Warum Glaubensführer eine wichtige Rolle bei der Einführung eines COVID-19-Impfstoffes spielen

9. Februar 2021

Ein Mann erklärt, wie man sich vor dem Virus schützen kann.

Eine Unterstützung durch religiöse Führer und kommunale Gesundheitshelfer ist von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz eines Impfstoffes.

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Text: World Vision Schweiz

Ein Jahr nachdem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum ersten Mal den Ausbruch eines neuartigen Virus in China gemeldet hat, zeigt eine neue Studie von World Vision, wie wichtig die Unterstützung religiöser Führer für die erfolgreiche flächendeckende Einführung von COVID-19-Impfstoffen sein wird. Eine Zusammenarbeit mit diesen Schlüsselfiguren muss daher integraler Bestandteil aller Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie sein.

Die Hilfsorganisation führte Studien in ausgewählten ländlichen Gemeinden in Bangladesch durch und fand heraus, dass 100 Prozent der Befragten, die beabsichtigen, sich impfen zu lassen, darin eine gemeinschaftliche Pflicht sehen: «Die meisten meiner Gemeindevorsteher und religiösen Führer würden wollen, dass ich mich gegen COVID-19 impfen lasse.» Im Gegensatz dazu stimmten nur 38 Prozent derjenigen, die beabsichtigen, einen Impfstoff abzulehnen (Impfgegner), dieser Aussage zu. Impfbefürworter gaben ausserdem 7-mal häufiger als Impfgegner an, dass sie sich mit grosser Wahrscheinlichkeit impfen lassen würden, wenn ein Gesundheitshelfer es ihnen empfehlen würde.

Bangladesch: Ein Mann mit langem Bart und weisser Kleidung hustet in seine Armbeuge.
Imam Nur demonstriert in einem Geflüchteten-Camp in Bangladesch seiner Rohingya-Gemeinde Hygienemassnahmen zur Eindämmung der Pandemie.

Die Studie zeigte auch, dass Impfgegner fast 10-mal häufiger als Befürworter eine Infektion dem Schicksal überlassen würden: «Ob ich COVID-19 bekomme oder nicht, hängt ganz allein von Gottes Willen oder von Zufall ab.» Sie gaben auch fast 7-mal häufiger an, dass sie den COVID-19-Impfstoffen überhaupt nicht trauen und 11-mal häufiger, dass sie nicht wissen, ob eine Impfung sie schützen würde.

«Ein Impfstoff gegen COVID-19 verspricht Hoffnung und Erleichterung für die unzähligen notleidenden Kinder und ihre Familien, deren Leben durch die Folgen dieser schrecklichen Pandemie beeinträchtigt wurde», sagt Andrew Morley, Präsident und Geschäftsführer von World Vision International. «Wir haben immer wieder gesehen, dass Glaubensführer eine entscheidende Rolle bei der Einführung von Impfstoffen spielen. Sie arbeiten mit ihren Gemeinden zusammen, um sie in den Prozess einzubeziehen und sicherzustellen, dass die Impfstoffe gerecht verteilt und von allen akzeptiert werden.»

Eine weitere World Vision-Studie in Myanmar zeigte, dass die Faktoren für höhere Akzeptanz des COVID-19-Impfstoffs in den Gemeinden denen in Bangladesch recht ähnlich sind: Impfbefürworter gaben mit 3,7-facher Wahrscheinlichkeit an, dass sie sich mit grosser Wahrscheinlichkeit impfen lassen würden, wenn ein Gesundheitshelfer es ihnen empfehlen würde. Die Impfbefürworter glaubte auch eher, dass die Mehrheit ihrer Gemeinde und ihre religiösen Führer wollen, dass sie den Impfstoff bekommen: 100 Prozent der Befragten stimmten dem zu, aber nur 80 Prozent der Gegner.

Diese Ergebnisse lassen darauf schliessen, dass eine Unterstützung durch religiöse Führer und kommunale Gesundheitshelfer von entscheidender Bedeutung für die Akzeptanz eines Impfstoffes auf lokaler Ebene, für korrekte Aufklärung rund um den Virus und die Durchführung flächendeckender Impfung ist. World Vision arbeitet derzeit mit einem weltweiten Netzwerk von mehr als 184’000 Gesundheitshelfern zusammen und hat darüber hinaus bereits mit mehr als 128’000 religiösen Führern gemeinsam Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus in ihren Gemeinden umgesetzt.

Sudan: Ein Paar Hände hält eine Spritze und Injektionsmittel, eine Mutter mit Kind schaut dabei zu.
Eine Gesundheitshelferin im Sudan bereitet die Impfung einer jungen Mutter und ihres Kindes gegen Diphtherie, Tetanus und Polio vor.

«Ich habe letztes Jahr im Osten der Demokratischen Republik Kongo viele Glaubensführer getroffen, die sich für die Akzeptanz des Ebola-Impfstoffs in den Gemeinden einsetzen. Ihre Bemühungen haben zweifelsohne unzählige Leben gerettet», berichtet Morley.

Zu diesem Thema in Indien, Kenia und Tansania durchgeführten Studien werden zurzeit analysiert und sollen Ende des Monats veröffentlicht werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden den Schwerpunkt der Arbeit von World Vision bei der Unterstützung der Impfstoffeinführung bestimmen. Die Studienergebnisse werden ausserdem der WHO, der Impfallianz GAVI und UNICEF zur Verfügung gestellt.

«Wir haben umfangreiche Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Kindern, Gemeinden und Gemeindevorstehern aus aller Welt, um flächendeckende Impfungen zu begleiten», so Morley. «World Vision hat zum Beispiel nach dem Ausbruch von Ebola in Westafrika und der Demokratischen Republik Kongo dazu beigetragen, dass mehr als 130’000 Menschen in vier Ländern mit einer zweistufigen Impfung gegen Ebola immunisiert wurden. Ausserdem machen wir uns seit mehr als 20 Jahren für die Ausrottung von Polio stark.»

Zu dieser Arbeit gehören auch die sogenannten Barriereanalysen, die von Tom Davis von World Vision entwickelt wurden, um die Gründe für die Ablehnung von Gesundheitsmassnahmen zu ermitteln.

«Der Impfstoff ist ein Triumph der Wissenschaft, aber bevor er nicht auch die bedürftigsten Menschen aller Länder erreicht hat, hat niemand gewonnen», so Morley. «Wir fordern die Weltgemeinschaft zu einer fairen Verteilung des Impfstoffs auf. Der Schutz vor diesem Virus sollte nicht an wirtschaftliche Macht gekoppelt sein, sondern fair und gerecht umgesetzt werden. Die COVID-19-Impfstoffe sind Lebensretter für gefährdete Kinder auf der ganzen Welt und geben ihnen die Möglichkeit zurück, ihr gottgegebenes Potenzial zu erreichen. Aber das geht nur, wenn diese Massnahmen auch die bedürftigsten Gemeinschaften erreichen.»

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