Flüchtlingsdrama in Bangladesch: Erschöpft, hungrig, allein, missbraucht

5. Oktober 2017

Flüchtlinge, Rohingya, Bangladesch

Die kleine Nowsrin kauert unter der Blache im völlig überschwemmten Not-Zelt, während ihre Eltern ein paar Habseligkeiten ins Trockene bringen.

Die Bilder und Berichte aus den Lagern machen einen sprachlos. Hundertausende Flüchtlinge, die meisten Angehörige der Rohingya-Minderheit, benötigen dringendst humanitäre Hilfe. Alleine in den letzten Tagen kamen 18% mehr verzweifelte Menschen in den provisorischen Siedlungen an, als zuvor. Ausgehungert, erschöpft und gezeichnet von Gewalt. Mitarbeitende von World Vision in Bangladesch sind tief besorgt, weil:

  • Jeder 5. Flüchtling ein Kind unter 5 Jahre ist. Offiziell wurden bereits 1‘600 unbegleitete Kinder registriert, aber die Dunkelziffer scheint viel höher zu sein. Sie haben Hunger und sind alleine. Ihnen droht die Gefahr von Unterernährung, Erkrankungen (z.B. Choleragefahr), Traumatisierung, Ausbeutung und Misshandlung.
  • 9 von 10 Ankömmlingen haben täglich bloss eine Mahlzeit – meistens Reis mit etwas Salz.
  • 20% aller Flüchtlinge sind schwangere oder stillende Mütter.
  • Über 100‘000 Menschen haben kein Dach über dem Kopf und übernachten im Freien. 

Mit der Erlaubnis der Regierung wird World Vision ein sechsmonatiges Projekt implementieren, welches über 115‘250 Flüchtlinge mit folgender Nothilfe erreichen soll:

  • Unterstand-Kits; welche Bambusstäbe, Seile und Planen enthalten.
  • Psychologische Erste Hilfe; Unterstützung jugendlicher Frauen und Mädchen mit Taschenlampen und Trillerpfeifen (besseres Sicherheitsgefühl in der Dunkelheit) und kulturell akzeptierte Kleidung.
  • Kinderschutzzonen; damit die oftmals traumatisierten Kinder einen Ort haben, wo sie in einem geschützten Rahmen spielen und sich von den schrecklichen Ereignissen der Vertreibung erholen können.
  • MUKI-Zonen; wo junge Mütter eine Ernährungsberatung erhalte und ihre Kleinkinder medizinisch untersucht werden.
  • Notfall-Latrinen; inkl. 300 geschützte Hygiene-Waschplätze für Frauen und Mädchen.
  • Informations- und Bildungs-Kommunikation; um Ängsten vor Rückführungsgerüchten in den Siedlungen zu begegnen, informieren World Vision-Mitarbeitende die Flüchtlinge über ihre Rechte.
  • Instandsetzung und Bau von Wasserpumpen; bis die Bauarbeiten erledigt sind, wird World Vision Wassertransporte durchführen. Somit werden Familien für einen Monat mit 20 Liter Wasser pro Tag versorgt.
  • Baby-Kits; welche Windeln, Stilldecken und Zinkcreme beinhalten, werden an Frauen mit Kleinkindern verteilt.
  • Nahrungsmittelhilfe für schwangere und stillende Mütter und Kleinkinder
  • Kochutensilien
  • Kleidung
  • Decken
  • Moskitonetze 

Der Zustrom der Flüchtling kam sehr schnell und die Flüchtlingslager sind bereits überfüllt. Und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Beobachter sprechen von insgesamt einer Million oder mehr Menschen, die aus Myanmar geflüchtet sind oder noch flüchten werden.

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