Ruanda: Vom Tagelöhner zum selbständigen Bauern

26. Januar 2018

Bauer Phocas und seine Frau Leberty

Phocas und Leberty sind dankbar und erleichtert, dass sie mit der Hilfe von World Vision aus der Armut herausgekommen sind.

«Ich war der Ärmste der Armen», sagt Phocas Bagiruwigize(48). «Ich musste auf den Feldern anderer Leute arbeiten, um meine sechs Kinder zu ernähren. Und wir hatten kein Haus, sondern nur eine kleine Hütte.» Die Familie lebt in Ruanda in der Region Karaba in einem abgelegenen Tal, das in der Regenzeit häufig von Erdrutschen heimgesucht wird.

2006 lancierte World Vision ein Entwicklungsprojekt in der Region und bat Phocas, im Patenschaftskomitee mitzuarbeiten und die Kinder im Patenschaftsprogramm zu betreuen. Er war von der Bevölkerung wegen seiner Integrität und seinem guten Umgang mit Kindern vorgeschlagen worden. Auch seine Kinder wurden in das Programm aufgenommen.

Phocas nahm im Rahmen der Projektarbeit an einem Kurs zum Anbau von Zwiebeln, Kohl und Rüebli als Einkommensquelle teil. Mit den Einnahmen kaufte er Land, um seine kleine Farm zu erweitern.

2009 besuchte er auf einem Bildungsausflug in den Norden Ruandas eine Hühnerfarm und war begeistert. «Diese Idee hat mich wirklich ergriffen. Zuhause präsentierte ich World Vision einen Businessplan, und ich erhielt 100 Küken als Starthilfe. Sie wuchsen schnell und legten viele Eier. Mit dem Erlös konnte ich eine Kuh und weitere Tiere kaufen. Heute habe ich 120 Hühner, drei Kühe, sechs Geissen und acht Kaninchen. Und das allerschönste, seit 2010 muss ich nicht mehr auf den Feldern anderer Leute arbeiten gehen.»

Gesund dank Biogas
In einer weiteren World Vision-Schulung ein paar Jahre später ging es um das Thema Biogas. Auch diese Idee griff Phocas sofort auf und baute eine Biogasanlage. Jetzt müssen seine Kinder nicht mehr mühsam rares Brennholz für den alten Holzherd suchen. Phocas mischt den Dung der Tiere mit Wasser und befüllt die Anlage. So gewinnt er Gas für den Haushalt und einen fruchtbaren Dünger für die Felder. Der neue Gasherd produziert viel weniger Russ und schützt so Gesundheit und Umwelt. Und wenn Bäume nicht als Brennholz gefällt werden, sondern stehen bleiben, schützen sie den Boden vor Erosion.

Phocas blickt zufrieden auf die Entwicklung in seinem Leben zurück: «Schritt für Schritt werde ich eine andere Person. Ich bin nicht mehr länger davon abhängig, als Tagelöhner auf fremden Feldern Arbeit zu finden. Im Gegenteil, ich bin in der Lage, andere zu unterstützen. Auch mein Sohn Boniface (20) hat als Patenkind viel Unterstützung bekommen und lernt jetzt Tierpfleger, um anderen Kleinbauern helfen zu können.»

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