Mali: Leiden und Leben mit FGM

4. Februar 2020

Kimparana, Mali: Ein Mädchen steht barfuss auf sandigem Grund. Man sieht nur ihre Füsse und Beine. Auf dem Bild steht geschrieben: Mädchenbeschneidung ist #NICHTEGAL.

FGM WIRD NOCH HEUTE IN ÜBER 30 LÄNDERN PRAKTIZIERT.

Text: Francine Obura, World Vision

«Als ich zehn Jahre alt war, wurde ich mit einigen Mädchen meines Alters an einen 'geheimen Ort' gebracht», erzählt Binta. Sie habe so laut geschrien wie sie konnte. Doch das half nichts. «Als ich meine Augen öffnete, lag ich in meinem eigenen Blut.» Bintas Mutter war glücklich, als ihre Tochter die Augen öffnete. Sie und die älteren Frauen um sie herum, die bei der Prozedur dabei waren, glaubten, dass ihr Leben nun gerettet sei. Grossmütter, Väter, Grossfamilien und Gemeindeleiter zwingen Mädchen und junge Frauen dazu, beschnitten zu werden, damit sie in ihrer Gesellschaft als «sauber» und «ehebereit» gelten. Wer nicht beschnitten ist, gilt als unrein und wird oft auch von der Gesellschaft verstossen.

Aber für Binta war nichts mehr wie zuvor. «Vier Tage lang konnte ich wegen der Schmerzen und der Blutung nicht laufen», erinnert sie sich. Die Blutungen wollten nicht recht stoppen, sodass sich Binta einer Behandlung unterziehen musste, die Heilung bringen sollte, es aber nicht tat.

Schwere Last

Binta hatte häufig starke Schmerzen, leidete an Furunkeln, Juckreiz und seelischen Schmerzen. Anvertrauen konnte sie sich niemandem. Sie trug ihre Last schweigend. Ihr Leben hatte sich seit dem Tag am «geheimen Ort» drastisch verändert.

Mit 20 Jahren wurde Binta verlobt. «Plötzlich begann ich wieder zu hoffen und zu träumen.» Binta träumte von Kindern und einer eigenen Familie. Als ihr Verlobter aber entdeckte, was die Genitalverstümmelung bei Binta angerichtet hatte, verschwand er. «Ich kann nicht mehr sagen, welcher Schmerz mehr weh tut. Der körperliche oder der seelische», sagt Binta.

Binta ist heute 27 Jahre alt. «Mädchen in meinem Alter sind verheiratet und geniessen das Glück, Mutter zu sein. Ich werde nie wissen, was es heisst geliebt zu werden oder schwanger zu sein.» Sie lebe in einem Alptraum und wisse nicht, ob sie je daraus erwachen werde.  

Das Leiden Jahre danach

Die Behandlung all der Spätfolgen von FGM (Female Genital Mutilation – weibliche Genitalverstümmelung) ist kostspielig. Bintas arme Eltern haben Ziegen und Getreide verkauft, um Medizin und Behandlungen für Binta zu ermöglichen, die aber leider nur wenig nützen. «Meine Mutter ist oft still. Ich sehe ihr an, wie sehr sie die Tat vor so vielen Jahren bedauert.» Auch heute noch sind Bintas Schmerzen oft so stark, dass sie Tage lang nicht laufen kann. «Ich bete, dass diese traditionelle Praxis eines Tages ein Ende hat und dass kein junges Mädchen mehr durchmachen muss, was ich erlebt habe.»

Gemeinsam gegen FGM

Binta lebt in Kimparana, Mali. In ihrer Region führt World Vision Sensibilisierungskampagnen zur Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung durch. Im vergangenen Jahr berührten die Aktionen von World Vision die Herzen von Diawara und Dembele, zweier alter Frauen, die früher Genitalverstümmelung praktizierten. Während einer Advocacy-Kampagne, an der der Bürgermeister von Kimparana, der stellvertretende Gemeindevorsteher, Frauenverbände und traditionelle Führerinnen teilnahmen, sprachen sich die beiden Frauen öffentlich gegen die traditionelle Praxis aus, da sie selbst den Schaden sehen, der damit im Leben von Mädchen wie Binta verursacht wird. Sie riefen die Frauen in ihren Gemeinden auf, sich dagegen einzusetzen. Diawara und Dembele sicherten World Vision ihre Unterstützung zu, eine Kampagne zu führen, die sich für Null-Toleranz gegen FGM einsetzt.

Kein Mädchen darf leiden und missbraucht werden. Die grausame Praktik der weiblichen Genitalverstümmelung ist uns #NICHTEGAL. Wir kämpfen weltweit für die Rechte und das Wohl von Mädchen in Not. Gib ihnen als Kindheitsretter ein Stück Kindheit zurück.

 

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