Erziehung neu lernen: Zuhören, statt zuschlagen

8. November 2022

ein indisches Ehepaar sitzt mit ihren beiden kleinen Söhnen auf einem Bettgestell

Erfahren Kinder Schutz und Geborgenheit in der Familie, trägt das zu ihrer gesunden Entwicklung bei.

Text: Mirjam Walser, Charity Partnership nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein sicheres und liebevolles Umfeld ist eine wichtige Basis für die kindliche Entwicklung.
  • Sind Eltern selbst mit Gewalt aufgewachsen, geben sie das oft an ihre Kinder weiter.
  • Das internationale Hilfswerk World Vision bietet deshalb Kurse zur positiven Erziehung an.
  • Das Modell heisst «Celebrating Families».

«Ich war immer sehr streng zu meinen Kindern. Wenn ich zum Beispiel meine Tochter Juliet mit lauter Stimme rief und sie wusste, dass sie etwas falsch gemacht hatte, kam das Mädchen mit zitternden Knien an, weil ich so streng war. Aber von heute an habe ich tatsächlich begonnen, mich zu ändern. Von nun an will ich eine demütige und zuvorkommende Mutter sein!»

Dies sagt Paulina in einem Bericht des internationalen Kinderhilfswerk World Vision. Sie war es gewohnt, die Kinder mit strenger Hand zu erziehen – so wie sie es aus ihrer eigenen Kindheit kannte. Erst in einem Kurs hat sie gelernt, dass Gewalt – in psychischer oder physischer Form – in der Kindererziehung schädlich ist.

Ein sicheres und liebevolles Umfeld ist eine wichtige Basis für die Entwicklung eines Kindes. Mit dem Modell «Celebrating Families» bietet World Vision ein Programm an, das Eltern und Betreuungspersonen, kirchlichen und religiösen Führungspersönlichkeiten, Gemeinschaften und Gemeinden zeigt, wie man eine liebende und fürsorgliche Basis für Kinder schafft.

 

Eine vier-köpfige Familie sitzt in Kambodscha in einer sehr einfachen Hütte

Im Kurs «Celebrating Families» erhalten Eltern eine neue Perspektive auf die Kindererziehung. Aber die Anwendung ist nicht immer einfach, sagt die Mutter Him Noun aus Kambodscha. 

 

Schläge, körperliche Strafen und jegliche andere Form von Gewalt haben hier keinen Platz. Was für manche Eltern selbstverständlich klingt, ist für andere nicht so leicht umzusetzen. Denn nicht selten waren sie selbst von physischer oder psychischer Gewalt in ihrer Kindheit betroffen.

Diese Normen geben sie an die nächste Generation weiter und so werden Praktiken wie Zwangsheirat, körperliche Züchtigung, Kinderarbeit oder Schulabbruch unhinterfragt weitergeführt.

Alte Gewohnheiten zu durchbrechen, ist schwierig. Doch in den dreitägigen Workshops von «Celebrating Families» werden Eltern sich der Vorteile einer gewaltfreien und unterstützenden Erziehung bewusst und erhalten das Rüstzeug, um als erste ihrer Familie eine andere, liebevollere Erziehungsmethode umzusetzen.

 

eine fünf-köpfige Familie steht fröhlich lachend vor ihrem Haus in Kenia

Von einer positiven und unterstützenden Kindererziehung profitiert die ganze Familie. Auch Dominic und Ruth Wambua wenden die Methode mit ihren drei Kindern an. 

 

Auch Lilian, die in einer Flüchtlingssiedlung in Uganda lebt, hatte die Chance, an einem dieser Kurse teilzunehmen. Hier erfuhr sie unter anderem auch, welche schädliche Folgen kulturelle Normen haben können, zum Beispiel Kinderheirat. Manche arme Eltern sehen ihre Töchter als Einkommensquelle und wollen – oder müssen – diese früh verheiraten. Über die Auswirkungen auf das Leben der Mädchen wird in der Regel nicht gesprochen.

Für Lilian war der Kurs ein Augenöffner: «Eine Mutter hat ihre 15-jährige schwangere Tochter aus einer Zwangsehe zurückgeholt, nachdem ich sie über die Gefahren der Frühehe aufgeklärt hatte», erzählt Lilian».

 

Vier Personen stehen in Kenia vor einer Wand mit Flipchartbogen

Im Programm «Celebrating Families» reflektieren die Teilnehmenden auch über ihre eigenen Kindheitserfahrungen, wie hier bei einem Training in Kenia. 

 

Einer, der diese positiven Entwicklungen der Methode «Celebrating Families» hautnah miterlebt, ist Michael Lemi aus Uganda. Er ist Trainer für positive Erziehung und Mitglied des Kinderschutzausschusses (CPC) seines Quartiers.

Seine Arbeit besteht darin, möglichst viele Eltern zu positiven Erziehungsmassnahmen zu schulen. Dabei werden auch Fragen zu Gesundheit, Ernährung, Bildung und Zukunftsplanung angesprochen.

Die Eltern würden sich der Bedürfnisse ihrer Kinder bewusster und könnten ihnen so die notwendige Geborgenheit für eine gesunde Entwicklung bieten, erklärt Michael das Ziel der Trainings.

 

ein Vater mit seinen Kinder auf einem Gemüsebeet in Kambodscha

Der Vater von Sopheak, 8, und Kimheng, 6, nimmt sich mehr Zeit für seine Kinder, seit er den Kurs «Celebrating Families» besucht hat. 

 

Dabei wird davon ausgegangen, dass eine positive Erziehung die Entwicklung eines Kindes verbessert und das Risiko für alle Formen von Gewalt verringert. «Vor der Intervention war die Gewalt gegen Kinder in der Gemeinde hoch. Sie wurden misshandelt und schikaniert. Und Eltern stritten sich ständig wegen der begrenzten Mittel im Haushalt, womit sie sehr schlechte Vorbilder für ihre Kinder waren», sagt Michael. «World Vision hat erkannt, dass der Schutz von Kindern ein Wunschdenken bleibt, wenn die Eltern diese Praktiken selbst nicht anwenden», schliesst er.

 

Mit einer Patenschaft können Sie langfristig dafür sorgen, dass Familien aus ihrer Not herauskommen und das Wissen und die Möglichkeit haben, ihre Kinder liebevoll und altersgerecht zu erziehen.

 

Diesen Beitrag teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Uganda: jugendliche Mitglieder eines Medienclubs von World Vision stehen auf der Strasse und rufen laut.

11. November 2022

Kin­der ler­nen, ih­re Stim­me zu er­he­ben

World Vision unterstützt Kinder weltweit dabei, ihre eigene Stimme zu finden und sich für ihre Rechte einzusetzen. Lernen Sie 5 Kinder kennen, die das bereits heute stolz tun.


Honduras: Ein Junge sammelt Müll ein, um damit Geld zu verdienen.

4. November 2022

Bo­li­vi­en: We­ni­ger Kin­der­ar­beit – dank Re­cy­c­ling

Kinderarbeit ist in vielen Teilen Lateinamerikas nach wie vor weitverbreitet. Kinder helfen ihren Eltern beim Geldverdienen und verpassen damit wichtig Unterrichtsstunden und den Anschluss auf eine gute Berufsausbildung. Mit einem innovativen Ansatz will World Vision nicht nur gegen die Kinderarbeit ankämpfen, sondern auch die Umweltverschmutzung durch Plastikabfälle verhindern.


Gemüse wächst auch in Säcken, wie diese Frau in Bangladesch demonstriert.

2. November 2022

Um­welt­schutz: Zu­kunfts­mo­dell Öko­dorf

Sie leben von und für ihre natürliche Umgebung: Ökodörfer, Gemeinschaften, die die Natur nicht mehr ausbeuten, sondern die Ressourcen nachhaltig und schonend nutzen. Mehr als 10'000 solcher Gemeinschaften gibt es weltweit schon. World Vision Bangladesch startete im April 2021 seine ersten «eco-friendly villages».


Indien: Mädchen stösst ein mit Wasser gefülltes Wasserrad aus blauem Kunststoff vor sich her.

22. Oktober 2022

In­di­en: Dank Was­ser­rad pünkt­lich im Schul­zim­mer

In Pratapgarh, Rajasthan, dreht sich das Leben ums Wasser. Menschen jeden Alters versammeln sich an der Handpumpe und dem Brunnen des Dorfes. Die Kinder haben Schwierigkeiten, pünktlich zur Schule zu kommen, weil sie manchmal kein Wasser zu Hause haben und das Wasserholen am Brunnen viel Zeit in Anspruch nimmt.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
WORLD VISION
World Vision Schweiz und Liechtenstein
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  PostFinance: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz und Liechtenstein ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen