Philippinen: Früh übt sich, wer Verantwortung tragen will

13. Dezember 2017

Frau mit Foto in den Philippinen.

Das ehemalige Patenkind Normalyn zeigt ein Foto von sich, das einst zusammen mit einem Fortschrittsbericht des Entwicklungsprojekts ihrem damaligen Paten zugeschickt wurde.

«World Vision hat uns die Augen geöffnet. Damals haben wir erkannt, wie wichtig es ist, uns für Themen zu engagieren, die Kinder und Jugendliche angehen», blickt Normalyn zurück. «Wir waren noch klein, aber trotzdem kannten wir unsere Rechte und Verantwortungen.» Ihre damals wie heute beste Freundin Jemima nickt. «Wir lernten viel über zahlreiche gesellschaftliche Themen wie beispielsweise Armut.»

Gestärktes Selbstbewusstsein
Damals im Sommer hatten die beiden Patenmädchen die Gelegenheit, an verschiedenen World Vision-Aktivitäten teilzunehmen. Dies führte dazu, dass sie hinsichtlich ihrer Denkweisen und Lebenseinstellung ihren Altersgenossen weit voraus waren. Ihre Entwicklung blieb nicht lange unbemerkt. Bald wurden sie von World Vision-Mitarbeitenden ermutigt, als Leiterinnen an den Sommercamps teilzunehmen. «Aber obwohl wir damals zu ‹Führungspersönlichkeiten› wurden, haben wir uns als Kinder gefühlt und unsere Kindheit intensiv erlebt», setzt Normalyn hinzu und erinnert sich an die Spiele mit Freunden aus den umliegenden Dörfern.

Normalyns und Jemimas Lebensgeschichten ähneln sich sehr: Das geringe Einkommen ihrer Familien bot nicht genügend Unterhalt für alle. Zuweilen mussten sich die Mädchen Gelegenheitsjobs neben der Schule suchen und beispielsweise Gemüse verkaufen oder für ihre wohlhabenden Nachbarn Wäsche waschen und den Rasen mähen. Manchmal suchten sie auch auf der Müllhalde nach Brauchbarem. Obwohl sie mit einem Leben voller Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, kam es ihnen nie in den Sinn, dass es ihnen an Grundlegendem gemangelt hätte. «Wir haben uns nie für etwas geschämt, was wir damals taten», stellt Normalyn fest, aber Jemima erinnert sie: «Weisst du noch, als wir unterwegs waren und grossen Durst hatten? Wir hatten kein Geld, um etwas zu trinken zu kaufen. Ich betete, dass wir einige Münzen auf der Strasse finden mögen ... Erinnerst du dich, wie die Geschichte ausging?» Normalyn zuckt mit den Schultern und beide lachen laut.

Bildungschancen packen
Beide ehemaligen Patenmädchen wollen ihre Erfahrungen mit der jüngeren Generation teilen und haben ihre Karriere im Bildungsbereich fortgesetzt. Jemima, die Elektronik und Kommunikation studiert hat, ist heute Senior High-School-Direktorin und die akademische Leiterin des STI College in Palawan. «Mir wird jetzt klar, wie schwierig das Leben eines Lehrers ist», kichert Normalyn, die Schüler an einer High-School auf der Insel Palawan im Westen der Philippinen unterrichtet. «Sie stellen unsere Geduld wirklich auf die Probe. Manchmal muss ich mit Schülern ein ernsthaftes Wort reden, die ihre Ausbildung anscheinend nicht zu würdigen wissen.» Und nach einer kurzen Pause fügt sie hinzu: «Wenn wir damals die Chancen nicht ergriffen hätten, die World Vision uns geboten hat – wer weiss, was aus uns geworden wäre!»
 

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