Frauen sind systemrelevant – nicht nur in der Corona-Krise

21. August 2020

Eine Hebamme in Schutzanzug und Maske steht in einem Krankenhausflur in den Philippinen und gibt das “Victory”-Zeichen.

Lenny Lyn bekämpft als Hebamme und Krankenpflegerin das Virus in den Philippinen.

Text: World Vision Schweiz


Pflege, Verkauf, Reinigung, Kinderbetreuung: in der Corona-Krise hat sich gezeigt, welche Berufe absolut systemrelevant sind. Ohne sie kann unsere Gesellschaft einfach nicht funktionieren. Viele dieser Berufe werden überdurchschnittlich von Frauen ausgeübt. So sind zum Beispiel weltweit 70 Prozent aller Angestellten im Gesundheitswesen weiblich. In den OECD-Ländern sind es in der Altenpflege sogar 90 Prozent.
 
In der Schweiz und ihren Nachbarländern ist das nicht anders. 86 Prozent der Pflegefachpersonen in der Schweiz sind Frauen. Auch in Deutschland und Österreich sind Alten- und Krankenpflege vorwiegend Frauensache. Die ungleiche Geschlechterverteilung zeigt sich nicht nur im Gesundheitswesen. Laut einer österreichischen Studie sind 88 Prozent der Beschäftigten in der Kinderbildung, 86 Prozent der Kassiererinnen und Regalbetreuerinnen und 83 Prozent der Reinigungskräfte Frauen.


Viele systemrelevante Berufe werden vor allem von Frauen ausgeübt. Bildquelle: Statista.


Doch obwohl sie unverzichtbar sind, werden diese Berufe selten entsprechend gewürdigt und entlohnt. In der Schweiz sind viele systemrelevante Berufe in der Pflege, Reinigung und im Verkauf im mittleren bis unteren Bereich der Gehaltsskala. Laut dem deutschen Gewerkschaftsbund haben 78 Prozent der Beschäftigten in Reinigungsberufen Schwierigkeiten, mit ihrem Beruf über die Runden zu kommen. In den Verkaufs- und Pflegeberufen berichten über 50 Prozent von diesem Problem. Weltweit verdienen Frauen weniger als Männer, und sind überdurchschnittlich von Armut betroffen


 
Viele Frauen arbeiten im Gesundheitswesen – wie San Thidar Khaing, eine Hebamme in Myanmar, die hier mit ihren Assistentinnen vor Corona-Zeiten eine Impfkampagne durchführt.

Trotz dieser Herausforderungen setzen sich Frauen auf der ganzen Welt unermüdlich für die Gesundheit und Bedürfnisse ihrer Gemeinden ein. Bei den Projekten und Initiativen von World Vision spielen sie oft eine zentrale Rolle – auch im aktuellen Kampf gegen das Coronavirus.

 
Die Ärztin Fariba Mahaki und ihr Team helfen intern Vertriebenen in Afghanistan – vor allem Kindern. 
 
 In Afghanistan hilft die Ärztin Fariba Mahaki mit ihrem Team intern vertriebenen Menschen, die kaum Zugang zu medizinischer Versorgung haben.

«Intern Vertriebene haben weniger sanitäre Einrichtungen.  Deshalb sind sie mehr anfällig für das Coronavirus», berichtet sie. Sie und ihr Team verteilen Handgel und erklären, wie wichtig einfache Hygienemassnahmen sind. Sie führen auch Gesundheitschecks bei Babys und Kindern durch, um Krankheiten oder Unterernährung früh zu erkennen. «Mein Engagement für die Gesundheit von Kindern und Müttern hilft mir, diese schwere Zeit zu überstehen», sagt die Krankenpflegerin Maria Najibi, die auch zum Team gehört. «Hoffentlich wird diese schwierige Situation eines Tages vorbei sein.»
 
Schneiderinnen in Südsudan nähen bunte Gesichtsmasken.
Gemeinsam mit anderen Frauen fertigt die Schneiderin Anna Juan in Südsudan 5’000 Corona-Masken an - und ernährt mit dem Einkommen ihre Familie.

In Südsudan verlor die Schneiderin Anna Juan ihre wichtigste Einkommensquelle, als wegen Corona die Märkte schlossen. Jetzt näht sie gemeinsam mit anderen Frauen 5’000 Gesichtsmasken für World Vision. Das Projekt bietet ihnen ein zusätzliches Einkommen und hilft gleichzeitig ihren Gemeinden, sich mit den Masken vor dem Virus zu schützen.

 
Eine Frau in Bangladesch sitzt an ihrer Nähmaschine und näht Masken.
Normalerweise hilft Tasrin Familien in Bangladesch, ihren Nahrungsbedarf zu decken. Jetzt näht sie ausserdem Masken gegen Corona.

In Bangladesch näht die Gesundheitsberaterin Tasrin ebenfalls 5’000 Masken für ihre Gemeinde. Normalerweise hilft Tasrin Müttern in Bangladesch, sich und ihre Kinder richtig zu ernähren. In ihrer Gemeinde ist sie durch ihre Arbeit und ihr Engagement sehr anerkannt. Jetzt informiert sie die Familien zusätzlich über das Virus und verteilt die schützenden Masken.

Eine Bäuerin und ein Bauer jäten Unkraut auf ihrem Bauernhof in Kenya. 
Janet and ihr Mann Philemon bauen auf ihrem Bauernhof in Kenya Gemüse in Säcken an. Das spart Wasser. 

Viele der von World Vision unterstützen Initiativen zur Bekämpfung des Virus werden auch nach der Pandemie den Menschen helfen. Die Bäuerin Janet in Kenya benutzt zum Beispiel neue Anbaumethoden, um ihre Familie während der Krise zu ernähren. Langfristig verbessern diese Methoden die Ernährungssicherheit der Gemeinden und helfen ihnen, sich dem Klimawandel anzupassen und die Ernte vor Dürre zu schützen. So sähen Janet und die anderen Landwirtinnen und Landwirte in diesem Projekt zum Beispiel ihr Gemüse nicht direkt in die Erde, sondern in Säcke. Das spart Wasser und Dünger.


 Eine Gesundheitsberaterin in den Philippinen spricht mit einer Frau mit Kind.

Lenny Lyn bekämpft als Hebamme, Krankenpflegerin und Gesundheitsberaterin das Virus in den Philippinen.

Manche helfen, weil ihnen geholfen wurde. Die 27-jährige Lenny Lyn wurde als Kind in den Philippinen durch World Vision unterstützt. Später machte sie eine Ausbildung zur Hebamme und Krankenpflegerin und half Menschen in ländlichen Gegenden, die kaum Zugang zu medizinischer Versorgung hatten. Jede Woche reiste sie stundenlang kreuz und quer über holprige Strassen, um Schwangere zu betreuen, Kinder zu impfen und die Not von kranken Menschen zu lindern. 

Also COVID-19 ausbrach, schloss sie sich einem Krisenteam der Regierung an und hilft nun, das Virus einzudämmen. Ihr Traum ist es, Medizin zu studieren und später einmal als Ärztin zu arbeiten.
  
«Es ist eine Herausforderung, als Helferin an der Front zu sein, vor allem, weil der Feind unsichtbar ist», sagt sie. «Ich bin schon besorgt, vor allem, weil ich selber ein Baby habe, das zu Hause auf mich wartet. Aber ich muss mich dieser Aufgabe stellen, weil ich hier am Meisten gebraucht werde.»
 

 
 

Diesen Beitrag teilen:


1 Kommentar Anzeigen und kommentieren

Prisca Imhof

Prisca Imhof
26.August 2020

Ja ja.die frau aus der rippe des prototypen adam?


Kommentar schreiben

Ihr E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Bangladesch: Eine Mutter spielt hält ihren Sohn auf dem Arm und spielt mit dem Handy.

23. Oktober 2020

Warum ha­ben ar­me Men­schen ein Han­dy?

Mobiltelefone gehören für die meisten Menschen zum Alltag dazu. Aber warum braucht eine Familie, die sich weder Essen noch Schulgebühren leisten kann, ausgerechnet ein Handy? Hier sind fünf gute Gründe, warum.


Bangladesch: Eine Mutter sitzt mit drei ihrer vier Kinder in einer Hütte im Flüchtlingslager Cox’ Bazar.

16. Oktober 2020

Wenn je­mand an­ders über dei­ne Mahl­zeit be­stimmt

Viele Menschen müssen fliehen, um gewaltfrei zu leben. In ihrer neuen «Heimat» haben aber Flüchtlinge wie die Rohingya keinen Raum, um selbst Nahrung anzubauen und selbst zu bestimmen, was auf den Tisch kommt. Der neue Friedensnobelpreisträger, das UN-Welternährungsprogramms, schafft gemeinsam mit seinem seit 16 Jahren grössten Partner World Vision Abhilfe.


Kenia: Eine Frau legt lachend ihre arme um zwei Mädchen, die ebenfalls lachen.

11. Oktober 2020

Von der Be­schnei­de­rin zur Le­bens­ret­te­rin

In Kenia sind Beschneidungen von Mädchen Teil einer schrecklichen Tradition. Corona verschärft die Situation. Eine ehemalige Beschneiderin setzt sich heute für die Rechte der Kinder ein und will Frauen über das Unrecht aufklären.


Bangladesch: Ein Mädchen näht bunte Mundschutzmasken mit einer Nähmaschine von World Vision.

9. Oktober 2020

Mit der Näh­ma­schi­ne ge­gen das Vi­rus

Die Corona-Pandemie zwingt Menschen zu Verhaltensänderungen. Ein Mund-Nase-Schutz gehört dazu. Doch in Bangladesch können ihn sich viele nicht leisten. Ein 17-jähriges Mädchen produziert mit dem, was ihr World Vision ermöglicht hat, Masken für alle.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
World Vision Schweiz
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

Kinderschutz

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  Bank: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen