COVID-19: neue Normalität im Flüchtlingslager

13. Juli 2020

Flüchtlingslager Dadaab, Kenia: Kinder lernen, wie sie sich vor dem Corona-Virus schützen können. Abstandhalten ist ein Weg.

Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz

Die Einwohner Boliviens dürfen nur noch einmal die Woche das Haus verlassen, um einkaufen zu gehen. Sie müssen sich jederzeit mit einer Identitätskarte ausweisen können, sonst droht eine empfindliche Busse. In Südkorea wurde von einem Tag auf den nächsten eine Ausgangssperre verhängt, seither darf sich keiner mehr ohne triftigen Grund zwischen Dämmerung und Morgengrauen auf den Strassen aufhalten. In Mauretanien bleiben Läden bis auf Weiteres geschlossen, alle Versammlungen sind verboten. 

Was anfangs noch auf Unverständnis oder Ablehnung stiess, ist seither die neue Normalität. Das gilt auch und vor allem für die vielen Flüchtlingscamps rund um den Globus. Dort sind die Menschen dazu gezwungen auf so engem Raum aufeinander zu leben, dass «Abstand halten» unmöglich ist. Die Chance auf eine gute Bildung oder gar auf eine zukunftssichere Lebensgrundlage gehen gegen Null. 

Gerade deshalb ist humanitäre Hilfe heute nötiger denn je. Vor allem die Kinder brauchen jetzt Unterstützung, damit sie eine menschenwürdige Kindheit und eine Perspektive für die Zukunft haben. Was ein wenig Hilfe bewirken kann, zeigt die Geschichte von Moulid, einem Flüchtlingskind aus Somalia.

Moulid: Leben im Flüchtlingslager
1996 floh Moulid aus seiner Heimat Juba in Somalia aufgrund des im Land wütenden Bürgerkriegs und der anhaltenden Hungersnot. Sein Vieh war gestorben und Nahrungsmittel zum Leben hatte er zu wenig. Er war der Älteste von neun Kindern und der Ernährer der Familie, da sein Vater gestorben war, als er gerade mal 15 Jahre alt war. Als der Krieg im Land anhielt und die Dürre fast alle Teile Somalias heimsuchte, beschloss Moulid, das Land zu verlassen und im Flüchtlingslager Dadaab Zuflucht zu suchen. Er registrierte sich beim Flüchtlingsapparat der Vereinten Nationen (UNHCR) und fand im Camp sein neues Zuhause. Moulid schaffte es, seine Geschwister weiterhin in die Schule zu schicken und erhielt dank seiner harten Arbeit sogar eine Anstellung als Sachbearbeiter bei World Vision. Die Stelle hat er bis heute. Moulid sagt: «Ich weiss es sehr zu schätzen, dass World Vision Kenia mir vertraut und mir diese Möglichkeit gibt.»

  
Moulid bei seiner Arbeit als Sachbearbeiter von World Vision Kenia.

Moulid fühlt sich trotz der erschwerten Lage rund um die COVID-19-Pandemie sicher im Lager, wenn er bei der Essensverteilung ansteht. Einer der Gründe dafür ist, dass World Vision alle Mitarbeitenden mit Masken und Handschuhen ausstattet und die Leute kontinuierlich über Präventivmassnahmen informiert. Dadurch hat sich die Wahrscheinlichkeit verringert, dass er sich an seinem Arbeitsplatz mit dem Virus infiziert. Während der Verteilaktionen bezog er auch Gesichtsmasken für seine Familie. Er hofft, dass in Zukunft noch viel mehr Menschen aus dem Camp Masken erhalten.

Neue Regeln im Flüchtlingscamp
Um die Anordnungen der Regierung zu unterstützen, haben World Vision Kenia und Partner ihre Arbeit in den Flüchtlingscamps angepasst. Während den Verteilaktionen von Nahrungsmitteln erhalten Begünstigte Gesichtsmasken. Die Menschen werden dafür sensibilisiert, sich die Hände regelmässig und gründlich zu waschen und falls möglich zu desinfizieren. Dafür nutzen sie installierte Händewaschanlagen, die an öffentlichen, gut zugänglichen Orten platziert worden sind. Etwa auf lokalen Märkten oder in Geschäften. Die Campbewohner werden gebeten, sich nicht in Gruppen aufzuhalten und Distanz zu waren. In einem gedrängten Flüchtlingslager ist das alles einfacher gesagt als getan. Mit der Verdoppelung der Plätze für Verteilaktionen versuche man, grosse Ansammlungen von Menschen zu verhindern.

 Täuschend schön: Das Flüchtlingslager Dadaab gibt es seit 30 Jahren und ist das Zuhause von über 200'000 Flüchtlingen, die vor der Hungersnot und Bürgerkriegen in ihrer Heimat flohen. 

Als Kindheitsretter ermöglichen Sie Kindern in Flüchtlingslagern, Not und Krisen eine sichere Kindheit. Danke für Ihre Mithilfe! Jetzt einen Unterschied machen!

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