«Liebe Erwachsene, den Klimawandel zu ignorieren, ist nicht der richtige Weg»

30. April 2022

Mongolei: Eine junge Frau setzt sich gegen den Klimawandel ein.

«Alter bedeutet nicht, dass ich nur über Probleme rede und nichts dagegen unternehme», erklärt Nomudari und ist sich bewusst, das Worte nicht alles sind.

Text:  Nomudari, Klimaaktivistin, Jungedanwältin und World Vision-Botschafterin

Als 16-jährige Jugendanwältin ist Nomudari nicht nur ein aktives Mitglied des World Vision-Kinderclubs, sondern auch Mitglied des internationalen «Child Advisory Council» bei Child Rights Connect, dem beratenden Kindergremium des UN-KRK-Ausschusses. Nomundaris Leidenschaft für den Klimawandel hat sie dazu gebracht, vor der UNO zu sprechen, und sie hat den Dialog «Let Our Voice Be Heard» zwischen Kindern und der mongolischen Regierung über die Auswirkungen von Covid-19 auf die am meisten gefährdeten Mädchen und Jungen Asiens moderiert.

In der Mongolei ist der Klimawandel kein Thema, über das man gerne spricht. Das meiste, was die Menschen wissen, ist, dass sich die Erde erwärmt. Ich zitiere: «Wir könnten bald sterben, aber das sind vielleicht falsche Nachrichten, denn wenn es ernst wäre, hätten wir schon etwas gehört, genau wie bei Covid-19!» Das sagten mir meine Mitschüler/-innen und sogar einige Erwachsene, als ich sie zum Klimawandel befragte. 

Bewusstsein für die Klimakrise schärfen

Junge Führungskräfte versuchen jedoch ihr Bestes, um das Bewusstsein für die Klimakrise und ihre Auswirkungen auf uns, unsere Familie und Freunde zu schärfen. Aber wir brauchen noch mehr Informationen. Nur dann können wir entscheiden, ob wir uns neue Gedanken machen und neue Ideen entwickeln müssen, oder ob wir weiterhin die bereits gefundenen Ideen vorschlagen sollen.

Es gibt Dinge, die wir alle selbst tun können, wie z. B. umweltbewusst zu leben und Bäume zu pflanzen. Aber die Begrenzung der Emissionen erfordert politische Bewegungen und Politiker/-innen müssen handeln. Kürzlich hat der Präsident der Mongolei die Bürger dazu aufgerufen, Bäume zu pflanzen. Das löste bei den Menschen unterschiedliche Gefühle aus. Meiner Meinung nach war das, was er getan hat, zwar zu klein, um das ganze Problem anzugehen. Aber zumindest hat er versucht, etwas zu tun. Dafür verdient er Anerkennung. Aber ich wünsche mir, dass er viel grössere und mutigere Entscheidungen trifft.

Kinder müssen den Schlamassel ausbaden

Wann immer ich mich äussere und sage, dass wir mehr Informationen und mehr Aktionen brauchen, kriege ich die übliche Antwort: Dass ich mich nicht in die Angelegenheiten der Erwachsenen einmischen und mich wie ein Kind verhalten soll. Diese Antwort erstaunt mich am meisten. Ehrlich gesagt würde ich mich gerne wie ein Kind benehmen. Gerne würde ich die Tage damit verbringen, mir nur Gedanken darüber zu machen, an welchem College ich mich bewerben soll oder ob ich meine Hausaufgaben gemacht habe oder nicht. Aber wenn man bedenkt, dass Erwachsene ihren Job nicht richtig machen, dann sind wir Kinder von den Folgen betroffen. Auch wenn wir selbst am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, sind wir diejenigen, die den Schlamassel ausbaden müssen.  

Wir müssen sofort damit beginnen, das Chaos aufzuräumen, das ihr angerichtet habt! Damit dies geschehen kann, müsst ihr zuerst das Pariser Abkommen umsetzen. Es wurde 2015 beschlossen und seitdem sind bereits sieben Jahre vergangen! Es heisst, dass die Länder «deutlich hinter dem Zeitplan» zurückliegen, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Auf der COP26 (UN Climate Change Conference) vom November 2021 wurden keine wirklich verändernden Entscheidungen getroffen. Experten sagen, dass das, was versprochen wurde, nicht ausreichen wird, um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, sondern dass sie sogar auf 2,4 Grad ansteigen könnte.

Es ist einfach nur peinlich. Sie haben sich verpflichtet, etwas zu tun, Sie haben sich ein Ziel gesetzt, Sie haben uns gesagt, wir sollen an Sie glauben. Doch das Ergebnis unseres Vertrauens ist dies.  

Dies ist die Zeile aus einem Blog, den ich letzten April geschrieben habe. «Wir müssen Wasser trinken, Nahrung zu uns nehmen und Luft atmen, um zu leben. Doch all das steht durch den Klimawandel auf dem Spiel. Besonders Kinder leiden darunter. 2019 hatte ich die Ehre, vor der UNO zu sprechen und den Staats- und Regierungschefs zu erklären, wie wichtig es ist, den Klimawandel anzugehen und auf die Kinder zu hören. Es ist jedoch frustrierend, dass sich zwei Jahre später nicht viel geändert hat.»

Die eigene Stimme erheben

Seitdem ist ein weiteres Jahr und eine Klimakonferenz vergangen. Ich habe fast mein ganzes Leben lang geredet, geschrieben, zugehört und mein Bestes getan, um die Menschen zu warnen und sie zum Handeln in Bezug auf den Klimawandel zu ermutigen. International mache ich das erst seit zwei Jahren. ­Wohlgemerkt, ich bin erst 16 Jahre alt. 

Aber mein Alter bedeutet nicht, dass ich nur über Probleme rede und nichts dagegen unternehme. Ich nehme an so vielen Veranstaltungen und Dialogen wie möglich teil, um meine Stimme zu erheben. Ich will eine Brücke zwischen Erwachsenen und Kindern schlagen, um Hilfe bitten und Ideen zur Verbesserung vorschlagen. An meiner Schule und an allen anderen Schulen, die sich dafür interessieren, arbeite ich daran, die Schüler über das Thema Klimawandel aufzuklären. Ich überzeuge sie davon, nachhaltige Praktiken wie Recycling und umweltbewusstere Entscheidungen zu treffen.

Kürzlich sagte mir jemand: «Je grösser die Verantwortung ist, desto mehr zögern sie.» Ich weiss, dass manche Entscheidungen politisch gefährlich sind − deshalb zögert ihr Politiker/-innen vielleicht, etwas zu unternehmen. Angst scheint die einzig vernünftige Antwort darauf zu sein, wie langsam die Dinge bei der Rettung des Planeten voranschreiten. Aber Sie müssen verstehen, dass wir die Chance verlieren könnten, wenn wir nicht jetzt sofort handeln.

Bitte lassen Sie uns diesen Zyklus auf der COP27 nicht wiederholen. Ich glaube, dass Erwachsene viel klüger und strategischer sind als wir Kinder. Sie müssen Ihre «mutige» Entscheidung, zu ignorieren, überdenken.

Ich freue mich auf Ihre aktiven Projekte und Aktionen in diesem Jahr. Ein frohes Mondneujahr (Tsagaan Sar) aus der Mongolei.

 

World Vision engagiert sich in diversen Projekten, um die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen. Unterstützen Sie uns dabei! 

 

 

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