COVID-19: Gegen das Virus spannen Pastoren und Imame zusammen

28. April 2020

Sierra Leone: Pastor Kainwo und Imam Koker tauschen sich über die aktuelle Situation um COVID-19 aus.

IMAM KOKER (L.) UND PASTOR KAINWO (R.) NUTZEN IHRE NETZWERKE GEMEINSAM, UM DIE BEVÖLKERUNG ÜBER COVID-19 ZU INFORMIEREN.

Text: Alexander Koch, World Vision Schweiz

Pastor Kainwo und der oberste Imam des Distrikts, Alhaji Mustapha Koker, organisierten bereits eine gemeinsame Notfallplanung noch bevor COVID-19 überhaupt in Sierra Leone angekommen war. «Wir haben uns mit den anderen Glaubensgemeinschaften koordiniert und unsere Botschaften nach den Kontaktrestriktionen auf Radio und Fernsehen verlagert.» 

In dieser besonders armen Region Westafrikas haben viele Gemeinden jedoch nicht einmal Zugang zu Radio oder Fernsehen. Davon allerdings liessen sich die beiden Glaubensvertreter nicht abhalten: «Wie kauften Megaphone und Lautsprecher und begannen, mit Einverständnis der Behörden, Dörfer zu besuchen und sie auf diese Weise zu informieren. Wir haben auch einfache Melodien für die Kinder komponiert, damit sie sich an wichtige Verhaltensregeln erinnern können», berichtet Pastor Kainwo. 

Zusammenarbeit hat sich schon bei Ebola bewährt
World Vision arbeitet seit langem gezielt und eng mit Glaubensvertretern unterschiedlicher Religionen zusammen, da diese häufig die vertrauenswürdigsten und einflussreichsten Stimmen in den Gemeinden sind. Zum allerersten Mal wird das Netzwerk jedoch in dieser Grössenordnung und auf diese Weise mobilisiert. 

«Es gibt WhatsApp-Gruppen in fast allen Ländern Lateinamerikas, Asiens, Afrikas, dem Nahen Osten und Osteuropas. Diese werden von Mentoren moderiert, um sicherzustellen, dass genaue, aktuelle und relevante Informationen übermittelt werde», sagt Esther Lehmann-Sow, Direktorin für Glauben und Entwicklung bei World Vision. «Dieser Ansatz hat uns bereits in der Vergangenheit geholfen, das Bewusstsein für ein bestimmtes Problem zu schärfen, die Akzeptanz der Massnahmen zu verbessern, das Verhalten zu verändern sowie das Stigma in Bezug auf HIV/AIDS, Zika und Ebola zu verringern.» 

Vertrauen hilft in der Krise
Lehmann-Sow betont, wie wichtig es ist mit Vertretern unterschiedlicher Religionen zusammen zu arbeiten, da sie grossen Einfluss auf das Verhalten der Eltern und lokalen Regierungen haben. Dadurch kann World Vision das Verhalten der Menschen positiv beeinflussen. «In diesem Fall spielen sie eine Schlüsselrolle bei unseren Bemühungen, Kinder vor den potenziell katastrophalen Nebenwirkungen von COVID-19 zu schützen», sagt Lehmann-Sow. Die Gruppen arbeiten ähnlich wie eine Telefonkette, wobei jeder Teilnehmer das Gelernte aufnimmt und über sein eigenes Netzwerk weiterverbreitet. So entsteht ein Multiplikator-Effekt mit dessen Hilfe World Vision geschätzte 80’000 Glaubensvertreter erreichen und für die Mitarbeit gewinnen kann. 

Pastor Peter Kainwo aus Bo in Sierra Leone ist einer von ihnen. Er glaubt, dass ihm dieses System ermöglicht, jede Gemeinde in seinem Land direkt oder indirekt zu erreichen. Pastor Kainwo sagt, dass die Menschen trotz verschiedener religiöser Zugehörigkeit engagiert und miteinander arbeiten. «Die Lehre teilt uns, aber der Dienst verbindet uns.» 

Sierra Leone: Pastor Kainwo und Imam Koker informieren die Besucher einer Moschee, wie sie sich vor Ebola schützen können.SCHON WÄHREND DER EBOLA-KRISE ARBEITETEN KAINWO UND KOKER ZUSAMMEN. HIER IN EINER MOSCHEE IN BO, SIERRA LEONE.

Als Ergebnis der langjährigen und vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen World Vision und den Kirchen unterhält die Organisation heute enge Partnerschaften mit örtlichen Kirchen verschiedener Konfessionen sowie Einflussträgern anderer Glaubensrichtungen. Gemeinsam engagieren sie sich für eine sichere Zukunft für Kinder. «In Zeiten wie diesen macht unsere gemeinsame Arbeit einen echten Unterschied für Kinder», schliesst Lehmann-Sow.

So können Sie einen Unterschied machen: In enger Zusammenarbeit mit UNICEF und anderen Hilfsorganisationen unterstützen wir Kinder, ihre Familien und die Gesundheitssysteme in besonders fragilen Ländern. JETZT HELFEN!
 

Diesen Beitrag teilen:


0 Kommentare Anzeigen und kommentieren

Kommentar schreiben

Ihr E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Juba, Südsudan: Ein Mädchen hält ihre kleine Schwester in den Armen.

23. Juni 2020

Süd­s­u­dan: vom Schul­mäd­chen zur Mut­ter von drei Kin­dern

Der Südsudan kämpft seit Jahren gegen Armut und eine anhaltende Hungersnot. Die COVID-19-Pandemie verschlimmert die Situation im Land um ein vielfaches. Die 11-jährige Paska treffen die Umstände besonders hart.


18. Juni 2020

Ne­pal: So er­le­ben die Pa­ten­kin­der die Pan­de­mie

Patenkind Uma aus Lamjung informierte im Radio darüber, wie sich die Bevölkerung vor dem Virus schützen kann.

In einem selbstproduzierten Video erklären Patenkinder aus Nepal von ihrem Leben während der Pandemie und wie sie sich selbst schützen. Als Botschafter in ihrer Region machen sie aber noch mehr.


Indien: Ein Mädchen schaut fröhlich in die Kamera.

17. Juni 2020

Kon­takt hal­ten in Zei­ten von CO­VID-19: Der in­di­sche Weg

Wir alle mussten uns radikal umstellen: vom Social Distancing im Supermarkt bis zur Familienfeier auf Zoom. Nichts ist mehr wie es vorher war – das gilt für unsere Mitarbeitenden in Indien erst recht. Aber mit etwas moderner Technik und viel Entschlossenheit eröffnen sich neue Wege.


Simbabwe: Eine Frau mit Mundschutz bedient ein Lernprogramm auf ihrem Mobiltelefon.

9. Juni 2020

Sim­b­ab­we: Die Schu­le muss wei­ter­ge­hen!

Naturkatastrophen oder Pandemien gefährden in armen Ländern wie Simbabwe nicht nur das tägliche Überleben, sondern auch die Zukunft der Kinder. Weil die Eltern nicht so einfach das «Home Schooling» übernehmen können, fällt das Lernen oft einfach aus. Mit einem mobilen Unterrichtsersatz sorgt World Vision dafür, dass die Schule auch in Krisen weitergeht.

WIR SIND FÜR SIE DA:

Kinderhilfswerk
World Vision Schweiz
Kriesbachstrasse 30
8600 Dübendorf

info@worldvision.ch
T +41 44 510 15 15

Kinderschutz

World Vision ist die Sicherheit und Privatsphäre der Kinder in unseren Patenschafts-Programmen ein grosses Anliegen. [ ]

Wenn Sie Grund zur Annahme haben, dass eines dieser Kinder gefährdet ist, geben Sie uns bitte umgehend Bescheid: Rufen Sie uns an unter +41 44 510 15 93 oder schicken Sie uns ein E-Mail an protection@worldvision.ch.

Newsletter abonnieren

instagram

 

 

ALLGEMEINE SPENDEN    Postkonto: 80-142-0  |  Bank: IBAN CH98 0900 0000 8000 0142 0

World Vision Schweiz ist eine gemeinnützige und somit steuerbefreite Organisation. CHE-333.958.696

World Vision verwendet Cookies, um Ihr Online-Erlebnis zu verbessern.
Mit der weiteren Nutzung von worldvision.ch akzeptieren Sie unsere Datenschutzbestimmungen