«MEINE ELTERN HABEN STEINE NACH MIR GEWORFEN»

27. Februar 2020

Bolivien: Eine junge Frau mit Zöpfen steht vor einem im Bau befindlichen Haus und hält ihre Tochter, ein 3-jähriges Kind, an der Hand.

RUFINA WILL IHRE 3 JAHRE ALTE TOCHTER MIT LIEBE UND FÜRSORGE ERZIEHEN STATT MIT SCHLÄGEN.

Text: Emile Stricker, Projektverantwortlicher Bolivien, World Vision Schweiz

Darf ich vorstellen: Das ist Rufina, 20 Jahre alt, mit ihrer 3-jährigen Tochter Ruth Jasmi. Sie wohnt in Bombori, einem Dorf im Andenhochland von Norte Potosí auf 3'800 Metern. Bombori gehört zu unserem Projekt Sumaj Muju. Nur etwas mehr als 1'000 Menschen wohnen hier. Trotzdem ist Bombori vielen in Bolivien bekannt, weil jedes Jahr im Juli Tausende von Pilgern dort hinauf wandern. 

Eine junge Frau mit Zöpfen und Schürze steht auf einer Bühne am Mikrophon und spricht. Neben ihr ein kleines Mädchen. Im Hintergrund Plakate zum Thema Kinderschutz.RUFINA ERZÄHLT AUF DER BÜHNE DES GEMEINSCHAFTSZENTRUMS IHRE EIGENE GESCHICHTE. ALS SIE KIND WAR, WAREN SCHLÄGE GANZ NORMAL.

Gegen die alltägliche Gewalt in der Kindererziehung
Wenn es um Kinderziehung geht, setzen viele Eltern in den abgelegenen Regionen Boliviens auf körperliche Strafen – Gewalt gegen Kinder ist üblich und entspricht dem traditionellen Erziehungsstil. Der harte Alltag lässt kaum Platz für die Bedürfnisse der Kinder, die den Eltern oft gar nicht wirklich bewusst sind. Sie selbst sind als Kinder mit körperlicher Gewalt erzogen worden und kennen dazu meist keine Alternative. World Vision setzt daher im Kampf für die Kinderrechte auf Aufklärung, Sensibilisierung und konkrete Hilfe durch Workshops. Der Elternkurs, den Rufina bei World Vision besuchte, hat ihr Leben verändert. 

Eine Erziehung, die auf Zärtlichkeit aufbaut? Für viele Eltern war das neu, sie hatten Angst, ihre Kinder würden dadurch verweichlicht. Rufina selbst erlebte eine Erziehung durch Schläge: «Meine Eltern haben auch Steine nach mir geworfen», sagt sie. «Sie haben mir nie gesagt, dass sie mich gerne haben, dass sie sich für mich interessieren.» 

In den Kursen von World Vision lernen Eltern, wie wichtig es ist, dass sie ihre Kinder umarmen und einen Kuss mit auf den Weg geben, wenn sie zur Schule gehen und von dort zurückkommen. 

Bolivien: Zwei Frauen mit Zöpfen diskutieren vor einem Plakat. Im Hintergrund eine weitere Mutter mit einem Kleinkind auf dem Arm.IN EINEM ROLLENSPIEL MIT ANDEREN ELTERN ZEIGT RUFINA, DASS GEWALT IN DER KINDERERZIEHUNG NICHTS ZU SUCHEN HAT.

Überzeugte Eltern als Multiplikatoren
«Wir sind sehr dankbar für diese Kurse», sagt Rufina, «sie helfen uns sehr. Dadurch ist es uns erst so richtig bewusstgeworden, dass wir Eltern anders mit unseren Kindern umgehen sollten.» Bald wird Rufina diese Kurse selbst leiten und damit weitere Eltern erreichen. World Vision will mit diesen Angeboten für Eltern dem traditionellen Machismo begegnen, welcher glaubt, Eltern würden mit Härte und Gewalt starke Kinder heranbilden. Und indem Rufina und andere Eltern selbst die Leitung der Kurse übernehmen, kann dieser Gesinnungswandel in der Erziehung nachhaltig vorankommen. 

Rufina war selbst einst Patenkind und wurde von World Vision unterstützt, als sie von ihren eigenen Eltern geschlagen wurde. 

Kinderrechte und Kinderschutz sind uns #NICHTEGAL. Mit einer Patenschaft unterstützen Sie unsere Arbeit in Bolivien und rund um die Welt.

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