungssicherheit und die Ernährungssituation nach sich zieht. Den Dürren im speziellen wird mehr als 80 Prozent des gesamten Ernteverlusts in der Landwirtschaft zugeschrieben. In Gebieten, in denen grosse Bevölkerungsteile allein von der Landwirtschaft abhängen, wirken sich Dürren besonders katastrophal aus, da es keine alternativen Erwerbsquellen gibt. Die meisten dieser Regionen liegen in Afrika oder Asien.

Konflikte und Instabilität
Der globale FSIN-Bericht (Food Security Information Network) über Ernährungskrisen 2018 zeigt auf, dass Konflikte und Instabilität die Hauptschuldigen hinter der Ernährungsunsicherheit in 60 Prozent der weltweiten Fälle sind. Politische Konflikte können Marktstrukturen, Transportwege und die Verfügbarkeit von Land negativ beeinflussen. Gleichzeitig zerstören sie Einkommensmöglichkeiten, lösen Fluchtbewegungen aus und treiben Nahrungsmittelpreise und Inflation in die Höhe. Die Uno schätzt, dass 80 Prozent ihres humanitären Finanzierungsbedarfs direkt durch Konflikte verursacht wird. Es ist klar, dass künftige Anstrengungen, den Welthunger zu bekämpfen, Hand in Hand mit Friedensbemühungen gehen müssen.

Wirtschaftliche Verschlechterung
Selbst in friedlichen Umgebungen hat die Verschlechterung der Wirtschaft in den vergangenen Jahren auch zu einer Verschlechterung der Ernährungssicherheit beitragen. Steigende Kosten und sinkende Ausgaben haben die Fähigkeit der Menschen, sich selbst zu ernähren, in vielen Ländern negativ beeinflusst.

4. Gibt es einen Ausweg?
Um den chronischen Nahrungsmangel effektiv bekämpfen zu können, müssen Regierungen, Nicht-Regierungsorganisationen und globale Verantwortungsträger in allen Bereichen zusammenarbeiten und neue Lösungen finden. Ernährungssicherheit bedeutet zu wissen, wo die nächsten Mahlzeiten herkommen – nicht nur heute, sondern für die kommenden Wochen und Monate. Nur wenn wir die Dorfgemeinschaften dazu befähigen, ihre Nahrung selber krisensicher zu produzieren oder mit ihrem eigenen Einkommen zu kaufen, können sie zukünftige Nahrungsengpässe selbstständig überstehen. 


BAUERN BESPRECHEN MIT EINEM WORLD VISION-MITARBEITER DIE ERNTE-FORTSCHRITTE AUF EINER GROSSEN CASSAVA-FARM.
 

Nachhaltige Landwirtschaft
In unserer globalen Nahrungsmittelproduktion muss es eine tiefgreifende Veränderung geben, wenn wir die 821 Millionen Menschen ernähren sollen, die jetzt täglich Hunger leiden. Es ist Zeit, radikal zu überdenken, wie wir unsere Nahrung anpflanzen, teilen und verbrauchen. Nachhaltig bewirtschaftet können Land- und Forstwirtschaft und die Fischereien genügend nahrhafte Lebensmittel für alle produzieren – und gleichzeitig nachhaltige Einkommensquellen erschliessen und die Umwelt schützen. Darum arbeitet World Vision mit Farming First zusammen, einer globalen Koalition für eine nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft.

Klima-Resilienz
Unsere Ozeane, Frischwasserquellen, Wälder, Boden und Biodiversität verschlechtern sich immer schneller. Der Klimawandel setzt die wertvollen Ressourcen zunehmend unter Druck und verstärkt gleichzeitig die Risiken, die von Naturkatastrophen ausgehen. Darum müssen wir Wege finden, die landwirtschaftlichen Systeme weltweit zu stärken und schwachen Gemeinschaften dabei helfen, Widerstandskraft gegen Notsituationen aufzubauen. Genau darauf legt World Vision in der langfristigen Entwicklungszusammenarbeit besonderes Gewicht.

IM FLÜCHTLINGSLAGER IN KENIA LEITETE MARTHA EIN GEMÜSEPROJEKT. ZURÜCK IM SÜDSUDAN VERSORGT SIE HEUTE IHRE FAMILIE UND VERKAUFT IHR GEMÜSE AN NACHBARN.

Fokus auf Frauen
Gemäss der FAO machen Frauen 45 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in Entwicklungsländern aus. Aber sie haben längst nicht die gleichen Rechte wie ihre männlichen Kollegen. Frauen sind regelmässig extremer Armut ausgesetzt, erhalten weniger Bildungs- und Berufsmöglichkeiten und haben deutlich weniger Zugang oder Kontrolle über Land und Ressourcen. Wenn man die Geschlechtsunterschiede beseitigt, können Frauen befähigt werden, ihre Familien zu ernähren, nahrhafte Lebensmittel anzubauen, ihre Geschäftstätigkeiten auszuweiten und in landwirtschaftlichen Märkten mitzuwirken. Deshalb setzt World Vision einen besonderen Fokus auf die Weiterbildung von Frauen, z.B. durch ein Entwicklungsprogramm, das dafür sorgt, dass Mütter und ihre Babys gesunde abwechslungsreiche Nahrung erhalten – mit grossen Auswirkungen auf die Zukunft ihrer Familien und Dorfgemeinschaften.

Helfen Sie uns, den hungerleidenden Kindern und ihren Familien in Ostafrika eine gesunde, nachhaltige Lebensgrundlage zu verschaffen.

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