Katastrophenvorsorge: Diese 5 simplen Strategien retten Leben

6. Oktober 2020

Gut vorbereitet: Diese Schülerinnen und Schüler in Thailand zeigen eine Karte mit sicheren Fluchtorten im Fall einer Katastrophe. Alternativer Text: Schülerinnen und Schüler in Thailand zeigen eine Karte mit sicheren Fluchtorten im Fall einer Naturkatastrophe.

Text: World Vision Schweiz

Stürme, Erdbeben, Überschwemmungen: Naturkatastrophen wüsten auch in Zeiten von COVID-19 weiter. Der Wiederaufbau zehrt an Ressourcen und Hilfsmitteln, die wegen der Pandemie schon völlig überlastet sind. Dazu steigt die Zahl der durch den Klimawandel ausgelösten oder verschärften Katastrophen. Deshalb ist es wichtiger denn je, Menschen zu zeigen, wie sie sich auf Katastrophen vorbereiten können – vor allem in Entwicklungsländern, denn dort kommen mehr als 90% aller durch Desaster ausgelösten Todesfälle vor.

World Vision ist weltweit in der Katastrophenvorsorge aktiv. Man kann einen Sturm nicht verhindern. Doch man kann sicherstellen, dass alle betroffenen Menschen rechtzeitig erfahren, dass ein Sturm auf sie zukommt, und wissen, wo sie Schutz suchen können. Unser Ziel ist, diese lebensrettenden Informationen effektiv und weitflächig zu verbreiten, und konkrete Schutzmassnahmen zu verwirklichen.

Hier sind fünf Strategien, die sich bewährt haben. Wie bei all unseren Projekten steht der Kinderschutz auch bei der Katastrophenvorsorge für uns im absoluten Vordergrund:

Schulungen und Informationskampagnen
In vielen Gemeinden sind die Hälfte aller Einwohner Kinder. Kinder sind bei Naturkatastrophen besonderen Gefahren ausgesetzt, sei es, weil sie verletzlicher und unerfahrener sind als Erwachsene, oder sei es, weil sie sich zum Zeitpunkt von Katastrophen oft in Schulgebäuden befinden, die nicht immer sicher und leicht evakuierbar sind. Deshalb ist es wichtig, dass Schulungen und Informationsveranstaltungen nicht nur Erwachsene erreichen.

Kinder müssen wissen, was sie im Notfall tun sollen. Wir bieten Schulungen an, in denen sie selber Evakuierungspläne und Rettungswege aufmalen und lernen, wie man sich im Ernstfall verhält. Sie können auch selbst zur Vorsorge beitragen, weil sie ihre eigenen Routine natürlich gut kennen. In einem unserer Berichte erklärt zum Beispiel ein Schuljunge aus El Salvador, dass Schulen die Erlaubnis der Eltern einholen sollten, damit Kinder zu Vorsorge-Veranstaltungen gehen dürfen. Diese ganz einfachen Schritte können dazu beitragen, dass eine ganze Gemeinde besser auf Katastrophen vorbereitet ist.

Eine Schülerinnen in Papua Neu Guinea steht vor einer Tafel und erklärt, wie man sich auf Katastrophen vorbereitet.In Papua Neu Guinea erklären Schüler und Schülerinnen ihren Gemeinden, wie man sich auf Katastrophen vorbereitet. World Vision unterstützt sie.

Frühwarnsysteme
Frühwarnsysteme wirken am effektivsten, wenn sie in robuste Kommunikationsnetzwerke und klare Risikoszenarien eingebettet sind. Das heisst zum Beispiel, dass sie lokale, regionale und internationale Entscheider erreichen und diese auch wissen, was die Information bedeutet, und wie sie auf sie reagieren sollten. Durch rechtzeitiges Eingreifen kann verhindert werden, dass eine einzelne Katastrophe zu einer humanitären Krise führt. World Vision arbeitet kontinuierlich an der Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen und schnellen Eingriffen.

Der Katastrophenschutz ist auch in unsere Patenschaftsprojekte integriert, zum Beispiel durch die World Vision-Kinderclubs. Die Kinderclubs werden durch Patenschaften finanziert, sind aber natürlich für alle Kinder. Durch sie werden lebensrettende Informationen an die Kinder weitergegeben, und dadurch oft auch an die weitere Gemeinde. So berichtet Ajay, ein ehemaliges Patenkind in Nepal: «Im Kinderclub haben wir gelernt, was bei einem Erdbeben zu tun ist. Das habe ich meiner Oma erzählt und sie hat überlebt.»

Lokale Respektspersonen gehören auch zu diesem wichtigen Kommunikationsnetzwerk. In Afrika halfen Pfarrer und andere Glaubensvertreter, die Bevölkerung über Ebola zu informieren. «Wir haben nicht geglaubt, dass es Ebola wirklich gibt. Unser Pfarrer hat uns dann aufgeklärt. Er hat mir das Leben gerettet», sagt Theresa, eine Ebola-Überlebende.

Sichere Schulen
Das von der UN entwickelte Comprehensive School Safety Framework (CSSF), eine umfassende Schutzstrategie für Schulen, beinhaltet klare, konkrete Massnahmen, um Schulen katastrophensicherer zu machen. Dazu gehört die Sicherheit der Gebäude an sich, aber auch der Einbezug von Informationen und Schutzmassnahmen in den Unterricht. Ausserdem sollten Pläne für ein alternatives, krisenfestes Bildungsangebot bestehen, damit eine Katastrophe den Kindern nicht alle Bildungschancen raubt.

Um diese Schutzstrategien zu nutzen, müssen Kinder aber zunächst einmal überhaupt in die Schule gehen. Deshalb ist der Katastrophenschutz ein weiterer Grund, weltweit allen Kindern und Jugendlichen eine Chance auf Bildung zu geben.

Dharamveer, ein Junge aus Indien, fasst es in so einem unserer Berichte zusammen: «Schulkinder haben bessere Informationen als andere Mitglieder ihrer Familie und als Kinder, die nicht zur Schule gehen. Menschen in Städten haben mehr Informationen als Menschen auf dem Land. Menschen, die mit NGOs zu tun haben, haben auch mehr Informationen über Disaster.»

Unser Ziel ist, allen Menschen den Zugang zu diesen lebensrettenden Informationen zu ermöglichen, egal, wo sie wohnen oder wie vernetzt sie sind.

Ein Lehrer in Papua Neu Guinea zeigt Kindern mit Bildern, wie man sich auf Katastrophen vorbereitet.
Achtung, Kokosnuss! Herr Palleng, ein Lehrer in Papua Neu Guinea, zeigt Kindern, wie sie sich vor verschiedenen Risiken schützen können.

Katastrophenresistenz
Wir unterstützen Gemeinden dabei, ihre Landschaften, Anbaumethoden und Wohnorte katastrophenresistenter zu gestalten. Dazu gehört der Bau von Deichen in Überschwemmungszonen und erdbebenfesten Häusern in Risikogebieten, aber auch die Pflanzung von Wäldern als Erosionsschutz, und die Umstellung auf dürreresistente Landwirtschaft in den entsprechenden Gebieten.

In Nord-Äthiopien unterstützte World Vision zum Beispiel den Bau von Deichen in Gemeinden entlang des Rib-Flusses, die jedes Jahr durch Überschwemmungen verwüstet wurden. Während der Regenzeit gingen durch die Überschwemmungen ganze Ernten verloren. Ganze Rinderherden wurden zerstört. Es folgten regelmässige Hungerkatastrophen. Der Deichbau und andere Massnahmen wie zum Beispiel der Bau einer Brücke unterbrachen diese Kette und vernetzten die Gemeinden miteinander. Damit wurde mehr als 49’000 Menschen in der Gegend nachhaltig geholfen. Die verbesserte Infrastruktur schaffte auch einen neuen Zugang zu Märkten und neuen Erwerbsmöglichkeiten.

Starke Netzwerke aufbauen
Robuste Netzwerke entstehen nicht von heute auf morgen. Um Katastrophen vorzubeugen und im Krisenfall zu helfen, müssen sie durch jahrelange Zusammenarbeit geschaffen und gestärkt werden. Das schafft Vertrauen und bildet widerstandsfähige Strukturen, die im Notfall sofort zum Einsatz kommen können.

Derzeit zeigt sich das in der COVID-19-Pandemie. In extrem kurzer Zeit richteten sich tausende von World Vision-Mitarbeitenden rund um die Welt auf diese neue Herausforderung ein. Das Coronavirus hat ihren Alltag komplett verändert. Sie führen die eigene Arbeit jetzt nur noch unter strikten Hygienemassnahmen durch, zeigen Kindern und Erwachsenen in Flüchtlingslagern das richtige Händewaschen, liefern Hilfspakete und schicken sogar ein schwimmendes Krankenhaus in entlegene Gegenden. World Vision unterstützt auch Familien mit Handy-Nachrichten, Radiosendungen und kreativen Lernmaterialien beim Home Schooling. Das ist alles nur möglich, weil unsere Mitarbeitenden intensiv in der Vorbereitung auf Katastrophen geschult wurden. Selbst in dieser völlig neuen, globalen Notsituation können sie auf Netzwerke und Massnahmen zurückgreifen, die sich in anderen Krisen bewährt haben.
 

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