Welt-Mädchentag: Bildung statt Bindung

11. Oktober 2017

Familie in Mali

Dank der Sensibilisierungskampagne von World Vision werden ihre Eltern Barakissa (M.) nicht zwangsverheiraten. Heute lobbyiert die 16-Jährige bei anderen Eltern für mehr Mädchenbildung.

Eine Frühheirat hat viele negative Folgen für Mädchen. Meist bedeutet sie das Ende der Schulbildung. Die zu jungen Ehefrauen sind enorm anfällig auf physische und sexuelle Gewalt und gebären Kinder, bevor sie physisch und emotional dafür bereit sind. Und bei alle dem ist es unwahrscheinlich, dass sie jemals für sich und ihre Rechte einstehen können. Heute leben weltweit 700 Millionen Frauen, die vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet wurden. Am diesjährigen Welt-Mädchentag gedenkt World Vision den 1,1 Milliarden Mädchen, deren Entwicklung wir mit unserer Arbeit mitunterstützen. Eine von ihnen ist Barakissa aus Mali.

Tradition auf Kosten von Bildung
Barakissa (16) wohnt in Bongosso rund sechs Stunden von der malischen Hauptstadt Bamako entfernt. Um den Traditionen gerecht zu werden, müssen hier viele Mädchen ihre Bildung opfern und ihr Schulleben gegen das einer verheirateten Hausfrau eintauschen. Manche Mädchen sind gerade mal 13 Jahre alt, wenn sie verheiratet werden. Ein Grund dafür ist der traditionelle Tausch, der zwischen den Familien stattfindet. So verspricht zum Beispiel ein Vater einer anderen Familie seine Tochter, wenn diese ihm im Gegenzug eine ihrer Töchter für sich oder seinen Sohn übergibt. Auch wenn die Mädchen nicht früh verheiratet werden, besteht die Gefahr, dass sie vorzeitig die Schule beenden und als Arbeitskraft auf Hof und Feld dienen müssen.

Besiegelte Zukunft noch vor Geburt
Um diese Missstände zu beheben, gründet World Vision Schulräte, die in jedem Dorf Sensibilisierungsgespräche mit den Eltern führen. Ziel ist es, sie über die negativen Folgen einer Frühheirat und Schulabbrüchen von Mädchen aufzuklären. Tiemoko Traore ist einer der Teilnehmer und Vater von Barakissa. Er erzählt: «Nach vielen Fragen über die Vorteile von Mädchenbildung habe ich mich entschieden, meine Tochter nicht zur Heirat zu zwingen» Auch er hatte seine noch ungeborene Tochter zur Heirat versprochen. Barakissa hat eine klare Vorstellung ihrer Zukunft: «Ich möchte zuerst studieren und erst danach einen Mann meiner eigenen Wahl heiraten. Ich bin meinem Vater und meiner Mutter so dankbar, dass sie für mich gekämpft haben.» Und mit bestimmter Stimme fügt sie dem hinzu: «Viele Mädchen wurden Opfer von Zwangsheirat. Ich appelliere an alle Eltern, dass sie ihre Töchter bis zum Abschluss in die Schule schicken sollen, damit sie für eine bessere Zukunft ausgerüstet sind. Dank World Vision haben nun meine und viele andere Eltern die Wichtigkeit von Bildung erkannt.»

Auch in der Schweiz leben Menschen, die nicht freiwillig geheiratet haben. Laut einer Studie vom Bundesamt für Migration gab es alleine in den Jahren 2009 und 2010 schätzungsweise zwischen 350 und 490 Fälle von Zwangsheirat. Rund 30 Prozent der Betroffenen waren minderjährig. Seit 2013 wird Zwangsheirat in der Schweiz unter Strafe gestellt (bis fünf Jahre Gefängnis).

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