Uganda: Starthilfe in ein neues Leben

16. August 2018

In den letzten Monaten wurden auffällig viele kleine Lebensmittelmärkte, Coiffeurgeschäfte und Apotheken in der Flüchtlingssiedlung Imvepi gegründet. Diese Start-ups bessern nicht nur das Haushaltseinkommen ihrer Besitzer auf, sie tragen auch zu einer aufstrebenden lokalen Wirtschaft bei. Möglich gemacht hat dies ein Gemeinschaftsprojekt von World Vision und UNHCR: Je 235 US-Dollar Starkapital wurden an 463 bedürftige Flüchtlingshaushalte verteilt – darunter Pflegefamilien und von Kindern geführte Haushalte.

Was die Gründerinnen und Gründer aus Imvepi damit gemacht haben, erzählen ihre Erfolgsgeschichten. Hier ein kleiner Ausschnitt:

Isaac, der Verantwortungsträger

Als Isaac sein Startkapital erhielt, entschied er sich, damit einen kleinen Laden in der Flüchtlingssiedlung Imvepi einzurichten.

«Zuerst verkaufte ich hauptsächlich Lebensmittel, aber nachdem ich Erfrischungsgetränke ins Sortiment aufgenommen habe, fing ich an, mehr Gewinn zu erzielen. Mit diesem Geld konnte ich für alle meine Nichten und Neffen Schuluniformen, Bücher, Stifte und anderes Schulmaterial kaufen. Meine Frau hat gerade erst unser Kind geboren. Der Laden half mir, mich um sie zu kümmern und all die Dinge zu kaufen, die das Baby braucht», sagt er. Isaac kümmert sich zusammen mit seiner Frau um das Neugeborene und die fünf Kinder seines Onkels. Sein Onkel musste aus gesundheitlichen Gründen im Südsudan bleiben und bat Isaac, mit seinen Kindern zu fliehen. Mit seinen 22 Jahren hat Isaac nun die Verantwortung für 6 Kinder.

Victoria, die aktive Grossmutter

Auch Victoria hat mit der Starthilfe von World Vision ein Lebensmittelgeschäft eröffnet. «Ich betreibe das Geschäft jetzt seit vier Monaten und es hat sich viel verändert. Die Kinder sind gesünder, denn ich kann ihnen abwechslungsreiches Essen kochen. Ich besorge ihnen Gemüse, Fisch und manchmal auch Fleisch», erklärt die 63-Jährige.

Victoria floh im Dezember 2016 mit vier Enkelkindern aus dem Südsudan, ihre Tochter blieb zurück. Nachdem sie sich in Imvepi niedergelassen hatte, nahm Victoria zwei weitere Pflegekinder auf – unbegleitete Minderjährige, die den Kontakt zu ihren Eltern verloren hatten, als die Kämpfe ausbrachen, und die alleine nach Uganda fliehen mussten. In ihrem Laden verkauft Victoria Erfrischungsgetränke, Lebensmittel und grundlegende Haushaltsartikel.

«Mein Plan ist es jetzt, das Angebot zu erweitern; ich möchte frisches Gemüse zu meinen Waren hinzufügen, da es die Nachfrage dafür gibt», erklärt Victoria.

Joel, der beliebte Barbier

Wer in der Imvepi Siedlung einen Coiffeur oder Barbier braucht, geht zu Joel. Er beschäftigt mittlerweile sogar zwei Flüchtlingskollegen in seinem Unisex-Salon.

«Ich wusste, dass es in der Siedlung viele Jugendliche gibt, die einen Haarschnitt bräuchten. Deshalb habe ich mich entschlossen, diesen Salon einzurichten. Jeden Tag kommen nicht weniger als sieben Kunden zum Rasieren. Manchmal, meist am Wochenende, haben wir bis zu 15 Kunden», erzählt Joel.

Joel ist Vater von zwei Kindern und kümmert sich auch noch um die zwei Kinder seiner Schwester. Sie ist verschollen, seit die Familie nach Uganda floh.

Jessica, die Ärztin für alle

Eine Arztpraxis in der Siedlung Imvepi zu eröffnen war von Anfang an Jessicas Traum. Ihre Familie, mit zwei eigenen Kindern und einem Pflegekind, konnte einen Teil des Geldes für die Praxis selbst aufbringen, aber nach der Eröffnung fehlten noch viele Medikamente. Mehr Kapital war nötig, um die Bestände aufzufüllen. Dann bekam die Familie von World Vision die benötigten Mittel.

«Wir kauften mehr Medikamente und das half der Praxis, effektiv zu arbeiten. Wir behandeln täglich mehr als 20 Patienten, die meist an Malaria, Durchfall oder Husten leiden. Viele davon sind Kinder unter fünf Jahren», erzählt die 23-Jährige. In der Praxis von Jessica werden sowohl die Flüchtlinge als auch die Einheimischen behandelt. Es ist die allererste private Praxis. die im Haupthandelszentrum der Siedlung Imvepi eröffnet wurde.

Hilfe zur Selbsthilfe

Diese vier Geschichten stehen symbolisch für viele andere Flüchtlinge, denen World Vision mit einer kleinen Starthilfe eine stabile, nachhaltige Lebensgrundlage verschaffen konnte. Bevor die Kleinstunternehmer ihr Geschäft gründen, werden sie von World Vision darin geschult, Marktbedürfnisse zu beurteilen und ein Geschäft zu führen. 400 Start ups sind so bis Juni 2018 in Imvepi entstanden. Eine Erfolgsgeschichte, die Schule macht: Auch in der benachbarten Flüchtlingssiedlung Omugo startet jetzt ein ähnliches Projekt.

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