Internationaler Tag der Migranten: Respekt geht durch den Magen

18. Dezember 2020

Eine Frau mit Haarnetz und Maske und ein Mann mit Kochmütze stehen gemeinsam an einem Küchentresen.

Tania aus Peru und Romulo aus Venezuela lernten sich bei der von Tania organisierten Essensausgabe kennen, wo der geflüchtete Romulo seine Mahlzeiten einnahm. Gemeinsam bereiten sie nun täglich Mahlzeiten für Migranten und Bedürftige in Lima zu.

Text: World Vision Schweiz

Wenn am 18. Dezember 2020 der Internationale Tag der Migranten gefeiert wird, gibt es nach aktuellen Erhebungen der Vereinten Nationen schätzungsweise 272 Millionen Migranten und Migrantinnen weltweit, Arbeitsmigration macht rund zwei Drittel dieser Zahl aus.

UN-Generalsekretär António Guterres erinnerte eindringlich im vergangenen Dezember an die Würde dieser Menschen: «Migranten sind wichtige Mitglieder der Gesellschaft. Sie tragen sowohl in ihren Heimatländern als auch in ihren Empfängerländern zum gegenseitigen Verständnis und zur nachhaltigen Entwicklung bei.»

Wie das Miteinander das Leben von Migrierten und Helfenden gleichermassen bereichert, zeigt die von World Vision betriebene Essensausgabe der Organisation «Esperanza de Jesus II» im Norden der peruanischen Hauptstadt Lima.

Von Juli 2019 bis Februar 2020 halfen World Vision Peru und Care Peru insgesamt 27 solcher Essensausgaben dabei, mehr als 150’000 Mahlzeiten an rund 8’500 Bedürftige zu verteilen. Das von USAID unterstützte Projekt half zusätzlich rund 26’000 Menschen mit Direkthilfen in Höhe von insgesamt 2 Millionen US-Dollar. Vielen von ihnen kamen aus dem krisengeschüttelten Venezuela, von wo seit 2016 mehr als 4,9 Millionen Menschen vor allem in die Nachbarländer auswanderten oder flüchteten. Dort begegnete man ihnen oft mit Fremdenfeindlichkeit und Ablehnung. 

Projekte wie die Essensausgabe sorgen darum nicht nur für das leibliche Wohl, sondern sind auch der Nährboden für neue Freundschaften und kulturellen Austausch zwischen Peruanern und Venezolandern: «Dieses Projekt war wirklich interessant, weil es die Lebensqualität der Menschen verbessert hat», berichtet Tania, 51, die seit mehr als 30 Jahren Projekte wie Esperanza de Jesus  im Norden Limas betreibt. Sie arbeitet eigentlich als Anwältin und setzt sich leidenschaftlich gern mit Essen, Rat und Tat für ihre Mitmenschen ein. «Wir müssen Menschen aus Venezuela gegen die andauernde Diskriminierung helfen. Sie haben keine Arbeit, ihre Kinder haben Hunger und dank dieses Projekts von World Vision bekommen sie eine neue Perspektive.»

Eine Frau hält ein Baby auf dem Arm und nimmt Essen in Plastikdosen entgegen, während eine Frau mit Schürze, Haarnetz und Maske zusieht.Hochbetrieb bei der Essensausgabe: Karlyn und ihre Tochter holen sich ihr Mittagessen ab.

Karlyn ist 34 Jahre alt und stammt aus Venezuela. Sie lebt hier allein mit ihrem 6 Monate alten Baby, Karolyne und ist auf die Hilfe von Tania und ihrem Team in der Essensausgabe angewiesen. «Als Mutter diese Hilfe zu bekommen und sich hier mit Peruaner und Venezolaner zu treffen macht jeden Tag ein wenig einfacher», erzählt sie. «Man hat Leute, mit denen man reden kann, dazu gutes Essen, das hilft mir sehr.»

Wie die meisten Menschen hier kommt Karlyn jeden Tag zur Ausgabe, um ihr Mittagessen in Dosen abzuholen. Gegen Mittag bildet sich eine lange Schlange, und das Küchenpersonal beginnt damit, die Behälter mit dem Tagesgericht zu füllen. Meist gibt es eine ausgewogene Portion Kohlenhydrate, Eiweiss und Obst oder Gemüse, dazu einen Fruchtsaft. Die Atmosphäre in der Küche ist konzentriert, aber einladend und fröhlich.

«Wir erleben hier, wie die Peruaner den Venezolanern helfen, und weil Frau Tania uns alle einbezieht, ist jeden Tag ein anderer Mensch an der Reihe, in der Küche zu helfen», erklärt Karlyn. «Man wird also Teil des Teams. Es ist nicht so, dass man kommt, sein Essen holt und wieder geht.»

Rómulo kam im August 2019 aus Venezuela nach Peru. Zu Hause hat er früher gern gekocht. Als seine Nachbarin ihn einlud, bei Esperanza de Jesus II zu essen, lernte er Tania kennen. Sie kamen gut miteinander aus und er erfuhr von ihr, dass sie noch Unterstützung in der Küche braucht. Schnell wurde er ein Teil des Teams und sie brachten sich gegenseitig bei, wie man Gerichte aus dem jeweiligen Heimatland zubereitet.

Migranten sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft. Sich auf Augenhöhe begegnen, offen sein und seine Tür und sein Herz fremde Menschen in Not zu öffnen, hat das Leben von Romulo, Tania und Karlyn um Freundschaft, Zuversicht und Anerkennung bereichert.

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