Hotspot Brasilien: COVID-19 dezimiert die indigene Bevölkerung

29. Mai 2020

Brasilien: Zwei Mädchen blicken lächelnd in die Kamera.

6% der Brasilianischen Bevölkerung lebt in Slums. Physisches Abstandhalten ist da fast unmöglich.

Text: Alexander Koch, World Vision Schweiz 

Brasilien besitzt die neuntgrösste Wirtschaftsleistung der Welt. Aber laut Weltwirtschaftsforum verdient das reichste ein Prozent der Bevölkerung 33-mal mehr als die ärmsten 50 Prozent. Martha Yaneth Rodríguez, Landesdirektorin von World Vision Brasilien, sagt dazu: «Ungleichheit ist der Schlüsselfaktor, warum in Brasilien die Infektionsraten so stark steigen». Ganz unten in dieser sozialen Struktur befinden sich die Bewohner von Favelas am Rande der grossen städtischen Zentren. Offiziellen Daten zufolge leben dort sechs Prozent der brasilianischen Bevölkerung – das entspricht mehr als 11 Millionen Menschen. Abstand halten ist hier kaum möglich. 

Bedrohte Bevölkerung im Amazonasgebiet
Der Bundesstaat Amazonas im Norden Brasiliens mit knapp vier Millionen Einwohnern liegt bereits auf dem vierten Platz in der Gesamtzahl der Todesfälle. In Amazonas befinden sich auch 12 der 20 Städte mit der höchsten Zahl an Krankheitsfällen in Brasilien sowie fünf der zehn Gemeinden mit der höchsten Sterblichkeitsrate. «Die Krankenhäuser haben keine Betten mehr und das Gesundheitspersonal ist völlig überfordert. Schreckliche Szenen spielen sich bei Beerdigungen ab. Die Toten müssen in Massengräbern verscharrt werden. Wir tun, was wir können, um zu helfen, aber die Situation ist äusserst angespannt», sagt Luis Corzo, Einsatzleiter von World Vision in Brasilien. 

An COVID-19 sterben oder verhungern 
Manaus ist die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas und das Portal zum gesamten Amazonasbecken. World Vision ist dort vor Ort und arbeitet mit Kirchengemeinden zusammen, um Nahrungsmittel und Sanitärpakete zu verteilen und die Bevölkerung im Bereich Hygiene und Sanitärmassnahmen zu schulen. «Die meisten Menschen, die im Amazonasgebiet leben, sind gezwungen, ihre Heimatorte zu verlassen, weil es keine Arbeit mehr gibt», erklärt Joao Diniz, Regionalleiter für Lateinamerika und die Karibik bei World Vision. «Die Menschen müssen sich derzeit entscheiden, ob sie das Risiko eingehen, an COVID-19 zu sterben, oder ob sie verhungern.» 

In zwei Monaten mehr als eine Million Menschen versorgt 
Amazonas ist einer der drei Staaten, in denen World Vision auch Flüchtlinge aus Venezuela versorgt. «Der World Vision-Nothilfeeinsatz in Bezug auf die Corona-Pandemie begann vor zwei Monaten. Bisher haben wir mehr als eine Million Menschen, besonders in den Regionen mit den höchsten Infektionsraten, mit Hilfsmassnahmen versorgt», so Joao Diniz. 
 

Brasilien: Eine Familie zeigt die Lernmaterialien, Spielsachen und Hygieneartikel, die sie von World Vision erhalten haben.
Jacksons (rechts hinten) Familie floh von Venezuela ins benachbarte Brasilien. Von World Vision erhielt sie Notfallpakete mit Lernmaterialien, Spielsachen und Hygieneartikel.

Einsatz in 70 Ländern
Weltweit ist World Vision im Kampf gegen die Ausbreitung von COVID-19 in rund 70 Ländern im Einsatz, wobei die am stärksten gefährdeten Länder Priorität haben. Insgesamt will die Hilfsorganisation 72 Millionen Menschen unterstützten, mehr als die Hälfte davon Kinder. World Vision weist in einem kürzlichen erschienenen Bericht darauf hin, dass die Nachwirkungen der Pandemie schwerwiegende Folgen haben: Das Leben von 30 Millionen Kindern könnte durch tödliche Krankheiten wie Malaria, mangelnde Impfmassnahmen oder zunehmende Mangel- und Unterernährung gefährdet sein, da die Gesundheitssysteme überlastet sind.

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