Mit Seife, ohne Bankkonto: Sparen mal anders

3. September 2020

Ein Mann und seine Tochter ernten Kaffeebohnen von einem Kaffeestrauch.

Janeth und ihr Vater bei der Kaffeebohnenernte. Dank ihrer Spargruppe, kann sich Janeth Geld für ihre Ausbildung beiseitelegen.

Text: Elissa Webster, World Vision International

Die Gespräche in der Chongwe-Spargruppe sind anders als sonst üblich: Statt Dollars und Cents sind Händewaschen und Hygiene die heissen Themen, wenn sich die Gruppe im Süden Sambias – mit genügend Abstand - auf Matten unter den Bäumen versammelt.Aber selbst jetzt, da die Mitarbeitenden von World Vision erklären, wie wichtig das Händewaschen ist, um die Ausbreitung von COVID-19 zu verhindern, können diese Unternehmerinnen in den Herausforderungen Chancen sehen. Ihr Dorf braucht Seife, und sie können sie herstellen.

Der Verkauf wird ihnen helfen, ihre Familien weiterhin zu versorgen. Noch besser ist, dass die Ersparnisse, die die Gruppe im Laufe des letzten Jahres zurückgelegt hat, jedem von ihnen ein finanzielles Sicherheitsnetz für schwierige Zeiten bietet – und für viele wird dies entscheidend sein, die COVID-19-Krise zu überstehen.

Einige afrikanische Frauen stellen Seife mit einfachen Kochtöpfen her.

Die Spargruppe Chongwe in Sambia stellt Seife für die Corona-Prävention in ihrem Dorf her.

Die Kraft des Sparens

Auf der ganzen Welt haben schätzungsweise 1,7 Milliarden Erwachsene keinen Zugang zu Bankdienstleistungen. Das macht es schwer zu sparen, und einen Kredit zu erschwinglichen Zinsen aufzunehmen – sei es für Notfälle oder für den Aufbau eines Unternehmens – ist fast unmöglich. Erschwerend kommt hinzu, dass die Arbeitslosenzahlen hoch sind und weiter steigen:Die Internationale Arbeitsorganisation ILO schätzt, dass im zweiten Quartal 2020 weltweit umgerechnet 400 Millionen Vollzeitarbeitsplätze verloren gingen. Gleichzeitig ist die finanzielle Allgemeinbildung gering, so dass viele Menschen in einem Kreislauf von Verschuldung und Verzweiflung stecken bleiben, der sich durch alle Lebensbereiche zieht.

Eltern können nicht immer Essen auf den Tisch bringen, ihre Kinder zur Schule schicken oder sie zu einem Arzt bringen, wenn sie krank sind. Sie können nicht für die Zukunft planen, und sie haben keinen Puffer, um den Schlag abzufedern, wenn die Krise zuschlägt.

Spargruppen können das ändern. Die Spargruppen, die als Teil vieler durch Patenschaften finanzierten Entwicklungsprojekten auf der ganzen Welt gegründet wurden, aber den Mitgliedern gehören und von ihnen geführt werden, ermöglichen es den Mitgliedern, in kleinem Umfang und auf nachhaltige Weise Zugang zu Ersparnissen und Krediten zu erhalten – und dabei Zinsen auf ihr Geld zu erhalten.

Eine Grafik erklärt, wie die Spargruppen strukturiert sind.

Die Spargruppen von World Vision ermöglichen den Mitgliedern den Zugang zu Ersparnissen und Krediten in kleinem Umfang und auf nachhaltige Weise.

Wie funktioniert das?

Es beginnt mit einem Sparset von World Vision: eine Sparbüchse und ein Vorhängeschloss, Notizbücher und Taschenrechner, dazu ein Handbuch und ein Ablaufplan, um es in ihrer Gemeinde einzuführen. Die Mitglieder weisen sich gegenseitig Rollen zu, und World Vision ermöglicht die Ausbildung in Rechnen und grundlegenden Finanzfähigkeiten wie Budgetierung.

Die Mitglieder zahlen mindestens einmal im Monat einen kleinen Betrag ein und leihen Geld aus dem Sparpool, um einkommensschaffende Aktivitäten auf- oder auszubauen. Diese Darlehen werden mit Zinsen an die Gruppe zurückgezahlt, und nach 12 Monaten werden die Einlagen mit ihrem Anteil an den von der Gruppe erwirtschafteten Zinsen an die Mitglieder zurückgezahlt. 

Eine afrikanische Frau verkauft einer anderen Frau Gemüse an einem Marktstand.

Salima (links) konnte dank ihrer Spargruppe ihren Gemüse-Marktstand in Tansania erweitern.

Auf der ganzen Welt gibt es 54’400 Spargruppen und 1,3 Millionen Mitglieder von Spargruppen, die an Programmen von World Vision teilnehmen. Und da die Hauptlast von COVID-19 die Länder trifft, die bereits gegen Armut kämpfen, diejenigen ohne Konjunkturprogramme und staatliche Unterstützungspakete, machen diese Spargruppen für ihre Mitglieder einen grossen Unterschied.

Sie haben schnellen Zugang zu Notfallbargeld, aber noch mehr als das: Sie verfügen über Geldmanagementfähigkeiten, eine Einkommensquelle, die es zu schützen und wieder aufzubauen gilt, ein Netzwerk von Mitunternehmern zur Unterstützung, eine Stimme in der Community, Vertrauen in finanzielle Entscheidungen und einen Grund zur Hoffnung, den Sturm überstehen zu können.

Spargruppen sind eine Möglichkeit, wie Patinnen und Paten Kindern und ihren Familien helfen, aus dem Kreislauf der Armut auszubrechen und mit den Auswirkungen von COVID-19 fertig zu werden. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 

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