Pinky aus Nepal: vom schüchternen Mädchen zur Botschafterin für Kinderrechte

16. Juli 2021

Nepal: Die 16-jährige Pinky vor ihrer Schule in einem Gang und lächelt in die Kamera.

Früher war die 16-jährige Pinky ein sehr schüchternes Mädchen, das änderte sich, als sie in einem World Vision-Programm das erste Mal von ihren Rechten hörte.

 

Text: World Vision Schweiz

Pinky steht mit dem Rücken zur Tafel ihres Klassenzimmers und spricht zu ihren Mitschülern. Ihre Leidenschaft ist ihr anzusehen, denn es geht um ein Thema, dass ihr sehr wichtig ist: die Rechte der Kinder. Begeistert spricht sie über die Bedeutung der Kinderrechte, die Notwendigkeit der Abschaffung von Gewalt gegen Kinder und der Kinderheirat. Zum Abschluss ihrer kleinen Rede appelliert sie an die Kinder im Raum, wie wichtig es ist, dass sie alle ihre Rechte kennen. Nach ihrer Rede erhält sie von ihren Mitschülern einen riesigen Applaus.

 

Nepal: Im Vordergrund sitzt Sunita in einem gelben Sari, ihre drei Kinder stehen hinter ihr und legen ihre Hände auf die Schultern ihrer Mutter.
Pinkys Mutter Sunita setzt sich ein für ihre drei Kinder: «Ich weiss, welche Auswirkungen es hat, keine Bildung zu haben. Deshalb möchte ich, dass meine Kinder eine Ausbildung erhalten.»

 

Pinky war nicht immer so ein mutiges Mädchen. Ihr Lehrer Raj Kishore erinnert sich an sie als ein extrem schüchternes Mädchen. Nur selten beteiligte sie sich an Diskussionen im Unterricht oder nahm an Schulaktivitäten teil. Sie stammt aus einer Familie mit sehr geringem Einkommen. Ihr Vater arbeitet in einem anderen Bezirk und ist nur selten Zuhause. Durch seinen Alkoholismus kommt von dem Geld, das er als Zimmermann verdient, nur wenig bei Pinkys Mutter Sunita und ihren zwei Geschwistern an. Stattdessen kämpft Pinkys Mutter Tag für Tag darum, sich und die Kinder zu versorgen und ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen: «Ich habe es bis jetzt geschafft, die Ausbildung meiner Kinder fortzusetzen und werde auch in Zukunft hart dafür arbeiten.» Der Mut ihrer Tochter bestärkt sie darin: «Es erwärmt mein Herz, meine Tochter so selbstbewusst und sich ihrer Rechte bewusst zu sehen. Ich bin mir sicher, dass sie immer wissen wird, was für sie richtig und falsch ist. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um sie!»

 

Wie Pinky zu ihrem Selbstbewusstsein fand

Pinkys Wandlung nahm ihren Anfang, als sie von World Visions-Partner Rastriya Rojgar Prawardhan Kendra (RRPK) ausgewählt wurde, um in einer Citizen Voice and Action (CVA)-Gruppe mitzuwirken. Diese Gruppen verfolgen das Ziel, Dienstleistungen wie Gesundheitsversorgung und Bildung zu verbessern und somit das tägliche Leben von Kindern und ihren Familien nachhaltig zu verändern.

Als Teilnehmerin des World Vision-Projekts «Strengthening Inclusive Education in Nepal» (SIKAI – Stärkung der inklusiven Bildung in Nepal) besuchte Pinky Schulungen zu inklusiver Bildung, Gleichstellung der Geschlechter, sozialer Eingliederung, Kinderrechten und Kinderschutz. Bis dahin wusste sie nicht, dass alle Kinder, auch sie selbst, eine Reihe von Rechten haben. Rechte, die keinem Kind weggenommen werden können und für sie gesichert werden müssen.


Nepal: Pinky steht in ihrem Klassenzimmer vor der Tafel und spricht zu den Kindern, die in ihren Schulbänken sitzen.
Pinky nutzt ihr Wissen, um es ihren Mitschülern weiterzugeben: «Durch die Schulungen des SIKAI-Projekts habe ich verstanden, wie wichtig es für Kinder, insbesondere für Mädchen, ist, sich zu bilden.»

 

Dort lernte sie auch, dass nach dem Marriage Registration Act der nepalesischen Regierung das gesetzliche Mindestheiratsalter in Nepal bei 20 Jahren liegt, sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Das deckte sich allerdings nicht mit dem, was sie aus ihrer Gemeinde kannte. Dort wurden die Kinder viel früher verheiratet. Das ermutigte sie die Mitglieder ihrer Gemeinde über diese gesetzlichen Bestimmungen zur Kinderheirat aufzuklären. «Immer wenn ich höre, dass die Eltern meiner Freunde darüber reden, sie zu verheiraten, gehe ich zu ihnen und rede mit ihnen. Ich habe die Eltern einiger meiner Freunde davon überzeugen können, mit der Heirat zu warten, bis meine Freunde 20 sind.»

 

«Ich weiss, wie wichtig es für uns ist, unsere eigenen Themen und Probleme zu erkennen.»
Pinky, 16 Jahre alt

 

Sie gewann zunehmend an Selbstbewusstsein, brachte sich in der Schule mehr ein, verbesserte ihre Leistungen und wurde in ihrer Gemeinde zu einer Stimme für die Rechte der Kinder. Sie hofft jetzt ihre Ausbildung beenden zu können, um auch künftig anderen Kindern zu helfen, sich ihrer Rechte bewusst zu werden. Auch ihr Lehrer Raj Kishore freute sich über Pinkys Wandlung: «Zusammen mit ihrem Selbstvertrauen haben sich auch ihre Leistungen verbessert.»

Wenn Pinky heute mit den Kindern ihrer Gemeinde spricht, tut sie das mit viel Zuversicht und Überzeugung: «Ich weiss, wie wichtig es für uns ist, unsere eigenen Themen und Probleme zu erkennen. Wenn wir uns unserer eigenen Rechte nicht bewusst sind, wie sollen wir dann unser eigenes Wohlergehen sicherstellen?»

Auch World Vision Schweiz ist in Nepal aktiv. In unseren Projekten vor Ort setzen wir uns dafür ein, Kinder zu stärken und für ihre Rechte zu sensibilisieren. Sodass sie selbst deren grösste Verfechter werden und sich für ihre Rechte und die ihrer ganzen Community stark machen. Unterstützen Sie uns dabei und spenden Sie.

 

 

Diesen Beitrag teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

9. Dezember 2021

Mon­go­lei: End­lich ein si­che­res Zu­hau­se

Ein eigenes, sicheres Zuhause ist keine Selbstverständlichkeit. In Ländern wie der Mongolei, wo die Temperaturen im Winter weit in den Minusbereich sinken und viele Familien in grosser Armut leben, sollte es das aber sein. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung hat World Vision zwischen Juni und September 2021 Häuser für zehn Familien gebaut.


Nepal: Ein junges Mädchen schaut in die Kamera und hält eine Porträtzeichnung eines Mädchens mit Masken in beiden Händen.

5. Dezember 2021

#Hoff­nungs­schim­mer – So­nis Weg zu­rück in die Schu­le

Als ihr Vater stirbt, verlässt die 11-jährige Soni die Schule und kümmert sich fortan um den Haushalt der Familie. Die Schule vermisst sie sehr. Von einer Nachbarin bekommt sie den Tipp, sich an World Vision zu wenden. Das hat Soni getan und geht heute wieder zur Schule.


Indien: 5-junge Mädchen in bunten Saris, stehen in einer Reihe, teilweise mit verschränkten Armen und blicken ernst in die Kamera.

23. November 2021

Die 5 häu­figs­ten For­men der Ge­walt an Frau­en - und was wir da­ge­gen tun

Physische, psychische und sexuelle Gewalt stellen laut WHO für Frauen das höchste Gesundheitsrisiko dar. Durch die unermüdliche Arbeit zahlreicher Organisationen, Aktivistinnen und Aktivisten und Ereignisse wie #MeToo, rückt Gewalt gegen Frauen immer mehr in das Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung. In diesem Artikel beleuchten wir verschiedene Formen geschlechtsspezifischer Gewalt an Frauen und was dagegen getan werden kann.


Mädchen schreibt auf Wandtafel.

18. Oktober 2021

Kin­der brau­chen Bil­dung – auch in Afg­ha­nis­tan!

In der Schule wachsen Kinder intellektuell, emotional und mental. Und die Schule bietet eine Umgebung, die Kinder körperlich und psychisch gesund hält und sie vor Schaden schützt.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
World Vision Schweiz
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  Bank: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen