Ein Wald, wo einst Wüste war – lokal gegen die Klimakrise

20. April 2021

Kenia: Ein Elternpaar mit seinen drei Kindern bei der Heuernte auf der eigenen Farm.

Mogotio, Kenia: Dank der durch FMNR wiederbelebten Akazienbäume wächst auf Justins Farm nun genügend Gras, welches er und seine Familie zu Heu verarbeiten und verkaufen können.

Text: World Vision Schweiz

In vielen Gebieten Asiens, Lateinamerikas und Afrikas haben ganze Landstriche ihre Fruchtbarkeit verloren. Die Gründe sind vielfältig: einseitige Landwirtschaft, Waldrodungen, Erosion und immer häufigere Dürren, um nur einige zu nennen; der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich. Zunehmende Wüstenbildung ist die Folge. Die Vereinten Nationen schätzen, dass sich die Wüsten der Erde pro Minute um rund 23 Hektar ausdehnen (das entspricht knapp 30 Fussballfeldern). 

Konnten einst Naturkatastrophen wie Stürme und Überschwemmungen noch von Wäldern abgeschwächt werden, sind die Menschen heute den immer häufiger auftretenden Unwettern schutzlos ausgeliefert. Betroffene verlieren ihre Existenz und landwirtschaftlichen Erträge, müssen hungern, rutschen in Armut. Sie sind gezwungen, ihr Zuhause zu verlassen und in urbane Gebiete - oder andere Länder -  zu fliehen, um ihre Familien weiter ernähren zu können.

 

Äthiopien, Vorher-Nachher-Vergleich zweier Landschaften: rechts eine ausgetrocknete Landschaft und Hügel mit wenig Pflanzen, rechts die gleiche begrünte Landschaft.Humbo, Äthiopien: Aus einem baumlosen Gebiet, gezeichnet von starker Erosion durch Sturmfluten, wurde dank FMNR eine grüne Oase.

 

FMNR – Das Wunder liegt unter der Erde

Doch es gibt einen Weg landwirtschaftliche Anbauflächen, Wald- und Weideland wieder fruchtbar zu machen: Farmer Managed Natural Regeneration (FMNR). Ein sehr einfache, nachhaltige und kostengünstige Methode zur natürlichen Wiederbegrünung. Anstatt neue Bäume zu pflanzen, werden hierbei bereits vorhandene heimische Sträucher und Baumstümpfe mit intaktem Wurzelwerk durch einen bewussten Beschnitt wieder zum Wachsen angeregt. Vor allem in den Tropen und semi-ariden Gebieten hat sich dieser Ansatz bewährt. Bereits nach etwa drei Jahren kann der umliegende Boden wieder landwirtschaftlich genutzt werden. 

Dabei halten die Wurzeln der Bäume Feuchtigkeit in der Erde und machen sie wieder fruchtbar. Die Baumkronen spenden Schatten und liefern verwertbares Holz, während herabgefallene Blätter Nutzpflanzen als Dünger dienen. Den Bauern können wieder Erträge erwirtschaften und ihre Familien ernähren. Durch die Rückkehr von Tieren erschliessen sich sogar neue Einnahmequellen, wie beispielsweise die Bienenzucht. Das ermöglicht den Bauern, ihre Kinder in die Schule zu schicken und Geld zu sparen. Auch zuvor ausgetrocknete Quellen und Flussläufe werden durch FMNR wieder aktiviert. Frauen und Kinder haben nun mehr Zeit für Schule und Familie, da sie nicht mehr so weit laufen müssen, um Wasser zu holen. Die Trinkwasserversorgung ganzer Gemeinden kann so gesichert werden.

 

Kenia: Ein Mann schneidet mit einer Machete Äste von einem Baum.Nyatike, Kenia: Sammy nutzt die FMNR-Methode, indem er die Bäume auf seiner Farm regelmässig beschneidet. Sammy erlernte die FMNR-Techniken durch eine World Vision-Schulung in seiner Gemeinde.

 

So unterstützt World Vision die Bauern

Vor über 30 Jahren entdeckte Agrarwissenschaftler und World Vision Mitarbeiter Tony Rinaudo die FMNR-Methode. Seitdem arbeitet World Vision daran, FMNR weltweit bekannt zu machen, gerade weil sie Bauern erlaubt eigenständig zu handeln und vorrangig vorhandene Ressourcen zu nutzen. Dies führt zu langanhaltender Akzeptanz der Methode, fördert das Selbstwertgefühl und macht die Bauern und ihre Familien unabhängig.

Doch FMNR alleine reicht nicht aus. Es sind zusätzliche Massnahmen nötig, um den Erfolg des Ansatzes zu gewährleisten. Dazu gehören beispielsweise Wasserschutzzonen und Schutzmechanismen, damit die Pflanzen ungehindert austreiben können. Aber auch politische Arbeit und Bewusstseinsbildung tragen massgeblich zum Erfolg bei. Hier setzen wir mit unserer Arbeit an: Unsere lokalen Mitarbeitenden sensibilisieren die Bevölkerung durch Schulungen und Workshops für Umwelt und Klimaschutz. Wir unterstützen die Bauern bei der Planung und Umsetzung von FMNR und vermitteln mit den Behörden.

Wie in unserem Projekt Khariar im Nordosten Indiens: Extreme Dürreperioden und der daraus resultierende Wassermangel macht die Menschen in Khariar arm und krank. Die Familien ziehen als Saisonarbeiter durchs Land und lassen ihre Kinder zurück. Mithilfe von FMNR soll die Region nun wieder durch heimische Gehölze begrünt und zu einem Wasserschutzgebiet ausgebaut werden. 


Auch sie können dabei helfen, FMNR noch mehr Menschen zugänglich zu machen und damit aktiv gegen die Klimakrise und ihre harten Folgen angehen. Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!

Diesen Beitrag teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Laos: Eine Frau hockt vor einem laufenden Wasserhahn. Vor ihr steht ein kleiner Junge, dessen Hände sie mit ihren unter den Wasserhahn hält und sie wäscht. Beide blicken dabei in die Kamera.

1. Oktober 2021

Das neue Nor­mal: Hän­de­wa­schen für ei­ne ge­sun­de Zu­kunft

Seit nun fast zwei Jahren ist Corona ein fester Bestandteil unseres Alltags. Obwohl es immer weniger Einschränkungen gibt, ist die Präsenz des Virus in unserem Leben immer noch spürbar. Abstand halten und Masken tragen sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ebenso wie die regelmässige Handhygiene – wir haben gelernt, dass regelmässiges und intensives Händewaschen uns nicht nur vor dem Coronavirus schützen kann.


Ruanda: Zwei Frauen lernen online neue Arbeitsweisen kennen.

22. September 2021

World Vi­si­on und Ea­wag füh­ren Wei­ter­bil­dun­gen durch

Das eidgenössische Wasserforschungsinstitut Eawag führte Weiterbildungen mit afrikanischen Wasserexperten von World Vision durch. Corona-konform übers Web. Der Bericht über einen Pilotversuch mit Multiplikationseffekt.


Bolivien: Männer laden Baumsetzlinge von einem Lastwagen ab.

3. September 2021

Bo­li­vi­en: Bäu­me und Pil­ze ge­gen Hun­ger

Im Hochland von Bolivien schult World Vision Kleinbauern in innovativen Methoden, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen und ihnen andere Quellen für Einkommen zu vermitteln.


Bangladesch: Wurmkompost-Produzentin Monowara Begum sitzt in einem Gemüsefeld vor einem Sack voller Erde. Sie hält die Erde in der Hand.

27. Juli 2021

Ban­g­la­desch: Mit Re­gen­wür­mern in die fi­nan­zi­el­le Si­cher­heit

Im Nilphamari Distrikt in Bangladesch haben es bereits 26 Gemeinden dank hart arbeitender Frauen und zahlreicher Regenwürmer zu umweltfreundlichen Dörfern gebracht. Die kleinen Tiere produzieren einen sehr nährstoffreichen Dünger, der es den Gemeinden ermöglicht, ihre Ernten zu steigern, sich gesünder zu ernähren und für Frauen eine neue Einkommensquelle zu schaffen.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
World Vision Schweiz
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  Bank: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen