Menschenhandel: Vom Opfer zum Vorbild

28. Juli 2017

Mädchen in Bangladesch an einem Fluss

Sonali wurde Opfer von Menschenhandel. 9 Tage verbrachte sie in Gefangenschaft, bevor sie freigelassen wurde.

Es war im Januar 2014, als die damals 13-jährige Sonali* auf ihrem Schulweg unerwartet ihre Tante traf. Diese sprach sie an und überzeugte das Mädchen davon, an diesem Tag nicht zur Schule zu gehen. Stattdessen sollte sie mit ihr an einen «schönen» Ort mitkommen, wo sie «spannende» Dinge erleben könne. Wie sich herausstellte, war dies eine Falle: Sonali wurde gefangengenommen und sollte von einem Bordellbesitzer ins Ausland verkauft werden, um als Sexsklavin zu arbeiten.

Hohe Dunkelziffer
Sonali wurde also ein Opfer von Menschenhandel. Leider ist das Mädchen damit bei weitem nicht alleine. Weltweit werden jedes Jahr Millionen von Menschen verkauft und als Arbeitssklaven oder in der Sexindustrie eingesetzt oder anderweitig missbraucht. Zahlen über das tatsächliche Ausmass fehlen – zu viel läuft im Verborgenen ab, gerade im Zuge globaler Migrationsbewegungen. Laut dem neuesten Menschenhandelsbericht der USA, dem sogenannten TIP-Report (Trafficking in Persons Report), wurden in Sonalis Heimat Bangladesch im letzten Jahr 355 Opfer identifiziert. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. Der Menschenhandelsbericht des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) 2016 zeigt, dass alleine in Ländern West- und Südeuropas Opfer aus über 137 Nationen ausfindig gemacht wurden. Menschenhandel findet also praktisch überall statt – auch in der Schweiz.

World Vision setzt sich in seiner Arbeit für die Rechte und den Schutz von Kindern ein. In den langfristigen Entwicklungsprojekten sind Massnahmen dazu in die reguläre Arbeit integriert. So unterstützen Spender mit einer Kinderpatenschaft zum Beispiel lokale Kinderschutz-Mechanismen, welche Kinder vor den Fängen von Menschenhändlern schützen. In Georgien greift World Vision dank mobilen Teams Strassenkinder auf und bringt sie in Tagesstätten unter. In Bangladesch werden religiöse Leiter und Polizisten im Bereich Kinderschutz geschult.

Nach 9 Tagen endlich wieder frei
Als Sonali in Gefangenschaft geriet, hatte World Vision in der Region, in der sie lebte, gerade ein Projekt initiiert, um die Verletzlichkeit von Kindern in Bezug auf Menschenhandel, Missbrauch und Ausbeutung zu verringern. Die Meldung über Sonalis Verschwinden wurde sofort rapportiert. World Vision nahm mit der lokalen Polizei und Journalisten Kontakt auf; eine Vermisstenmeldung wurde aufgegeben. Auch die Familienangehörigen machten enormen Druck. Und tatsächlich: Nach 9 Tagen in Gefangenschaft wurde Sonali von den Menschenhändlern freigelassen.

Das Mädchen war zwar in Freiheit, jedoch völlig traumatisiert und brauchte dringend psychologische Betreuung. Diese erhielt sie und ihre Familie von World Vision. Später setzte sich das Kinderhilfswerk auch dafür ein, dass Sonali wieder zur Schule gehen konnte, und rüstete sie mit den nötigen Schulunterlagen aus. Heute besucht das Mädchen die neunte Klasse und ist eine gute Schülerin. Letztes Jahr hat sie sogar bei einer Zwischenprüfung die Höchstnote erzielt. So wurde sie zum Vorbild für andere Betroffene von Menschenhandel. Die Regierung hat sie gar kürzlich zur besten «Joyeeta» gekürt – eine Anerkennung für aussergewöhnliche Mädchen oder Frauen, welche die Widrigkeiten ihres Lebens überwinden konnten. «World Vision hat mein Leben verändert», sagt Sonali. «Sie haben mir den Weg geebnet für meine Zukunft.» Sie hofft, mit ihrer Geschichte anderen Überlebenden im südlichen Bangladesch helfen zu können.

*Name geändert

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