Nepal: Die Bäuerinnen von Jumla-Sinja

8. Juli 2020

Jumla Sinja, Nepal: Ein Mann erklärt einer Gruppe von traditionell gekleideten Bäuerinnen, wie man Obstbäume richtig pflegt.

Die Kleinbäuerinnen und -bauern aus dem Dorf Rini lernen hier, wie Obstbäume richtig beschnitten und gepflegt werden, damit die Ernte besser ausfällt.

Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz

Das Projekt Jumla-Sinja liegt in einer der unterentwickeltsten Regionen Nepals. In den alpinen Bergdörfern ist die Landwirtschaft ein hartes Geschäft, das hauptsächlich auf den Schultern der Frauen lastet, denn die Männer suchen ausserhalb nach Arbeit – meist in Indien. Die Bewohner, oft Angehörige der untersten Kaste und religiöser Minderheiten, leben am Existenzminimum, viele Jugendliche wandern ab. Mit einer Dorfpatenschaft helfen Sie diesen marginalisierten Menschen ihre Lebenssituation zu verbessern und ihr Dorf voranzubringen. Kartoffeln, Äpfel, Nüsse und Bohnen sollen mehr Wohlstand bringen. Dafür initiiert World Vision Spar- und Produktionsgruppen. 

Laxmi: Jetzt wird verhandelt
Rini ist ein abgelegenes Gebiet im Distrikt Jumla, das vor allem für seine Kartoffelproduktion bekannt ist. «Auf unseren Feldern bauen wir Kartoffeln, grünes Gemüse, Bohnen und andere Feldfrüchte an. Wir arbeiteten viel und lange, was sehr anstrengend war», sagt die 45-jährige Laxmi, eine einheimische Bäuerin. Vor einigen Jahren startet World Vision Nepal in Zusammenarbeit mit der «Karnali Sustainable Development Academy» (KASDA) ein Projekt, um die Landwirtschaft in der Region für die Bäuerinnen und Bauern nachhaltiger und gewinnbringender zu machen und deren Arbeit zu vereinfachen. «Wir hatten zuvor noch nie Schulungen über Landwirtschaft und Vermarktung», erklärt Laxim.

Zu Beginn des Projekts wurde in Rini eine Produktionsgruppe gegründet. Laxmi wurde Teil davon. Die Gruppe nahm an verschiedenen fachlichen Schulungen teil und traf sich mit potenziellen Käufern. Laxmi sagt: «Früher sahen wir uns mit vielen Problemen konfrontiert. Die Qualität der Kartoffeln war schlecht und die Ernte war klein. Wir wussten nicht, dass man die Ernte vor dem Verkauf sortieren und bewerten muss. Wir hatten auch keinen Kontakt zu Märkten und Käufern.»

Früher produzierten die Bäuerinnen maximal eine Tonne Kartoffeln und konnten davon nur 300-500 Kilogramm verkaufen. Verkauft wurde von Haus zu Haus: ein Kilogramm Kartoffeln für 12 Nepalesische Rupien (umgerechnet 0,09 Schweizer Franken). Inzwischen hat sich das durchschnittliche Einkommen der Produzenten fas verdoppelt.

Verhandeln will gelernt sein
Die Produktionsgruppe initiierte ein Treffen mit den Käufern in Urthu, an dem auch Laxmi teilnahm. Im Anschluss daran wurde mit verschiedenen Käufern auf dem Jumla-Basar eine Absichtserklärung über Abnahme und Preise getroffen. Die Gruppenmitglieder wissen dank intensiver Schulungen durch sogenannte «market literacy»-Programme wie sie verhandeln und auf dem Markt richtig kommunizieren. Das Projekt hat massgeblich dazu beigetragen, dass sich die Produzentinnen selbstständig mit den Käufern koordinieren und die Marktbewegungen richtig einschätzen können. Deshalb verkaufen die Bäuerinnen und Bauern ihre Produkte jetzt auch ausserhalb des Jumla-Tals. 

«Früher konnte ich die Grundbedürfnisse meiner Familie kaum befriedigen. Es war auch schwierig, die Schulgebühren für mein Kind zu bezahlen. In der letzten Saison habe ich 90’000 NPR (692 CHF) verdient und kann davon auch die Schulgebühren bezahlen. Ich bin dem Projekt sehr dankbar», so Laxmi.

Jumla Sinja, Nepal: Eine Produktionsgruppe sitzt in einem Kreis und diskutiert über den Markt.Die Bäuerinnengruppe diskutiert mit den Händlern in Rini, um bessere Verkaufsbedingungen für ihre Kartoffeln auszuhandeln.

Amrita: Traumberuf dank Spargruppe
Amrita lebt mit ihrer fünfköpfigen Familie in Tila, einer ländlichen Gemeinde in Jumla. Ihr Mann ist sehbehindert. Auch sie hat eine Behinderung am Bein. «Früher war es sehr schwer für uns, mit unserem geringen Einkommen das Leben zu bewältigen. Wir kauften Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs mit Hilfe der Sozialversicherung», sagte sie. Amrita erhielt auch eine Nähmaschine, die über den Behinderten-Rehabilitationsverband Jumla finanziert wurde, aber ohne Geld war sie nicht in der Lage, ihr eigenes Schneidereiunternehmen zu gründen. 

Ihre Situation änderte sich erst, nachdem in ihrer Gemeinde eine Spargruppe entstand. Amrita wurde eines der 18 Mitglieder und nahm ein Darlehen von 12'000 NPR (92 CHF) auf. Mit diesem Geld konnte sie endlich ihr langersehntes Geschäft öffnen. «Ich nähe jetzt verschiedene Arten von Kleidung wie Schuluniformen oder Kleidung für Kleinkinder und verdiene bis zu 11’000 NPR (85 CHF) pro Monat. 

«Ich bin wirklich glücklich, mein Einkommen in die Ausbildung meiner Kinder investieren zu können und froh, als Mitglied einer Spargruppe eine solche Gelegenheit erhalten zu haben. Ich bin World Vision Nepal und KASDA dankbar für solch ein grossartiges Projekt für schutzbedürftige Menschen wie mich», sagt sie.

Jumla Sinja, Nepal: Eine Frau näht Kleidungstücke mit ihrer eigenen Nähmaschine.Amrita näht in ihrem Haus Kleidung, die sie dann verkauft. Das war nur möglich, weil sie Teil einer Spargruppe ist.

Munamati: Bohnen für eine Zukunft
Munamati ist Vorsitzende einer Bäuerinnengruppe, die Bohnen produziert. Oftmals fehlte ihr dazu aber das nötige Know-How: «Wir waren nicht in der Lage, unsere Gruppe richtig zu managen. Darüber hinaus fand innerhalb der Gruppe kein Austausch statt – wir lernten nicht viel.» Im Laufe des Projekts lernten wir als Gruppe grundlegende Managementfähigkeiten wie zum Beispiel das Einteilen von Finanzen, wie man richtig spart und wie man seine Produkte bewirbt. Um das Gelernte festzuhalten und ihre Produktion voranzutreiben, erstellte die Gruppe gemeinsam einen Produktionsplan. 

Munamati ist sehr zufrieden mit den Fortschritten. «Jetzt sind wir in der Lage, unsere Gruppe richtig zu leiten und sogar mit externen Interessenvertretern zusammenzuarbeiten, um Türen zu öffnen», erzählt sie freudig. Die Produktionsgruppe entwickelt sich laufend weiter: In diesem Jahr reichte sie bei der Gemeindeverwaltung von Tila ein Projekt ein, das die Wasserversorgung verbessert und gleichzeitig besonders benachteiligte Menschen unterstützt, die in den Wasserpumpanlagen arbeiten. Das Gemeindebüro sicherte der Gruppe eine Budgethilfe von 500’000 NPR (3845 CHF) zu. Ein grosser Erfolg für Munamati und ihre Kollegen!

Jumla Sinja, Nepal: Eine Produktionsgruppe lernt wichtige Managementfähigkeiten.Munamati und ihre Gruppenmitglieder lernen wichtige Managementfähigkeiten, um sich auf dem Markt behaupten zu können.

World Vision Schweiz unterstützt im Entwicklungsprojekt Jumla-Sinja die Bäuerinnen und ihre Familien durch Hilfe zur Selbsthilfe. Ihre Hilfe verändert das Leben der Kinder und Familien in dieser abgelegenen Bergregion. Jetzt Dorfpatenschaft übernehmen!
 

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