COVID-19: Kein Internet für Flüchtlinge

21. Mai 2020

Cox’ Bazar, Bangladesch: Eine Mitarbeiterin von World Vision erklärt einer Familie, wie sie sich schützen können.

World Vision informiert Flüchtlinge auch per Internet über die aktuelle Situation um COVID-19. In Cox’ Bazar ist das wegen einer Internetsperre aber nicht möglich.

Text: Tamara Fritzsche, World Vision Schweiz
Das Mobiltelefon ist eines der wenigen Habseligkeiten, die Mohammed* auf seiner Flucht von Myanmar ins benachbarte Bangladesch mitnehmen konnte. Jetzt lebt er in Cox’ Bazar, dem grössten Flüchtlingslager der Welt. Sein Handy kann er im Camp aber fast nur noch für Fotos gebrauchen. Internetzugang hat er keinen mehr: ein Entscheid der lokalen Behörde und ein grosses Problem für Hilfsorganisationen, die die Menschen in den Camps vermehrt auch übers Internet für COVID-19 sensibilisieren.

Kein Internet für Flüchtlinge
Eine Umfrage von World Vision zeigt, dass Flüchtlinge Nachrichten zu COVID-19 und andere wichtige Informationen bevorzugt über WhatsApp und das Internet empfangen. Seit September 2019 hat die Regierung von Bangladesch jedoch die Nutzung von Mobiltelefonen und Internetdiensten camp-weit eingeschränkt. Im Internet surfen und Telefonieren ist so gut wie unmöglich geworden. Oft können die Flüchtlinge am Telefon ihre Verwandten knapp begrüssen, bevor die Verbindung wieder abbricht. Die Rohingya dürfen auch keine lokale SIM-Karte, die ihnen einen Internetzugang ermöglichen würde, kaufen, da sie dafür bangladeschische Papiere benötigen. Laut The New Humanitarian haben bangladeschische Beamte erklärt, dass das Mobiltelefonverbot aufgrund von Sicherheitsbedenken in Kraft getreten ist.
Das Flüchtlinge keinen Internetzugang haben, hindert Hilfsorganisationen daran, Botschaften zur öffentlichen Gesundheit zu verbreiten, die für die Prävention, Vorbereitung und Eindämmung von COVID-19 so entscheidend sind. Dadurch wird es auch schwierig, schädlichen Fehlinformationen entgegenzuwirken. 

World Vision kommuniziert offline
In unseren Koch-, Lern- und Ernährungszentren, in den Frauenschutzzonen und an den Gutschein- und Lebensmittelverteilstellen sowie bei unseren Cash-for-Work-Aktivitäten informieren wir die Menschen über die aktuelle Situation und wie sie sich schützen können. Dafür verwenden wir eigens für diesen Zweck erstelltes Schulungsmaterial, das in die Sprache der Rohingya übersetzt wurde. Damit wir möglichst viele Menschen erreichen, arbeitet World Vision weiter eng mit lokalen Führungspersönlichkeiten zusammen, darunter Imame, Majhis und führende Frauen.

Abgekoppelt von der Aussenwelt
Das Internetverbot isoliert die Rohingya zusätzlich und koppelt die ohnehin schon marginalisierte Gruppe weiter von ihrer Aussenwelt ab. Rund 700 000 Rohingya flohen ab August 2017 vor der Militärgewalt aus ihren Häusern in Rakhine, Myanmar, und strömten in die Lager. Mehr als zwei Jahre später leben etwa 900 000 Menschen, einschliesslich früherer Flüchtlingsgenerationen in provisorischen Hütten aus Bambus und Pflanzen. Eine sichere Rückkehr in ihre Heimat ist zurzeit nicht möglich.

*Mohammeds Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten.

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