Meghan Markle: Potenzial junger Mädchen wird vergeudet

10. März 2017

US-Schauspielerin und World Vision-Botschafterin Meghan Markle und indische Frauen.

Menstruation darf kein Tabu-Thema sein! US-Schauspielerin und World Vision-Botschafterin Meghan Markle besuchte in Indien Frauen eines Mikrofinanzsystems, die hygienische Binden produzieren.

Die in Mumbai und Delhi gesammelten Erfahrungen und Eindrücke hat sie nun in einem bewegenden, persönlich für das «Time Magazin» verfassten Bericht verarbeitet. Lesen Sie hier Auszüge aus dem Essay:

«Stellen Sie sich eine Welt vor, in der weibliche Führungskräfte, die wir verehren, nie ihr volles Potenzial ausgeschöpft hätten, weil sie mit 13 Jahren von der Schule gegangen sind. In der westlichen Welt kann man sich das kaum ausmalen, aber für Millionen von jungen Frauen weltweit ist dies harte Realität.

Von Afrika südlich der Sahara bis nach Indien, Iran und in einigen anderen Ländern hindern das Stigma um die Menstruation und der Mangel an Zugang zu einer ordnunggemässen Abwasserentsorgung junge Frauen direkt daran, eine Ausbildung zu verfolgen.

Basierend auf der gesellschaftlichen Schande in den Entwicklungsländern bleiben die Scham, die die Menstruation umgibt und die dadurch entstehende Barriere zu Bildung für Mädchen ein gedämpftes Gespräch. Folgedessen fassen auch Politik und Öffentlichkeit das Thema nicht an. Die ehemalige First Lady Michelle Obama ermutigte im April 2016 verschiedene NGOs, politische Reformen und Programme zu fordern, doch das Thema bleibt vernachlässigt.

Im Januar reiste ich zusammen mit World Vision nach Delhi und Mumbai, um Mädchen und Frauen kennenzulernen, die direkt vom Stigma um die Menstruation betroffen sind, und zu lernen, wie es deren Bildung beeinträchtigt. Alleine in Indien laufen 113 Millionen Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren Gefahr, deswegen von der Schule zu gehen.

Während meiner Zeit in Indien haben mir viele Mädchen erzählt, dass sie sich schämen, während ihrer Periode in die Schule zu gehen, schlecht ausgestattet mit Lumpen statt mit Binden, nicht in der Lage, am Sport teilzunehmen und ohne Toiletten, um sich selber versorgen zu können. Deshalb entscheiden sich viele, die Schule fallenzulassen. Wegen der Tabuisierung gibt es nur minimale Dialoge zum Thema Menstruation und Hygiene in der Schule sowie zu Hause. So glauben viele Mädchen, dass ihr Körper von bösen Geistern befallen sei, oder dass sie einmal im Monat verletzt würden. Das ist die schamerfüllte Realität, die sie schweigend aushalten. Alle diese Faktoren zementieren den Kreislauf der Armut und hemmen den Traum eines jungen Mädchens von einer fruchtbaren Zukunft.

Wenn ein Mädchen die Schule wegen ihrer Periode verpasst, wirft sie das gegenüber ihren männlichen Mitschülern um 145 Tage zurück. Ein Rückschlag, der die meisten dazu bewegt, die Schule zu verlassen. Sie kehren zurück nach Hause, unterwerfen sich gefährlicher Arbeit, sind anfällig für Opfer von Gewalt und am häufigsten droht ihnen die Frühheirat.

Um diese Probleme zu beheben, brauchen junge Mädchen Zugang zu Toiletten und Hygiene-Pads. 23 Prozent der Mädchen in Indien fallen aus der Schule, weil diese Faktoren nicht gegeben sind. Während meiner Zeit in den Slumgemeinden ausserhalb von Mumbai habe ich Frauen getroffen, die Teil eines Mikrofinanzsystems sind, in dem sie Damenbinden herstellen und diese innerhalb der Gemeinschaft verkaufen. Namensgeber der Organisation «Myna Mahila Foundation» ist der sprechende Vogel («Myna»), und «Mahila» bedeutet Frau. Der Name erinnert uns daran, dass wir Frauen darüber sprechen müssen. 99 Prozent der Angestellten von Myna Mahila leben und arbeiten innerhalb der Slums und schaffen ein System, das, wie der Friedensnobelpreis-Kandidat Dr. Jockin Arputham mir erklärt hat, der Schlüssel zum Bruch des Armutszyklus‘ und damit der Zugang zu Bildung ist. Darüber hinaus öffnet die Arbeit der Frauen den Dialog der Menstruationshygiene in ihren Häusern, befreit sie von stillem Leiden und rüstet ihre Töchter aus, um zur Schule zu gehen.

Auch jenseits von Indien, in Gemeinschaften auf der ganzen Welt, wird Potenzial junger Mädchen vergeudet, weil wir zu schüchtern sind, über die natürlichste Sache der Welt zu sprechen. Wir müssen diese Konversation vorantreiben, Menstruationsgesundheitsinitiativen und Organisationen unterstützen, die die Erziehung von Mädchen von Grund auf ihn ihren eigenen Häusern fördern.

Wenn wir Mädchen stärken, die sich nach Bildung sehnen, bilden wir Frauen aus, die dazu ermutigt werden, Veränderungen in ihren Gemeinschaften und weltweit hervorzurufen.

Wenn das unser Traum für sie ist, dann muss dieses Versprechen bei uns beginnen.»

Diesen Beitrag teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Indien: Ein Mädchen hält ein Bild eines Mannes in der Hand und schaut in die Kamera.

12. Dezember 2021

#hoff­nungs­schim­mer – Ash­mi­tha: Von der Co­vid-Wai­sen zum Pa­ten­kind

Die 9-jährige Ashmitha freut sich auf das neue Jahr, und ihr einziger Wunsch ist ein Jahr 2022 ohne Lockdown. Sie möchte sich einfach nur normal fühlen - zum ersten Mal seit langer Zeit.


Laos: Eine Frau hockt vor einem laufenden Wasserhahn. Vor ihr steht ein kleiner Junge, dessen Hände sie mit ihren unter den Wasserhahn hält und sie wäscht. Beide blicken dabei in die Kamera.

1. Oktober 2021

Das neue Nor­mal: Hän­de­wa­schen für ei­ne ge­sun­de Zu­kunft

Seit nun fast zwei Jahren ist Corona ein fester Bestandteil unseres Alltags. Obwohl es immer weniger Einschränkungen gibt, ist die Präsenz des Virus in unserem Leben immer noch spürbar. Abstand halten und Masken tragen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ebenso wie die regelmässige Handhygiene – wir haben gelernt, dass regelmässiges und intensives Händewaschen uns nicht nur vor dem Coronavirus schützen kann.


Indien: Vater und Sohn haben sich mit Covid-19 infiziert.

31. Mai 2021

Co­vid-19: Zer­reiss­pro­be für ei­ne Fa­mi­lie

Die Pandemie gefährdet nicht allein die Gesundheit. Die Nachbeben der ersten und jetzt der zweiten Welle bedrohen auch die Existenz und den Lebensunterhalt ganzer Familien – und vor allem die Zukunft ihrer Kinder.


Von links nach rechts: Sufian, Sohail und ihre Mutter Nilofer beim Essen in ihrer Wohnung.

17. Mai 2021

In­di­en: ein Stig­ma, das tö­tet

Suleiman* erkrankt an Corona und wird wieder gesund. Doch nur wenige Wochen später stirbt er und das nicht am Virus. Es ist das Stigma, das den Virus begleitet. Er lässt seine Frau Nilofer* und seine beiden Söhne Sufian* und Sohail* zurück. Die Geschichte einer Familie, deren Leben durch ein Virus zerbricht.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
World Vision Schweiz
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  Bank: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen