Es sollte nicht weh tun, ein Kind zu sein

10. Dezember 2018

Kinder im Rohingya Flüchtlingslager setzten sich gegen Gewalt ein

Kinder im Rohingya-Flüchtlingslager in Bangladesch fordern ihre Menschenrechte im Rahmen einer World Vision-Kampagne gegen Gewalt ein.

Mehr als die Hälfte der fast 1 Million Rohingya-Flüchtlinge, die im Südosten von Bangladesch im grössten Flüchtlingslager der Welt leben, sind Kinder. Die schrecklichen Erlebnisse von Gewalt während und vor ihrer Flucht aus Myanmar wirken bei den meisten immer noch nach. Viele trauern um verlorene Familienmitglieder. Da ihnen in Bangladesch der offizielle Flüchtlingsstatus fehlt, haben sie offiziell keinerlei Rechte. Sie sind Missbrauch, Menschenhandel und Kinderehe schutzlos ausgesetzt. Zudem können sie mangels fehlender Integrationsmöglichkeiten in ihrer aktuellen Situation kein Gefühl von Sicherheit und Zugehörigkeit ausserhalb des engsten Umfeldes entwickeln. 

Kinder leiden unter vielen Formen der Gewalt
Rund 2700 Kinder, die an einer Aufklärungskampagne von World Vision teilnahmen, berichteten von häufigen Misshandlungen durch Eltern, Fremde und ältere Kinder. In Fokusgruppen schilderten sowohl Kinder als auch Eltern, dass Schläge, Anschreien, Beschimpfungen, Gewalt unter Gleichaltrigen, Belästigung, Zwangsarbeit und Kinderehe in den Lagern üblich sind.

«Unsere Eltern können uns vor allen möglichen Gefahren bewahren, aber manchmal verletzen sie uns auch», sagte ein Kind. «Ich habe Angst, weit weg von meinem Zuhause im Lager zu sein», beschreibt die zehnjährige Shoshida ihre Empfindungen. «Ich kann nicht einmal nachts draussen auf die Toilette gehen. Ich fürchte, dass mich jemand angreifen wird.»

Wo können sich die Kinder sicher fühlen 
Die Kinder sprechen offen über die Formen der Gewalt, denen sie begegnen, über sichere und unsichere Orte in den Lagern sowie darüber, wen sie um Schutz bitten. Als gefährliche Orte nennen sie die Wälder, in denen sie Brennholz sammeln, Warteschlangen für Lebensmittel-Verteilungen und überfüllte Märkte. Hingegen stehen die Kinderschutzzonen, wie sie World Vision betreibt, ganz oben auf der Liste der sicheren Orte. Das eigene Wohnumfeld steht – mit einigem Abstand – erst an dritter Stelle.

«Im Kinderzentrum kann ich spielen und lernen», sagt Jobair, 10. «Da gibt es niemanden, vor dem ich Angst haben muss, und deshalb gefällt es mir.»

Kinder fordern Schutz und Sicherheit
Die Kinder fordern Eltern und Führungskräfte auf, sie körperlich zu schützen und dafür zu sorgen, dass ihr Recht auf Sicherheit auch umgesetzt wird. Dazu entwickelten sie Botschaften an die Öffentlichkeit. Auf bunten Postern ist jetzt zum Beispiel zu lesen: 

  • «Es sollte nicht weh tun, ein Kind zu sein!» 
     
  • «Hände sind nicht dazu da, Kinder zu schlagen.» 
     
  • «Wir wollen Bildung, keine Ehe.»

Durch die Kinderrechts-Kampagne kennen diese Rohingya-Kinder nun ihr Recht auf Sicherheit und können sich und einander besser schützen. 

«Wie alle Kinder haben auch die Rohingya-Kinder das Recht auf Schutz vor allen Formen von Gewalt, Vernachlässigung und Misshandlung», sagt Rachel Wolff, Leiterin der Flüchtlingskrisenhilfe von World Vision in Bangladesch. «Am Tag der Menschenrechte rufen wir Eltern und Führungspersonen in den Lagern sowie Regierungen, Spender und Bürger weltweit auf, dazu beizutragen, dass die Rechte dieser Flüchtlingskinder verwirklicht und geschützt werden.»

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