KLIMASCHUTZ IN INDIEN: DA ANFANGEN, WO ES WIRKLICH HILFT!

3. September 2019

BRENNSTOFFSPARENDE KOCHHERDE SCHÜTZEN DIE WÄLDER VORM ABHOLZEN SOWIE MÜTTER UND KINDER VOR GIFTIGEM RAUCH.

Text: World Vision Indien / Barbara Mooser, World Vision Schweiz

Manchmal beginnt Umweltschutz tatsächlich am eigenen Herd: Wie viele arme Familien, befeuerten auch die Frauen im indischen Bezirk Lalitpur ihre Feuerstellen oder Kochherde mit Brennholz. Das ist wenig energieeffizient und zerstört die Wälder. Die Frauen und Kinder kostet es sehr viel Zeit, das Brennmaterial zu sammeln und zu allem Überfluss ist der Rauch extrem gesundheitsschädlich. Um das Leben für die Menschen vor Ort zu verbessern und gleichzeitig für einen sorgsamen Umgang mit den natürlichen Ressourcen zu sensibilisieren hat World Vision Indien gemeinsam mit Thomson Reuters eine grosse Klima- und Umweltschutzkampagne lanciert – mit überwältigendem Erfolg. In gemeinsamer Arbeit wurden nicht nur über 1000 brennholzsparende Kochherde verteilt und 10’000 Bäume gepflanzt, es wurde auch viel Aufklärungsarbeit betrieben –mit aktiver Unterstützung der Kinder und Jugendlichen vor Ort.

Neue Kochherde: weniger Holz und Rauch

Indien: Im inneren einer verrauchten Hütte messen zwei Männer in Jeans und weissen Hemden mit einem Emissionsmessgerät die Luftqualität.
EMISSIONSTEST: IN EINER 6-MONATIGEN TESTREIHE WURDE IN 20 HAUSHALTEN DIE LUFTQUALITÄT VOR UND NACH DEM EINBAU DER NEUEN KOCHHERDE GEMESSEN.

Eine der ersten Massnahmen war die Verteilung von 1200 energieeffizienten Kochherden an besonders bedürftige Haushalte. Die Aktion war ein voller Erfolg: Es konnte nicht nur der Brennholzbedarf um ganze 50 Prozent reduziert werden, auch die Rauchemission hat sich deutlich verringert. Besonders erfreulich: Weil die Mütter und Kinder nicht mehr Stunden mit dem Sammeln von Brennholz verbringen, bleibt mehr Zeit fürs Lernen. 

Raumluft-Test zeigt: deutlich weniger Gift im Haus
Die Frauen und Kindern litten überproportional oft unter Atemwegserkrankungen. Daher lag die Annahme nahe, dass daran der giftige Rauch Schuld war, dem die auswärtig arbeitstätigen Männer tagsüber deutlich weniger ausgesetzt sind. Diese These wurde an 20 Standorten mit acht Parametern getestet. Das Ergebnis: Bei fast allen Messungen lagen die Ergebnisse über den zulässigen Grenzwerten. Nach sechs Monaten mit den neuen Kochherden zeigte sich, dass die Luftverschmutzung bei allen gemessenen Werten (Feinstaub, Methan, CO, CO2, Schwefeldioxid, Stickoxide usw.) deutlich zurückging – beim Feinstaub um bis zu 25%.

Gemeinsam aktiv: 10'000 neue Bäume

Indien: eine Gruppe junger Mädchen pflanzt einen Setzling ein.
DORFKINDER HELFEN BEIM PFLANZEN VON GUAVE- UND ZITRONENBÄUMCHEN.

Die Flüsse und Dämme im Bezirk Lalitpur waren von den Wetterverhältnissen und der Bodenerosion stark in Mittleidenschaft gezogen worden. Um die Dämme zu befestigen und das Wasser im Boden zu speichern, aber auch um besonders armen Familien eine zusätzliche Nahrungsquelle zu verschaffen, hat World Vision eine Baumpflanz-Aktion umgesetzt: Fünftausend Familien bekamen je zwei Guave- und Zitronensetzlinge geschenkt. So wurden insgesamt 10’000 neue Bäumchen gepflanzt. Die Wiederaufforstung verhindert die Erosion von fruchtbarem Boden und schützt den Grundwasserspiegel.

Aufklärungskampagnen: Strassentheater, Vorträge und Wandbilder

Indien: Drei junge Männer in orangen Shirts mit Mikrophonen tragen auf der Strasse zwischen 2 strohgedeckten Hütten etwas vor. Viele Frauen, Männer und Kinder sitzen davor auf dem Boden uns hören zu.
EINE FREIWILLIGEN-TRUPPE FÄHRT VON DORF ZU DORF UND SENSIBILISIERT DIE BEVÖLKERUNG Z.B. MIT EINEM STRASSENTHEATER.

Natürlich reichen neue Kochherde und Bäumchen längst nicht aus, um den Raubbau an der Umwelt zu stoppen. Nachhaltige Erfolge sind nur mit der aktiven und ständigen Mithilfe der betroffenen Menschen möglich. Der zentrale Ansatz von World Vision bei allen Entwicklungsprojekten ist daher immer eine intensive Aufklärung – insbesondere mit aktiver Beteiligung der Kinder und Jugendlichen. 

In den Dörfern rund um Lalitpur machen junge Freiwillige in Rollenspielen und Strassentheater-Aufführungen auf die Gesundheitsgefahren sowie die Zerstörung der Wälder aufmerksam und zeigen verschiedene, einfach umzusetzende Wege zum Schutz von Land, Wald und Luft auf. Rund 3000 Menschen konnten so bereits überzeugt werden, verantwortungsvoller mit ihrem Wald, ihrer Luft und den Wasserressourcen umzugehen. Ausserdem machen an zentralen Orten Wandmalereien auf das Thema aufmerksam.

Indien: Ein buntes Wandbild an der weissen Mauer vor einer Latrine zeigt die Auswirkungen von Umweltschutz auf das Klima. Mehrere Männer gehen vorbei und schauen es sich an. 
DORT INFORMIEREN, WO JEDER MAL HIN MUSS: IM DORF RAMNAGAR SIEHT SICH DER BEZIRKSRICHTER EIN WANDBILD ZUM THEMA KLIMA AN.

Kinder als Klimabotschafter

Indien: Ein Junge hält ein aufgeschlagenes Übungsheft zum Ausmalen.
ÜBUNGSBUCH ZUM KLIMAWANDEL: MIT ÜBUNGSMATERIALIEN WIE DIESEN LERNEN KINDER WIE DER WALD DIE UMWELT BEEINFLUSST. 

Wenn es um grundlegende Veränderungen geht, spielen Kinder und Jugendliche eine entscheidende Rolle – denn sie sind es, die in der Zukunft leben müssen, für die heute die Weichen gestellt werden. World Vision hat deshalb ein «activity book» für Kinder im Alter von 10-12 Jahren herausgebracht.
In den verschiedenen Modulen und Übungen werden sie für den Umweltschutz sensibilisiert. Sie lernen die Bedeutung von Bäumen und Pflanzen für das Klima und Ökosystem, den wirtschaftlichen Nutzen und auch als medizinisches Heilmittel kennen. Tausende Kinder dieser Altersgruppe wurden so zu «Agenten des Wandels» und wirken als Botschafter für den Klima- und Umweltschutz in ihren jeweiligen Gemeinden. 

Indien: Eine Gruppe Kinder in Schuluniformen sitzt im Kreis auf einer ausgebreiteten Plane und sieht einem Lehrer zu, der etwas erklärt. 
IN DER GRUPPE LERNT SICH’S BESSER: KINDER WERDEN SPIELERISCH AN DIE UMWELTSCHUTZ-THEMATIK HERANGEFÜHRT.
 

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