Mali: Was Bäume mit Frieden zu tun haben

20. Februar 2020

Afrika, Mali: Ein Ehepaar blickt lachend in die Kamera. Sie tragen beide bunte, traditionelle Kleider. Hinter ihnen steht ein grüner Baum.

MAKAN UND SEINE FRAU MAIMOUNA GLAUBEN, DASS EIN FRIEDLICHES MITEINANDER AUCH DER WIEDERBEGRÜNUNG DIENT.

Text: Iris Manner, World Vision Deutschland

Viele Dorfgemeinschaften im Sahel-Staat Mali haben seit einigen Jahren kaum mehr Frieden erlebt. Der Klimawandel verschärft die Situation in dem ohnehin schon sehr trockenen Land. Immer wieder kommt es zwischen Bauern und Viehhirten zu Konflikten um knapper werdendes Weideland und Wasser. In Gouba Inna, einem Dorf mit mehr als 3’300 Einwohnern im Westen Malis glauben die Bewohner aber, dass sie endlich eine Lösung für eine friedliche Entwicklung ihrer Region gefunden haben.

Die Menschen hier ernähren sich in erster Linie von Landwirtschaft, Viehzucht und Kleingewerbe. Wie in vielen ländlichen Regionen Westafrikas leben ausserhalb der Erntezeiten vor allem Frauen und Kinder in den Dörfern, denn die Männer gehen eigene Wege, und viele zieht es in die Städte. Nicht so Makan.

Der erste Aufforsterer
Makan ist Pionier für Aufforstung in seinem Dorf. Er beteiligt sich an einem Projekt zur Förderung ökologischer Landwirtschaft und Renaturierung (FMNR), das von World Vision ins Leben gerufen wurde. Der 44-Jährige ist begeistert von der einfach zu erlernenden Methode, aus heimischen Wurzeln neue Bäume zu ziehen. Er hat die positiven Wechselwirkungen zwischen Naturschutz und Landwirtschaft erkannt. «Vor fünf Jahren wurde uns auf einer Versammlung der Dorfgemeinschaft die Technik und das Konzept der ökologischen Landwirtschaft vorgestellt», erzählt Makan. «Ich war der erste, der diese Praxis in unserem Dorf umsetzte.»

«Anfangs waren viele Bauern skeptisch und da niemand gezwungen wurde, die Methode umzusetzen, waren wir zunächst nur wenige. Doch im Laufe der Zeit gab es immer mehr Kollegen, die sich überzeugen liessen.»

Heute praktizieren in Gouba Inna alle Haushalte in einem Gebiet von 100 Hektar die natürliche Wiederaufforstung. Die Praxis habe zu erheblichen Verbesserungen der Getreideernte geführt. Das Land sei nun wieder fruchtbar, auch dank der Akazienbäume. Diese werfen genau zu dem Zeitpunkt ihre Blätter ab, an dem die Bauern mit der Aussaat beginnen. Die Blätter dienen dann als natürlicher Dünger.

Die Mitglieder des Ökolandbau-Projekts haben sich nun in einer Kooperative zusammengeschlossen. Im Wechsel sind sie für den Schutz der Wälder und Felder zuständig.
«Im Januar 2018 kamen Hirten aus einem Nachbardorf auf unsere Felder und fällten unsere Bäume, die wir mit FMNR wieder hochgezogen hatten», erzählt Makan. «Sie wollten Zäune für ein Tiergehege bauen.» Die Hirten hätten gewusst, dass die Bäume geschützt waren, erläutert Makan. Sie wollten ihn schlagen, als er ihnen erklärte, dass diese nicht gefällt werden dürften. «Ich wendete mich daraufhin an die anderen Mitglieder der Kooperative und den Bürgermeister der Gemeinde.» Gegen die Baumfäller wurde eine hohe Geldstrafe verhängt.

Frauen haben weniger Streit um Wasser und Nahrung
Nach dieser Erfahrung gründeten die Dorfbewohner eine Gruppe, die sich auch um Konfliktfälle kümmern und an friedlichen Lösungen arbeiten sollte. Zusätzlich wurden Spargruppen ins Leben gerufen, in denen sich sowohl die Frauen der Bauern, als auch die der Hirten heute regelmässig treffen. «Früher hätten diese beiden Frauengruppen unmöglich in einem Raum zusammensitzen können», betont Maimouna, Makans Ehefrau. «Besonders unter den Frauen sorgte der konstante Mangel an Wasser und Nahrungsmitteln für ständigen Stress.» Heute würden alle zusammenarbeiten und gemeinsam Problemlösungen suchen. Jetzt gebe es genug für alle und die Frauen beeinflussten ihre Männer, respektvoll miteinander umzugehen. Etwa 100 Frauen beteiligen sich an den Spargruppen. Diese fördern den Kauf von angepasstem Saatgut, ihre Mitglieder arbeiten zusammen auf den Äckern und verkaufen ihre Produkte auf den Märkten. Die Situation der Familien und der Kinder hat sich in der Region massiv verbessert.

Afrika, Mali: Ein Gruppe Frauen tanzen Hand in Hand. Sie tragen bunte, traditionelle Kleidung und lachen.

Makan erklärt stolz: «Wir forsten Wälder wieder auf mit der FMNR-Methode. Dadurch konnte die Bodenerosion gestoppt werden. Gemeinsam besprechen wir, wann wir aussäen und wann wir ernten und wir benutzen nun energieeffiziente Kochöfen. Durch alle diese Massnahmen konnten wir unsere Gemeinschaft immer weiter entwickeln.» Aber am wichtigsten sei, dass die Dorfbewohner Lösungen entwickelt hätten, um nachhaltigen Frieden zwischen Bauern und Viehhirten herzustellen, betont Makan.

Die Wiederbegrünung verwüsteter Böden rettet Lebensgrundlagen und damit die Zukunft der Kinder. Mit Ihrer Spende für unser FMNR-Projekt machen Sie unseren Planeten grüner und gesünder: Jetzt spenden!
 

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