Philippinen: Neue Perspektiven für Abfallsammler

10. November 2020

Philippinen: Ein Müllsammler in einem Berg aus Abfall.

Dank einer neuen Schutzkleidung ist Abfallsammler Chris besser geschützt bei der Arbeit.

Text: World Vision Schweiz

Chris ist seit 2018 als Abfallsammler tätig. Er ist stolz darauf, zur Sauberkeit seiner Gemeinde beizutragen, aber er wünscht sich bessere Arbeitsbedingungen. «Früher war die Regenzeit die schlimmste Zeit», sagt er. «Wir hatten ausser Handschuhen keine Schutzausrüstung. Jedes Mal, wenn es während der Arbeit stark geregnet hat, wurden wir bis auf die Haut nass. Es hätte schon geholfen, wenn die Leute ihre Abfälle getrennt hätten. Leider waren sie nicht so diszipliniert, wie wir gehofft hatten. Wir verbrachten meist Stunden in der Verwertungsanlage, um den Müll zu sortieren». Da er nur einfache Handschuhe zum Schutz trug, machte er sich Sorgen um seine Gesundheit und auch um die seiner Familie. Es gab Zeiten, in denen er so oft krank war, dass er eine Woche lang nicht seiner Arbeit nachgehen konnte, berichtet er. 

Die prekäre Situation von Chris ist auf den Philippinen nichts ungewöhnliches. Das Land hat zwar mehrere Gesetze zur Bewirtschaftung fester Abfälle erlassen, aber die Umsetzung dieser Gesetze bleibt weiterhin ein Problem. Das hat nicht nur negative Auswirkungen auf die Umwelt, sondern auch auf das Wohlergehen der Arbeiter. Eine Prüfung bei 178 Betrieben von Kommunalverwaltungen ergab, dass im Zeitraum 2011-2017 fast jede dritte Gemeinde die Vorschriften zur getrennten Sammlung in den Haushalten nicht einhielten und über 20 Prozent der Gemeinden den Müll nicht wie vorgeschrieben getrennt einsammelten. 

Das PHINLA-Projekt

Angesichts dieser Herausforderungen und der prekären Situation von Abfallarbeitern wie Chris haben World Vision und die Ecowaste Coalition mit finanzieller Unterstützung des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und globale Entwicklung (BMZ) das Projekt PHINLA ins Leben gerufen, Das gemeinsame Projekt, benannt nach den Projektländern Philippinen, Indonesien und Sri Lanka, unterstützt Abfallarbeiter und Gemeinden, die von unzureichendem Abfallmanagement betroffen sind. In Weiterbildungen wird ihnen vermittelt, wie Abfall als Ressource genutzt werden kann, um sinnvolle Arbeitsplätze zu schaffen und Einkommen zu generieren. Ausserdem sollen sie in die Lage versetzt werden, Gesundheits- und Umweltfragen im Zusammenhang mit dem Abfallmanagement anzugehen.

Philippinen: Ein Berg aus Abfall.In Verwertungsanlagen wird der Abfall aus dem Dorf sortiert und wiederverwendbares Material recycelt.

In der Barangay (Dorfgemeinde) Cugman, wo Chris herkommt, bestand eine der wichtigsten Initiativen des Projekts bisher darin, die Vereinigung der Abfallarbeiter zu organisieren und sie darin schulen, ein besseres Sammelsystem und Verwertungsanlagen für die Gemeinde zu schaffen. Menschen aus dem Dorf fahren täglich mit den von PHINLA gestellten 17 Fahrrädern und 5 Motorrädern von Haus zu Haus und sammeln den Müll ein. Das Dorf initiierte dafür ein Belohnungssystem, das auf dem Gewicht der gesammelten Wertstoffe beruht, um in dieser Projektphase die Arbeiter mit einem Einkommen zu unterstützen und die korrekte Mülltrennung in der Praxis zu fördern.

In der nächsten Projektphase wird PHINLA dem Dorf dabei helfen, die Vereinigung der Abfallsammler als ein unabhängiges und rentables Wirtschaftsunternehmen zu etablieren, um so den Arbeitern ein Gehalt zahlen zu können.

Sicherer und schneller arbeiten

Seit sich die Abfallarbeiter Anfang August 2020 erstmals offiziell als Gruppe organisiert haben, hat Chris bereits tiefgreifende Veränderungen erlebt. «Das ist eine grosse Erleichterung für mich und meine Kollegen, die für die Anlieferung der Abfälle bei der Verwertungsanlage zuständig sind. Erstens verbringen wir nun weniger Zeit damit, Abfälle zu trennen, weil diese Aufgabe bereits von Haus zu Haus von Sammlern übernommen wird. Zweitens helfen uns die Motorräder, die dem Dorf von PHINLA zur Verfügung gestellt wurden, auch dabei, unsere Zeit besser zu managen».

Die Schutzausrüstung und die neuen Motorräder machen die Arbeit der Abfallsammler sicherer, schneller und effektiver.

Die Schutzausrüstung und die neuen Motorräder machen die Arbeit der Abfallsammler sicherer, schneller und effektiver.

Früher sammelte die Gemeinde den Müll mit nur einem Müllwagen. Allein für das Einsammeln brauchten sie mindestens 4-5 Stunden. Mit 17 Lastenfahrrädern können die Arbeiter nun an vielen Orten gleichzeitig Abholungen machen und dadurch viel Zeit sparen. Der Einsatz von Motorrädern wiederum erleichtert die Anlieferung bei der Verwertungsanlage, die sich auf einem Berg befindet.

«Ich bin vor allem sehr dankbar für die bereitgestellte Schutzausrüstung», sagt Chris. Besonders während der COVID-19-Pandemie war es für Chris eine grosse Hilfe, dass er Handschuhe, Stiefel, Regenmäntel und Masken erhielt. Diese Ausrüstung schützt ihn beim Müllsammeln auch vor anderen Infektionen.

«Ich mag mir gar nicht vorstellen, welchen Schaden es für mich und meine Familie anrichten würde, wenn ich mich aufgrund fehlender Schutzausrüstung bei der Arbeit mit dem Virus angesteckt hätte.» 

Chris, Abfallsammler

Das Gemeinschaftsprojekt PHINLA von World Vision und der Ecowaste Coalition setzt seine Arbeit hier in Cugman und an vielen anderen Orten fort und unterstützt die Gemeinden und ihre Abfallarbeiter mit dringend benötigten Weiterbildungen und Schutzausrüstung.

Der Programmdirektor von PHINLA, Giorgi Devidze: «Unser Programm zielt darauf ab, Einkommensquellen für die von Armut betroffene Bevölkerung durch ein übergreifend eingerichtetes und überwachtes Abfallmanagementsystem zu entwickeln.» In allen drei Projektländern konnten seit der Einführung von PHINLA im September 2019 bis heute bereits wichtige Erfolge erzielt werden. Dennoch muss noch mehr getan werden, um die Nachhaltigkeit des Programms zu gewährleisten. Dazu gehören die Einbeziehung von weiteren gefährdeten Gruppen in den Wirtschaftskreislauf von Abfall- und Verwertungszentren, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Abfallreduzierung, Recycling und Wiederverwendung und die Einhaltung der verschiedenen nationalen Gesetze für Abfalltrennung durch die einzelnen Haushalte.

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