COVID-19: so helfen Kinderpatenschaften in Lateinamerika

2. September 2020

Brasilien: Eine brasilianische Mutter umarmt ihr Kind und hält ein Hilfspaket.

Kampf gegen den Hunger: In Brasilien verteilt World Vision Hilfspakete.

Iris Manner, World Vision Deutschland

Lateinamerika hat sich zum neuen Brennpunkt der Corona-Pandemie entwickelt. Jede vierte COVID-19-Infektion auf der Welt wird dort festgestellt. Brasilien, Mexiko, Peru und Chile sind sogar auf der traurigen «Top-10»-Liste der am meisten betroffenen Länder, und das Virus breitet sich von den Städten immer mehr in ländliche Regionen aus. Dass es die  arme und indigene Bevölkerung besonders hart tritt, hat viel mit sozialen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten zu tun.

Der Busfahrer, der Landarbeiter und die Marktverkäuferin können es sich nicht leisten zuhause zu bleiben. Doch viele haben auch ihre Jobs verloren, weil hunderttausende Unternehmen in der Krise verschwinden oder ihr Personal zumindest verkleinern. Auch die Märkte funktionieren nur zu einem Bruchteil, und wer nichts verkaufen kann, kann auch nichts kaufen oder bezahlen - weder Miete, noch Essen noch Bildung.

Statt 85 Millionen arme Menschen wird es in Lateinamerika und der Karibik bald 220 Millionen arme Menschen geben, schätzt die UNO. Schon verdrängter Hunger kehrt wieder zurück. «Bei vielen Kindern ist die Schwelle zur Unterernährung bereits erreicht», warnt Joao Diniz, Regionalkoordinator von World Vision. Er befürchtet, dass Kinderarbeit und sogar der Verkauf von Kindern ebenfalls wieder zunehmen könnten, «denn die Verarmung wird die ärmsten Familien auf die Strasse treiben».

«Für Kinder haben sich manche Risiken vervielfacht», berichtet auch unser Mitarbeiter Rider Calix aus Honduras, der täglich im Kontakt mit Kindern armer Familien ist und auch Patenkinder betreut. «Da die Regierung sich auf den Kampf gegen COVID-19 konzentriert, geraten andere wichtige Entwicklungsaufgaben wie Bildung in den Hintergrund und die Ungleichheiten nehmen zu.»

Aus den Problemen wird emotionaler Stress. «Die meisten Kinder haben Angst», so Rider Calix. «Sie haben Angst, krank zu werden, oder dass ihre Freunde oder ihre Familie krank werden. Sie haben auch Angst davor, nie wieder zur Schule zu gehen. Ihre Eltern haben Angst, dass sie nicht in der Lage sein werden, ihre Familie zu versorgen, dass sie krank werden und dass ihre Kinder ohne jemanden zurückbleiben, der sich um sie kümmert. Deshalb brauchen sie heute mehr denn je Freunde und Fürsorge.»

Ein Helfer gibt einer Frau in Kolumbien ein Nahrungspaket.

Auch in Kolumbien verteilen Helfer Nahrungspakete unter den Armen.

Das Telefon kommt bei den lokalen Mitarbeitenden jetzt noch häufiger zum Einsatz als vor der Krise. So erfahren sie wie es Kindern und ihren Eltern oder Verwandten geht und wem schnell geholfen werden muss. 

Warum Kinderpatenschaften jetzt wichtig sind

«Kinderpatenschaften verwandeln Angst in Liebe und Hoffnung. Sie vermitteln auch nicht vage Hoffnung, sondern sorgen ja bei den Kindern für eine ständige Überwachung ihres Wohlergehens, für gemeinschaftliche Entwicklungsprojekte und für die dringend benötigte gesundheitliche Unterstützung der am stärksten gefährdeten Kinder. In diesen Zeiten ist die Patenschaft wirklich der Anker für die Rettung von Leben», erzählt Rider Calix von World Vision Honduras.

Manche Projekte müssen jetzt anders arbeiten. Daraus ergeben sich aber auch Chancen. Die Kinder profitieren zum Beispiel von grösseren Investitionen in den Zugang zu sauberem Wasser und der besseren Ausstattung lokaler Gesundheitszentren oder besser geschulten Gesundheitsberaterinnen und -beratern. Auch unsere Zusammenarbeit mit Kinderschutz-Netzwerken hat einen Schub bekommen, denn wir möchten verhindern, dass gefährdete Kinder in der jetzigen Lage ausgebeutet oder Opfer von Gewalt werden. Zusammen mit Informationen über COVID-19 erhalten Eltern und Kinder, Lehrkräfte, Kirchengemeinden und andere Multiplikatoren oft Anregungen für den Umgang mit Aggressionen und Hinweise, wohin sie sich bei Problemen von häuslicher Gewalt wenden können.

Brasilien: Ein Mädchen im Amazonas-Gebiet wäscht sich die Hände als Schutz vor dem Corona-Virus.

Im Amazonas-Gebiet zeigen Gesundheitshelfer Familien die wichtigsten Hygiene-Massnahmen gegen das Corona-Virus.

Die Corona-Hilfsprogramme, die World Vision in 15  Ländern der Region aufgelegt hat, erreichen auch viele Kinder und Familien, die nicht durch Patenschaftsprogramme unterstützt werden. Ein Beispiel hierfür ist das «Solidaritätsschiff», das entlegene Gebiete im brasilianischen Amazonas-Bundesstaat aufsucht. Das Schiff bietet medizinische Behandlungen und Gesundheitsaufklärung an, stattet Kinder, die jetzt nicht nur Schule gehen können, aber auch mit Lernmaterial aus.

Zusammen mit Kirchengemeinden und anderen Partnern leistet World Vision  Sozialarbeit in den Armenvierteln von Grossstädten, sowie unter Migranten-Familien, beispielsweise aus Venezuela. Insgesamt haben die Corona-Hilfen bisher mehr als 3 Millionen Kinder in Lateinamerika und der Karibik erreicht.

Da die Wirksamkeit der eigenen Hilfe in einer so grossen Krise an Grenzen stösst, sind wir immer auch bestrebt, die Widerstandskräfte gefährdeter Menschen zu stärken und einen nachhaltigen Beitrag zu leisten, um die Rahmenbedingungen für ihre soziale Absicherung zu verbessern. Als Förderer helfen Sie uns die zu verteidigen, die sich nicht selbst verteidigen können, wie es unser honduranischer Kollege Riger Calix sagt.

 

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