Eine Familie wächst (über sich hinaus)

15. November 2018

Angel (4, Mitte) hat gut kichern. Dank der Viehzucht ihrer Mutter Anu (25, rechts) hat sie nicht nur vierbeinige Freunde gewonnen, sondern auch eine gesicherte Schulausbildung.

Fröhlich begrüsst uns die quirlige Angel (4) und zieht uns an den Händen eifrig in ihr Haus, dessen neuer weisser Anstrich unter der indischen Sonne strahlt. Angel führt uns im Hof herum, vor allem natürlich, um uns stolz das kleine Kalb zu zeigen, das sie sehr liebt. Vier Kühe stehen neben ihm im Stall und kauen zufrieden wieder.

Angefangen hatte es mit zwei Kühen, nachdem Angels Mutter Anu (25) beim Einkommensförderungsprogramm zwei Darlehen beantragte und auch erhielt. Die schmale, aber starke Frau war damals realistisch genug, um zu erkennen, dass ihre siebenköpfige Familie nicht mehr nur von dem geringen Ertrag leben konnte, den das kleine Fleckchen Erde um ihr Haus hergab. Zwar konnten ihr Schwiegervater und ihr Mann für ihre Familie zuweilen als Maler ein Zubrot verdienen, aber mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein war es nicht. Erst nach der Anschaffung der Kühe erhöhte und stabilisierte sich ihr Einkommen merklich. «Auch wenn das Halten von Kühen ein anstrengender Job ist, haben sich unsere Leben mit dem zusätzlichen Einkommen daraus verbessert», sagt Anu.


ANGEL MIT MAALU, EINER IHRER LIEBLINGE. DIE KÜHE SIND IN MEHRFACHER WEISE NUTZTIERE, DENN DER VERKAUF SOWOHL VON MILCH ALS AUCH VON KÄLBERN UND DUNG IST PROFITABEL.

Milchwirtschaft zur Existenzsicherung
Haupteinnahmequelle ist der Milchhandel, bis zu 60 Liter verkaufen sie täglich. Daneben hat bislang auch der Verkauf zweier Kälbern stolze Summen abgeworfen. Der Grossteil des Erlöses wird in Futter reinvestiert und für unerwartete Tierarzteinsätze gespart. «Wir haben zwar auch andere Ausgaben, aber die Kuhhaltung ist so profitabel, dass wir sie stemmen können. Auch der Kuhdung nutzt uns, weil er einen guten Dünger abgibt», erklärt Rajani (47), Angels Grossmutter. «Wir verkaufen einmal im Jahr Trockendung und da er sehr gefragt ist, können wir einen guten Preis fordern.»


ANGEL HILFT IHRER MUTTER BEIM FÜTTERN, LIEBT ES ABER AUCH, EINFACH MAL ZUZUSEHEN, WENN DIE GROSSEN TIERE GEWASCHEN WERDEN.

Angel besucht ein nahegelegenes Anganwadi, so heissen die lokalen Gesundheitsstationen für Familien. Fröhlich singt sie uns ein Lied vor, das sie dort gelernt hat. Vor sechs Monaten wurde sie zu einer grossen Schwester und wartet nun ungeduldig darauf, dass das Baby wächst, um endlich richtig mit ihm spielen zu können.

Seit fünf Jahren nimmt Angels Familie am Einkommensförderungsprogramm teil. «Ich bin voller Hoffnung, dass ich mit meinem neuen Einkommen die Ausbildung meiner Kinder bezahlen kann», sagt Anu. «Wir planen den Aufbau einer Viehfarm, dazu brauchen wir eine bessere Scheune und andere Nutzgebäude. Mit dem nächsten Darlehen möchten wir dies in Angriff nehmen.»

Schenken auch Sie Hoffnung und unterstützen Sie die nächste Angel, indem Sie Kinderpate/in werden. Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!

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