Südsudan: Vom Frieden träumen, Albträume erleben

7. Juli 2017

Knabe im Fluechtlingslager in Kenia

Maker träumt im Flüchtlingscamp in Kenia von seiner Zukunft in seinem Heimatland Südsudan.

Es lag etwas in der Luft – das spürte der 9-jährige Maker an diesem Morgen im Flüchtlingscamp ganz genau. Etwas Grossartiges, Elektrisierendes. Der Tag war gekommen: Endlich konnte seine Familie nach Hause zurückkehren. Die acht Jahre, die er als Aussenseiter in einem fremden Land verbracht hatte, waren endlich vorbei. Nun konnte er den überfüllten Plätzen und den endlosen Warteschlangen zu den Wasser- und Lebensmittel-Ausgaben Lebewohl sagen.

Der zwanzigjährige Konflikt, welcher den Sudan in zwei Teile gerissen und rund 1.5 Millionen Menschenleben gefordert hatte, nahm endlich ein Ende. Frieden kehrte ein. Der Südsudan war unabhängig und alles war wieder möglich. Maker und seine Familie gehörten zu Tausenden von vertriebenen Familien, die im Jahr 2011 nach Hause zurückkehrten. Der heute 15-jährige erinnert sich: «Ich habe meine Verwandten und Freunde wiedergefunden. Gemeinsam feierten wir das Referendum. Wir haben viel gegessen; es gab Kuchen und Getränke. Einige schlachteten Ziegen und die Leute haben getanzt.»

Wiederaufflammende Konflikte
Leider hielt die Begeisterung nicht lange an. Alte Feinde hatten nicht vor zu vergeben und dürsteten nach Rache. Schnell eskalierte der Kampf um die Macht. «Im Südsudan konnte man nicht in Freiheit leben. Es gab keinen Ort, wo man ohne Angst auf Zwischenfälle sein konnte. Jeder hatte Feinde. Auch wenn man noch jung war, sagten sie einem, dass man irgendwann erwachsen sein werde. Es gab keine Gnade, man wurde einfach umgebracht», erzählt Maker.

Innert drei kurzen Jahren wurde die Gewalt so grausam, dass die gleichen Menschen, die in den Südsudan zurückkehrten, wieder auf der Flucht waren. Maker sagt: «So viele Menschen wurden erschossen, Erwachsene und Kinder. Ich sah sie kommen mit ihren Waffen. Zuerst gingen sie zu unseren Nachbarn und kamen dann in unser Haus. Wir rannten davon.» Zusammen mit fünf Geschwistern und seiner Stiefmutter war Maker auf der Flucht. Sein Vater, seine Mutter und seine zwei kleinsten Geschwister blieben zurück. «Es war abends, als wir unser Haus verliessen. Unser Vater meinte, dass es nicht gut wäre zu bleiben und wir uns in Sicherheit begeben sollten. Unsere Flucht dauerte eine Woche. Auf dem Weg gerieten wir in viele gefährlichen Situationen, bewaffnete Männer wollten uns umbringen. Aber wir hatten Glück, wir haben es an einen sicheren Ort geschafft». erinnert sich Maker.

Wieder Aussenseiter
Maker und seine Familie kehrten in das gleiche Flüchtlingscamp zurück, welches sie drei Jahren zuvor verlassen hatten. Ihnen wurde eine kleine Lehmziegelhütte zugeteilt, wo sie nun ihr Leben als Teil der 160‘000 Menschen im Flüchtlingslager Kakuma in Kenia verbringen. Zwischenzeitlich hat Maker erfahren, dass seine Mutter und die jüngeren Geschwister in Sicherheit sind. Von seinem Vater hat er aber noch keine Neuigkeiten. «Das letzte Mal hörte ich von ihm in der Nacht unserer Flucht», sagt Maker.

Auch wenn er den grössten Teil seines Lebens in diesem Camp verbracht hat, fühlt sich Maker als Aussenseiter in Kenia. Aber er ist dankbar für die Sicherheit, die ihm das Land gibt. Der 15-Jährige hat Freunde gefunden – andere Buben aus dem Südsudan, mit denen er Fussball spielt. Als Captain des Teams organisiert Maker die Trainings und Spiele. Strahlend erzählt er: «Auf dem Fussballplatz werde ich zum Tier.»

World Vision unterstützt die Flüchtlinge in Kakuma zusammen mit dem UNHCR und dem Welternährungsprogramm (WFP). Das Kinderhilfswerk verteilt Lebensmittel, ermöglicht den Zugang zu sauberem Wasser und baut Schulhäuser. In einem davon besucht Maker die 8. Klasse. Er ist einer von 4‘800 Flüchtlingskindern, die an dieser Schule unterrichtet werden. «Ich möchte gerne Ingenieur werden», erzählt Maker. Er freut sich schon auf das Vermessen des Landes und auf die benötigte Infrastruktur, die er gerne bauen möchte. Er will dorthin zurückkehren, wo er geboren wurde. Dorthin, wo er sich zuhause fühlt. Er sagt: «Ich werde meine Ausbildung hier in Kenia abschliessen und dann in mein Heimatland zurückkehren.»

Medienmitteilung von World Vision Schweiz zum Unabhängigkeitstag des Südsudans

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