Der Staat verbietet schwangeren Mädchen die Schulbildung

26. August 2020

Afrika: Eine schwangere Frau hält Schulbücher in den Händen.

Frauen mit einer guten Ausbildung sind wichtig für die Entwicklung eines Staates. Vor allem nach einer Krise wie der Corona-Pandemie.

Text: World Vision International

Bis zu einer Million Mädchen im südlichen Afrika droht ein Schulverbot, da sie während der Corona-Krise schwanger wurden. Dies zeigt der neuste Bericht «Zugang verweigert» (Originaltitel «Access Denied») von World Vision über die Spätfolgen der COVID-19-Krise.

Hier geht’s zum ausführlichen Bericht in Originalsprache: COVID-19 Aftershocks: Access Denied

Bildungsverbot hat katastrophale Auswirkungen

Gut ausgebildete Frauen sind wichtig, damit sich die Volkswirtschaften nach der Pandemie schnell erholen können. «Eine verlorene Ausbildung ist nicht nur für junge Mütter und ihre Kinder katastrophal, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes nach der Pandemie», warnt Isabel Gomes, Direktorin für Humanitäre Hilfe von World Vision International. «Wenn es den Ländern nicht gelingt, die Weiterbildung heranwachsender Mütter sicherzustellen, könnte die afrikanische Region südlich der Sahara einen weiteren Verlust des Bruttoinlandsprodukts in Höhe von 10 Milliarden US-Dollar erleiden, nachdem sie bereits durch COVID-19 gelähmt wurde.»

Viele Mädchen wurden während des Lockdowns schwanger – aufgrund von sexueller Gewalt, Kinderheirat oder weil sie nicht wissen, wie sie sich vor einer Schwangerschaft schützen können.

In 194 Ländern weltweit wurden wegen der Corona-Pandemie Schulen geschlossen. Fast 1,6 Milliarden Schülerinnen und Schüler waren davon betroffen. Das sind 90 Prozent der schulpflichtigen Bevölkerung der Welt.

Studien, die während des Ebola-Ausbruchs 2014-16 in Sierra Leone durchgeführt wurden, zeigten, dass Mädchen und junge Frauen während der Pandemie und damit einhergehenden Einschränkungen des öffentlichen Lebens mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit schwanger wurden wie zuvor. Dies betraf mehr als 14’000 Mädchen im Teenageralter. Viele von ihnen durften daraufhin die Schule nicht mehr besuchen.

Regierungen müssen endlich handeln

In den Ländern südlich der Sahara gibt es weltweit die meisten Kinder, die keine Ausbildung bekommen – und die meisten Teenager-Schwangerschaften. Die Politik reagiert je nach Region unterschiedlich: vom rigorosen Ausschluss schwangerer Mädchen von Bildungseinrichtungen bis zu speziellen Weiterbildungsstrategien für heranwachsender Mütter. «Mädchen ihr Recht auf Schulbesuch zu verweigern, wird die Risiken für Familien verschärfen und die Entwicklung der Länder behindern, wenn die Regierungen jetzt nicht handeln. Wir haben in Sierra Leone gesehen, dass die Entscheidung, schwangeren Mädchen nach der Ebola-Epidemie die Rückkehr in die Schule zu verbieten, schwerwiegende Folgen hat. Die betroffenen Mädchen und ihre Kinder haben nun weniger Chancen auf eine gute Zukunft, sind grösseren Gesundheitsrisiken ausgesetzt und mit zunehmender Armut und Unsicherheit konfrontiert», so Gomes.

Sierra Leone hat im März 2020 das Schulverbot für schwangere Schulmädchen aufgehoben und fördert Massnahmen, die nach der COVID-19-Krise die Bildung von Mädchen sicherstellen sollen.

World Vision ist weltweit in allen Ländern, in denen die Organisation tätig ist, im Kampf gegen die Pandemie im Einsatz. Unter anderem kümmern sich geschulte Mitarbeitende um die psychosoziale Unterstützung von Familien, damit Stress und Ängste abgebaut werden können. Sie beraten auch Familien und junge Frauen, um sexualisierte Gewalt, Kinderheiraten und unbeabsichtigte Schwangerschaften zu verhindern. Die NGO stellt ausserdem Familien und Lehrern Unterrichtsmaterialien zur Verfügung und unterstützt Lesecamps, um sicherzustellen, dass Mädchen und Jungen auch während des Lockdowns weiterhin lernen können.

 

Efua wurde während des Lockdowns schwanger. Das ist ihre Geschichte:

Ghana: Ein Mädchen geht einen Weg entlang.

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